wird , für uns gewännen ! Das Elend meines Lebens kennen Sie ! Sie wissen , was ich dem Kreuz des Erlösers schon alles von Menschenschuld aufgebürdet habe ! Sie kennen Klingsohr ' s Sünden - auch seine verwelkten Rosen - Sie wissen , welche Hand den Lebensfrühling mir zerriß ... Ueber Trümmern aber ist das Kreuz erstanden ! Ich will meine Fahne nicht mehr lassen , die Fahne des geopferten Lammes ! Lassen Sie mich nicht streiten unter sinnlosen Führern ! Das ist das Schrecklichste , unter Mitknechten stehen , die nicht wissen , wessen Harnisch sie angethan haben ! Müßten wir nach Deutschland zurück , zurück nach Witoborns öden Gassen , zu den dumpfen Wänden Himmelpforts , so würde der letzte Funke unsers Lebenslichtes erloschen sein ! Lieber das Grab in Rom , als ein Leben im Leichentuch Deutschlands ! Sie , Sie sind glücklich ! Sie dürfen reden , hochwürdigster Herr und Bischof ! Legen Sie Zeugniß für uns ab ! Ein Wort von Ihnen zu unserm General , ein Wort zu Cardinal Fefelotti , und man wirft uns nicht mehr mit denen zusammen , die wie der Tag kommen und gehen . Auch mein guter Führer und Lehrer stürbe so gern in der Stadt der Katakomben . Er hat noch auf dem Amt in Witoborn eine Summe Geldes liegen , ungerecht Gut , das er der Sache der Gerechtigkeit schenken möchte . Er hoffte in Rom einen Erben zu finden , einen Krieger im Heer Seiner Heiligkeit , den zu erkundschaften ihm noch keine Muße geboten ward . Fände er diesen nicht , so würde er das Vermögen dem General seines Ordens anweisen ... Laßt ihn eine Weile suchen ! Laßt uns doch noch irgend eine schaffende Thätigkeit ! Der Trieb zu helfen ist Gradmesser noch vorhandener Lebenslust . Mit dieser neuen schönen Sonne , die wir Gefangenen nur zu spärlich sahen , ist er in uns zurückgekehrt . Ich jage nicht mehr dem Spuk der nordischen Phantome nach . Dieser blaue Himmel , diese göttliche Luft , diese immer gleiche Stimmung der Natur selbst im Blättergrün , das im Winter nicht entschwindet , ach ! sie gießen einen so vollen Glanz der Schönheit selbst über unsre bescheidensten Wünsche , daß ich mir vorkomme , als hätte meine seitherige Vergangenheit nur unter meiner unrichtigen Geburt im Norden gelitten . Meine Zweifel schwinden . In einem römischen Sonnenuntergang glaub ' ich an das Labarum des Constantin , das ihm in den Wolken erschien ! Ich sehe das Tabernakel des Hochamts in jeder bunten Wolke dieses italienischen Himmels ! Halleluja ! Die Kreuzesfahne voran ! In diesem Zeichen Sieg und Hoffnung ! Retten Sie uns ! Retten Sie uns ! Heinrich Klingsohr , genannt Pater Sebastus a Cruce . San-Pietro in Montorio , im Mai 18 * * . « Zu diesem Namen schrieb Bruder Hubertus : » Eines hochgnädigsten Herrn und Bischofs gehorsamster Kreuzesträger und apostolischer Pilger Frater Hubertus . « Diesen Brief ganz flüssig zu lesen und dann zu unterschreiben kostete dem » Todtenkopf « einige Mühe ... Seine knöcherne Hand kritzelte lange an den wenigen Worten ... An der Stelle , wo von seinem Geld die Rede war , hielt er besorgt inne ... Er gedachte mismuthig jenes Wenzel von Terschka auf Westerhof , von dem er schon lange ahnte , daß er dessen Versicherungen , er wäre nicht jener Soldat , der einst im römischen Heer gestanden , zu leichtgläubig hingenommen , von dessen Verbleiben aber , Ursprung , späterer Flucht , Uebertritt , gegenwärtigem Aufenthalt in London die Eremiten im winterlichen Walde , die Flüchtlinge durch Deutschland und Italien , die Gefangenen von Rom nichts erfahren hatten . Klingsohr kannte diesen Terschka nicht einmal dem Namen nach ... War die Erwähnung seines Geldes praktisch ? ... Wie würde diese Stelle auf den General wirken , wenn er sie läse ? ... Vielleicht ganz förderlich ! dachte endlich Hubertus mit einiger Pfiffigkeit ... Gegen zehn Uhr erhob er sich von seinem Maisstroh ... Aufgeschreckter denn je ... Dachte er an Terschka , Picard , sein Geld , so erschienen ihm Eulen und Fledermäuse und Brigitte von Gülpen rang unter ihnen die Hände und Hammaker ' s blutigen Kopf sah er und Picard hing am brennenden Dachbalken und den Pater Fulgentius , den er » richtete « , indem er ihn ruhig sich selber tödten ließ , sah er am Seile schweben ... Der Riegel seines Kerkers wurde klirrend zurückgeschoben ... Der fieberkranke Laienbruder war es selbst , der , sich schüttelnd , den mächtigen Sack brachte ... Er geleitete Hubertus an Sebastus ' Zelle ... Auch hier fiel die eiserne Klammer ... Sebastus stand in erregter Spannung ... Rom und die langen Leiden hatten seinem sonst so vornehm verächtlich , so hochmüthig geringschätzend in die Welt und auf andere Menschen blickenden Wesen seit einiger Zeit eine vortheilhafte Veränderung gegeben ... Er ergriff den heimlich dargereichten Brief , siegelte ihn , während Hubertus dem Laienbruder , um diesen zu zerstreuen , seine Pillen rühmte und zu größerer Deutlichkeit das Verschwinden des Fiebers mit der Leere des mächtigen Sackes verglich ... Dann steckte Sebastus unter der braunen Kutte den Brief zu sich und folgte dem Laienbruder , der beide auf die Terrasse zu den rauschenden Wassern führte ... Hier harrte ihrer Pater Vincente ... Benedictus Jesus Christus ! ... In aeternum , Amen ! ... Die drei Mönche schritten den Hügel San-Pietro nieder in jene kleinen gespenstischen Schatten der Bäume und Häuser , die ein helles Mondlicht wirft ... Alle drei schritten sie nach Rom hinunter in den gleichen Kutten ... Die Kapuze über den Kopf gezogen , um den Leib des heiligen Franz von Assisi fliegende weißwollene Schnur ... Die beiden Deutschen noch nach ihrer alten Regel in Sandalen ... Pater Vincente mit entblößten Füßen . Fußnoten 1 Vielen dieser Einzelzüge liegen Actenstücke zu Grunde . 2. Pater Vincente war wol schon dreißig Jahre alt ; doch hatte er noch alles von der weichen Jünglingsschönheit