Flucht schlagend , wobei Busso von Alvensleben auf Seite der Gräflichen und leider auch Werner von Calve auf Seite der Stendaler fiel . Das Lied aber , eines der schönsten aus der Zeit , lautete : Herr Busso von Erxleben sich vermaß Wohl auf dem Hause , da er saß : » Wär ' ich fünfhundert starke , Ich wollte so viele Kühe wegholen Wohl aus der alten Marke . Wüßt ' ich , wer uns Fußmann wollte sein In die alte Marke hinein , Ein Pferd wollt ' ich ihm geben . « » Ein Pferd möcht ' ich verdienen « , Sprach da Gebhard von Rundstede . » Ich will Euch führen in ein voll Land , Das ist unberaubt und unverbrannt , Da ist wohl viel zu nehmen . Wir haben viel starke Gewappnete , Wer sollte da das uns wehren ? « Zu der Hagemühle zogen sie hin , Bading war ihre von Anbeginn , Dazu auch Schäpelitze . Vor Klöden zogen sie vorbei , – Sie zogen nach Garlippe . Das ward der Badingsche Schulze gewahr , Er ritt nach Stendal vor das Tor : » Wohlauf ihr Bürger alle , Wollt ihr nichts weiter dazu tun , Bleibt uns keine Kuh im Stalle . « Die Bürger von Stendal waren so stolz , Sie zogen nach Deetz wohl hinter das Holz , Daß man keinen vorzeit erschaue . Das beweinte sehr Herrn Bussos Weib Und so manche stolze Fraue . Von ihrer wahrscheinlich hochgelegenen Stellung aus sahen die Stendaler unter ihrem Werner von Calve , daß die Harzgrafen samt dem geraubten Vieh an einem Hügelabhang auf der Feldmark von Klinke lagen und ohne Rast oder Ruhe zu nehmen , packten sie den Feind ... ... Und ehe der Tag zum Abend ging , Mußte der die Beute lassen . Sie schlugen Herrn Busso auf den Kopf , Dazu auf seinen Waffenrock Und auf seine Pickelhaube . Da machte manch stolz Gewappneter Sich flüchtig aus dem Staube . Werner von Calve , der gute Mann , Er ritt die Feinde selber an , Er griff wohl nach dem Schwerte . » Wer uns ein ehrlicher Mann will sein , Der steche gut in die Pferde . « Werner von Calve war in der Mitten , Er ward wohl durch und durch geritten , Das war der größte Schade , Den die von Stendal haben genommen , – Gott gebe ihm seine Gnade . Bänkelsänger und fahrende Leute , die solche Gesänge vortrugen , zogen viel durchs Land , denn die Zeit zeitigte beständig dergleichen , weil man , im Gegensatz zu der gewöhnlichen Annahme , mehr erlebte wie heutzutage , wo sich das Dasein ausschließlich in große Politik und kleines und kleinstes Hausund Privatleben teilt . Damals aber gab es noch etwas Dazwischenliegendes , das nicht groß und nicht klein war , das war der nie ruhende Kampf der Stadt- und Adelsgruppen unter- und gegeneinander . Dazu das reiche kirchliche Leben . Alles sprach zu Gemüt und Phantasie . Versuch ' ich beispielsweise in nachstehendem aufzuzählen , was man auf Burg Quitzöwel in einem Zeitraume von zehn Jahren und zwar im Umkreise weniger Meilen erlebte . 1375 weilte Kaiser Karl IV. fast beständig in dem nahegelegenen Tangermünde , das er beflissen war in einen Kaiserhof umzugestalten . Ein Schloß entstand und eine Kapelle , deren Edelsteinpracht ans Märchenhafte streifte . Mehr als einmal war man von Quitzöwel aus drüben , um den fortschreitenden Bau zu verfolgen und anzustaunen , und wenn dann Dietrich und Johann , und Kaspar Gans mit ihnen , wieder daheim und ihre Herzen und Sinne von dem Erschauten erfülle , waren , so spielten sie , des Reiches Herrlichkeit unter sich teilend , Kaiser und König . » Und so kindisch diese Spiele waren , sie riefen doch allerlei Ideen von Macht und Größe wach , die Wurzel schlugen und fortwuchsen . « 1378 starb der Kaiser und das ganze Land trauerte , zumeist aber Altmark und Priegnitz , denen der Heimgegangene durch alles das , was er für Tangermünde getan hatte , vielfach eine Quelle des Wohlstandes geworden war . Das Jahr darauf erschien der siebzehnjährige Sigismund in der ihm zugefallenen Markgrafschaft Brandenburg , um Eid und Huldigung in Empfang zu nehmen und den Städten und Ständen ihre Privilegien zu bestätigen . Am 17. März war er in Salzwedel , am 27. zu Tangermünde . Von allen Seiten her strömte man daselbst zusammen und unter denen , die , zujubelnd , auf dem Markt- und Rathausplatze der Stadt standen , waren auch die Quitzowschen Junker , ahnungslos , daß sie bestimmt waren , sich dereinst der Majestät eben dieses Sigismund gegenüber zu stellen . Und abermals ein Jahr und Berlin ging in Flammen auf : das Rathaus , die Marien- und Nikolaikirche brannten nieder , und ein lateinisches Distichon ging von Mund zu Mund , das in Übersetzung lautete : Am Tiburtiustag verheerte , Berlin , dich ein Feuer Und in Asche versenkt , trauert der Städte Zier . Das war 1380 am 11. August . Im selben Jahre stand ein Komet am Himmel und predigte Krieg . Und der Krieg kam und auch die Priegnitz sah ihn . Am 4. März 1381 zog ein von Bassewitz vor Kyritz und bestürmte die Stadt . Und siehe da , schon waren die Mauern erstiegen , als sich die Bürgerschaft noch einmal zu verzweifelter Gegenwehr zusammentat und in einem Ausfall den Feind zurückschlug und besiegte . Dieser aber getröstete sich , » daß ein Engel auf der Mauer gestanden und irdische Kraft und Tapferkeit zu Schanden gemacht habe . « 2 Das Jahr darauf brachte gleiche Streit- und Raubzüge , die sich diesmal aber gegen das nur zwei Meilen von Quitzöwel entfernte Perleberg richteten . Auch waren es keine Bassewitze , sondern etwelche Königsmarcks ( deren einer damals Landvogt der Priegnitz war ) , von denen die Stadt » gehuldet « wurde , wie der Chronist sich ausdrückt . 1383 starb Herzog