des Antinous ... Seine Augen waren sanft braun ... Die Farbe seines Antlitzes , und nicht ganz vom Widerschein der Strahlen des orangegelb über dem Albanergebirge herausgetretenen Mondes , war fast gelblich ... Das kurzgeschnittene und die so schöngeformten kleinen Ohren grell freilassende Haar dunkelschwarz ... Der braune , jetzt von der Kapuze bedeckte Nacken schweifte sich sanftgebogen ... Sein Mund war etwas aufgeworfen und wie zum Genuß des Lebens bestimmt ... Die hohle Wange stand in Verbindung mit sanften Erhöhungen an den Winkeln und Lippen ... Seine Gestalt hatte etwas Aetherisches ; sie schien , wie dies einst dem heiligen Franciscus in Wirklichkeit geschehen sein soll , in den Lüften zu schweben ... Viele , die ihn kannten , prophezeiten auf sein Haupt - noch einst die dreifache Krone - wie man in der katholischen Christenheit jedem Leviten thut , der sich durch gottseligen Sinn auszeichnet ... Die beiden Deutschen gingen hinter dem Italiener , wie seine Diener ... Doch wollte dieser nur ihr Führer sein ... Hubertus ließ sich auch nichts von seinem bestimmten , festen , muntern Naturell nehmen ... Was ihm durch den Sinn kam , plauderte er aus ... Die Bäume am Wege nannte er alte Bekannte aus Indien ; die Düfte , die von den botanischen Gärten herüberkamen , analysirte er nach den Pflanzen , denen sie angehörten ... Den schmetternden Nachtigallen paßte er stillstehend auf ; dem Mond drohte er , ihn , wenn er noch größer und ganz wie in Java würde , vor Freude in den Sack zu stecken ... Alles das , sagte er , ist darum so prächtig hier , weil es ohne die Schlangen und die Tiger ist ! ... Die Heiterkeit des wunderlichen Alten hatte seinen Leidensgefährten schon seit Jahren aufgerichtet ... Sebastus nannte ihn schon im Kloster Himmelpfort den zweiten Philippus Neri ... Philippus Neri war jener » kurzangebundene , humoristische « , römische Heilige , von dem Goethe in seiner italienischen Reise erzählt ... Könnte ich Ihnen den Schamanen und indischen Gaukler austreiben , sagte Sebastus schon oft , Ihre Wunderkraft und Heiligsprechung wäre verbürgt ! Philippus Neri legte sich auf das Studium , den Menschen manchmal so unausstehlich zu werden wie möglich . So auch Sie ! Es gelang freilich Ihrem heiligen Vorbilde nicht immer so ganz , wie Ihnen ! Je mehr Philippus verletzte , desto mehr liebte man ihn . Ja sogar die Thiere liefen ihm nach . Hunde zu tragen - war sonst eine Strafe der Verbrecher ; Philippus trug sich immer mit Hunden und duldete den Spott der römischen Jugend . In die Kirchen ging er und unterbrach die römischen Fénélons und Bourdaloues seiner Zeit gerade an ihren blumenreichsten Stellen . Da wollte er ihre Demuth prüfen , ob auch wol die geistreichen Rhetoriker nun ebenso gelassen blieben , wie sie ihren Zuhörern anempfahlen . Erschien ihm die allerseligste Jungfrau , so spie er sie an , und siehe da ! es war eine Teufelslarve . Er sagte : Ihm müßte dergleichen viel herrlicher erscheinen ! ... Die » Vernunft « in unserer Heiligengeschichte ist noch gar nicht genug geschildert worden ... So sprach Klingsohr in Himmelpfort - Fast hätte er sich auch in Rom veranlaßt fühlen dürfen , wieder an diese alten Vergleichungen zu erinnern ... Hubertus sprach den ganzen Weg bis zum Ponte Sisto , der die Wanderer über die Tiber führte , vor Aufregung alles bunt über Eck durcheinander ... Ja er wagte sich an den Pater Vincente mit der italienischen Frage , nicht etwa wo das Capitol oder das Coliseum oder die übrigen Klöster des heiligen Franciscus lägen , sondern wo er die päpstliche Reiterkaserne finden könnte ... Pater Vincente zeigte weit weg über die Tiber zur Peterskuppel hin und sprach von einer dort befindlichen Porta Cavallaggieri ... Nun ereiferte sich Hubertus über den Mangel an Briefkästen ... Und daß auch die Hauptpost nicht einmal des Nachts einen Briefkasten offen hielt , wie ihm Pater Vincente versicherte , rügte er ebenso , wie der heilige Philippus Neri mit den Institutionen von fünfzehn Päpsten , die er erlebt hatte , in stetem demokratischen Hader lag und noch wenige Jahre vor seinem Tode und schon im Geruch der Heiligkeit nahe daran war , statt als » heiliger Diogenes in der Tonne « in allerlei römischen Winkeln zu leben , als Staatsgefangener auf die Engelsburg zu ziehen ... Als Hubertus die Unmöglichkeit , den Brief abzugeben , in deutscher Sprache beklagte , mußte er erleben , daß Pater Vincente sich umwandte und mit gebrochenem Deutsch einfiel : Wisset Ihr denn nicht , daß Ihr keinen Briefwechsel führen dürft ? Laßt mich doch nicht zum Beschützer einer unerlaubten Handlung werden ! ... Die betroffenen Mönche erfuhren zum ersten mal , daß Pater Vincente soviel Kenntnisse in den Sprachen besaß ... Sie mußten ihren Unterhaltungen einen Dämpfer auflegen ... Hubertus murmelte , verdrießlich über soviel Loyalität : Sind wir wirklich im Lande der Mörder und Räuber ? ... So kam er in die andächtig und feierlich gehobene Stimmung Klingsohr ' s , um den jetzt nur noch bald die Volksstürme der Gracchen rauschten , bald die ersten feierlichen Gesänge der Katakombenkirchen ... Die Wanderer hatten die innere Stadt betreten , die in ihren lebhaftesten Theilen jeder andern südlichen gleicht und außer den an den Häusern zahlreich angebrachten Balconen nichts Auffallendes hat . Die » ewige Stadt « zeichnet sich auch sonst am Tage durch ihre Schweigsamkeit aus , die gar nicht mit der lärmenden Weise Südeuropas stimmt . Die Herrschaft der Priester bedingt den Ton der Ehrfurcht und Zurückhaltung . Beim ersten Betreten macht Rom einen Eindruck , wie Venedig auf den Lagunen - lautlos gleiten die Gondeln über die dunkle Flut ... Jetzt war nun noch die Nacht hereingebrochen und vollends still lagen die hier so engen , den erwerbenden Klassen angehörenden Straßen und kleinen Plätze . Dunkle Schatten hüllten die verschlossenen Häuser ein . Nur da und dort brach der goldene Strahl des Mondes hervor und gab den schmutzigen