Heinrich von Mecklenburg auf seinem Schlosse zu Schwerin . Er wurde betrauert als ein großer Verfolger der Räuber und Diebe , » deren er manche selber hängete , damit er sie von ihren Tagen brächte « , Worte , die die Junker auf Quitzöwel in der noch Unbedrohtheit ihrer Hälse lächelnd nachsprachen . All das waren Vorgänge zwischen 1375 und 1385 , das eigentliche große Geschehnis jener Zeit aber , insonderheit , soweit die Priegnitz mitspricht , war doch die Zerstörung Wilsnacks und der Aufbau der Wilsnacker Wunderblutkirche . Sehen wir , wie sich beides zutrug . 1383 am 16. August steckte Heinrich von Bülow – ganz nach Art der Bassewitz und Königsmarck , deren Fehde sich gegen Kyritz und Perleberg gerichtet hatte – Dorf Wilsnack in Brand , bei welcher Gelegenheit auch das Kirchlein ausbrannte . Der Priester des Dorfes aber grub einige Zeit danach im Schutt umher , um das eine oder andere vielleicht noch zu retten , und fand auch in einer Vertiefung des steinernen Altars eine Hostienbüchse , deren drei geweihte Hostien weder verbrannt noch verkohlt , sondern wie mit Blut gefärbt waren . 3 Er machte davon Anzeige nach Havelberg hin und der Bischof Dietrich Mann kam , um sich über das Mitgeteilte zu vergewissern . Er fand alles bestätigt ; auch der Erzbischof von Magdeburg stimmte zu , so daß schon 1384 , ein Jahr nach dem Brande , das Wallfahrten begann . Als bald danach Johann von Wopelitz , an Dietrich Manns Stelle , den Havelberger Bischofsstuhl bestieg , war das » Heilige Blut von Wilsnack « schon in der ganzen christlichen Welt berühmt . Es kamen Pilger nicht nur aus der Mark und allen Teilen Deutschlands , auch aus Schweden , Dänemark , Norwegen , Polen und Ungarn . Die Ungarn kamen alle Jahre an vierhundert Mann stark und unterhielten ein Wachslicht von solcher Größe , daß es oben von dem hochgelegenen Orgelchor her angesteckt werden mußte . Der Andrang war so groß , daß die durch den Dorfbrand verarmten Bauern sich als Gastwirte wieder auftaten , Handwerker gesellten sich ihnen , um für das Sorge zu tragen , was die Tausende von Pilgern brauchten , und so wuchs die Stätte derart , daß man ihr Wall und Mauern und ein Stadtrecht gab . Allerlei Mittel dienten ebenso zur Bereicherung der Wilsnacker Kirche , wie des Havelberger Stifts überhaupt . Eines dieser Mittel war die Sündenwaage . Jeder wußte mehr oder weniger genau , wieviel er wog ; ergab sich nun , daß das Aufsetzen einer entsprechenden Anzahl von Steinen außerstande war , das Gleichgewicht der Waage herzustellen , so rührte das von der Sündenschwere her , deren Extragewicht durch allerlei Gaben balanciert werden mußte . Waren es Reiche , so traf es sich immer so , daß diese Sünden-Extraschwere ganz besonders groß war . Unter der Waage nämlich befand sich ein unsichtbar in das Kellergewölbe hinabführender Draht , mit dessen Hilfe man die Waage nachgiebig oder widerspenstig machte . Der Zweck rechtfertigte die pia fraus . Eine vielleicht noch größere Einnahmequelle bildeten die » bleiernen Hostien « , die man als » Pilgerzeichen vom Heiligen Blut « in Wilsnack kaufen konnte . Der Ertrag , der hieraus floß , war so groß , daß nicht nur die Wilsnacker Wunderblutkirche , sondern auch eine Prachtkapelle zu Wittstock ( wo der Bischof meist residierte ) davon bestritten werden konnte , des gleichzeitigen Domumbaus zu Havelberg ganz zu geschweigen . Täuschungen , wie die mit der Sündenwaage , liefen beständig mit unter und in ihrem Gefolge selbstverständlich auch Mißhelligkeiten und Verlegenheiten aller Art. Ein böhmischer Graf , der eine lahme Hand hatte , weihte genesungshalber dem Wunderblut eine silberne Hand , ohne daß die Weihgabe helfen wollte . Trotzdem wurde gepredigt , die silberne Hand habe geholfen , welcher Lug und Trug freilich auf der Stelle bestraft wurde . Denn der Kranke , den man irrtümlich abgereist glaubte , hatte Wilsnack noch nicht verlassen und hob , als er die Lüge hörte , seine lahme Hand auf , um sie dem Volk unter Verwünschungen zu zeigen . Aber solche Verlegenheiten , so viel ihrer sein mochten , erfuhren immer rasch ihren Ausgleich . Ein von Wenckstern auf Lenzerwische hatte das Wunderblut verspottet und erblindete . Zitternd kam er , seine Sünde zu beichten und seinen erneuerten Glauben zu bekennen , und in derselben Stunde kehrte dem Reumütigen das Augenlicht zurück . Unter allen Umständen aber , und das war die Hauptsache , setzten sich die Wallfahrten fort , die , soweit sie von Süden und Westen kamen , an Burg Quitzöwel vorüber mußten und das Ihrige dazu beitrugen , das ohnehin bewegte Leben daselbst immer bunter und anregender zu gestalten . Am meisten für die beiden Söhne Dietrich und Johann . 2. Kapitel 2. Kapitel Dietrich und Johann von Quitzow bis zum Tode des Vaters . 1395 1385 wurde den beiden Quitzowschen Junkern ein Bruder geboren ( noch nicht der jüngste ) , der in der Taufe den Namen Konrad empfing . Sein Leben war zu friedlichem Verlaufe bestimmt und endete doch tragisch wie das seiner Brüder . Wir kommen in einem späteren Kapitel darauf zurück . Den Sommer und Herbst genannten Jahres 1385 verbrachten Dietrich und Johann von Quitzow , von denen jener jetzt 19 , dieser 15 Jahre zählte , zu großem Teil auf Schloß Wittenberge , wo sich ihr Spiel-und Jugendgenosse , der etwas ältere Kaspar Gans zu Putlitz , eben damals um die Gunst eines schönen Fräulein von Restorf auf Haus Garsedow bewarb . Freilich vergeblich . Sie war bereits verlobt . Im November waren beide Brüder wieder in Quitzöwel daheim und wenige Wochen später , zu Beginn der Adventzeit , trafen auch die Rühstädter und Kletzkeschen Oheime zu gemeinschaftlicher Begehung des Christfestes bei Köne von Quitzow ein . Mit ihnen zugleich erschienen Johann von Wopelitz ( damals noch nicht Bischof ) , Otto von Rohr und Klaus von Möllendorf , was aber dem festlichen Beisammensein eine ganz besondere Kurzweil