, gelang es , daß wir aus einer Polizeiwache auf dem Transport entsprangen und uns drei Tage und drei Nächte , dem Verhungern nahe , unter dem Heu einer Scheune verbargen ... Zu unserm Uebergang über die Alpen wählten wir die einsamste Straße , die des Großen St.-Bernhard ... So verschmachtet und verkommen waren wir , daß wir den Gerippen glichen , die dort von verschütteten Wegwanderern aufbewahrt werden « ... ( Sebastus ahnte nicht , wie gerade diese Worte auf Bonaventura wirken mußten , wenn er den Brief empfing ! ) ... » Nur die Hoffnung auf Rom belebte uns ... Rom ! Rom ! rief es in unsern Herzen und gestärkt erhoben wir uns , wie verschmachtete Kreuzfahrer einst mit dem Feldruf : Jerusalem ! ... Aber auch in diesen heißersehnten Gefilden verfolgte uns die Hand des Paters Maurus . Jedes Kloster unsers Ordens drohte zum Gefängniß für uns zu werden . In den Reisfeldern Pavias , wo wir uns in giftigen Sümpfen verstecken mußten , ergriff mich das Fieber . In der Nähe jener prachtvollen Certosa , einer architektonischen Wunderblume deutscher Baukunst in einer Oede voll Trauer , trauriger als die Fieberkrankheit , glaubte ich zu sterben . Mein zweiter Vater rettete mich und der innere Stern des Morgenlandes schimmerte wieder am Wege ... Rom ! rief es von unsichtbaren Geistern , in die zuletzt wirkliche Stimmen , die Stimmen der Pilger einfielen , denen wir uns anschlossen ... Alle meine Gräber öffneten sich in meiner öden Tannhäuserbrust ... Leiche auf Leiche erhob sich ... Die Wissenschaft , die Kunst , die Philosophie , die seraphische Liebe - alles wachte auf in dieser Sehnsucht nach Rom ! ... Ich fühlte unendliches Leben in meinen Adern ... Wir kamen ein kahl Gebirge , die Apeninnen , hinauf und sahen das Meer - Zum zweiten male sah ich ' s und mein Führer kannte es von Indien ... Was blieb da noch die Ostsee ! Nußschaale gegen einen Bethesdateich ! - Dort , dort lagen Afrika , Asien - Hannibal stieg mit uns nieder , Scipio kam von Karthago - Hinan ! Hinan ! ... So wanden wir uns drei Wochen durch Etrurien hindurch nach dem Sanctum-Patrimonium ... Mit den Pilgern , mit manchen Verbrechern , mit denen uns die Nachtwanderung vereinigte , hofften wir : Rom ist die Stadt der Gnade ! ... Ein Pilger rief : Rom ist mit Ablässen gepflastert ! Ich verzieh einem Mund , der dem natürlichen Jubel des frommen Entzückens erwiderte : Noch mehr , denk ' ich , dein eigen Herz ! - Diese Denkerphrase - deutsch gesprochen ! Ich verzieh dem Sprecher , weil er ein Greis war « ... Hubertus hielt hier einen Augenblick inne ... Dieses greisen deutschen Pilgers hatte er oft gedacht ... Auch ihm und Klingsohr war er streng gewesen ; aber eine verklärte und wieder andere verklärende Natur bei alledem ... Wo mochte wol dieser Reisegefährte weilen ! ... Dann fuhr Hubertus zu lesen fort : » Wir mußten mit den andern oft in den Felsen schlafen , vermieden die großen Städte , deren Zinnen und Domthürme ich nur fernher aufragen sah , wie die Märchenerinnerungen meiner Jugend ... Parma ! Florenz ! Siena ! Welche Klänge ! ... Aber in Höhlen , oft zu Räubern , mußten wir flüchten , bis wir endlich in diesem öden Kesselthal ankamen , das Euch die wüste Campagna heißt - Die wüste ! Ihr leipziger Nationalökonomen , ein Hirtenland mußt ' es ja sein , wo wieder die Krippe des Heiles steht ! Hier darfst du ja , verlorene Welt , nur Schafhürden und Ställe suchen ! Hier sollst du ja nur der Hirten Lobgesang hören wollen , der dich doch in Correggio ' s Nacht entzückt , warum nicht in Wirklichkeit ? ... Endlich eines Morgens ging die Sonne auf und wir sahen - die Stadt der Städte ! Im Kern einer großen Muschel liegt , nächst Jerusalem , die köstlichste Perle ! ... Das Auge unterschied die Peterskuppel ... Schon hörte das Ohr die Glocken der versunkenen Kirche , die in meiner Brust schon seit dreißig Jahren Rom läuten ; ich hörte sie - nun von sichtbaren Thürmen niederhallen - Hosiannah ! rief alles um uns her ... La capitale du pardon ! jauchzte ein Franzose ... Da umringen uns wieder die Häscher des Paters Maurus . Die in der Knabenlectüre vielbelachten - Sbirren - häßliche Dreimaster von Wachsleinen auf dem Kopf - ... Sie wissen , wer wir sind . Sie wissen , woher wir kommen ... Sie führen uns über die Tiber zurück , die wir schon hinter uns hatten ! ... In der Abenddämmerung geleiten sie uns einen jener riesigen Aquäducte entlang , die man nicht sehen kann ohne an Roms ewige Größe , an die fruchtlosen Belagerungen durch Attila , die Hohenstaufen und Beelzebub zu denken , führen uns durch ein entlegen Thor auf einen hohen Berg und hier in ein Gefängniß , das wir seit dieser Stunde nur zuweilen im Umkreis einiger hundert Schritte verlassen haben ! ... Vor unserm Kloster stürzen sich die Wasser jenes Aquäductes , dem wir folgten , in ein Becken und gleiten nach Rom hinunter , das , sagt man , vom Geriesel der Brunnen und Cascaden wie ein einziger Quell des Lebens rauschen soll ! - - Wir hier oben aber verschmachten ! Wir müssen uns der Gewalt des Pater Maurus , die bis hieher reicht , ergeben ! - ... Wohlan , die Ordnung herrsche in der Welt , selbst in den Händen unwürdiger Gotteswerkzeuge ! Wir wollen unser Joch-Jahr dulden . Aber die Zukunft ! Soll sie denn nur , nur den Tod bergen ? ... Wenn Ihre große Güte , hochgnädigster Bischof , es übernähme , ein Wort des Zeugnisses für uns beim General zu sprechen ! Wenn Sie Ihren Nachbar , den Erzbischof von Coni , Cardinal Fefelotti , der , wie man sagt , die Stelle des Großpönitentiars der Christenheit erhalten