Ackermann war schon aufgestanden . Schon die ersten Worte klangen ihm so bekannt und durch den Sinn doch so fremd ... Wer ist Das ? sagte er . Wir haben Arbeiter genug , spricht die Magd , und schicken täglich fort . Ei , so fragt an ! Bin ich darum so weit gewandert ? Selma hatte ein Gefühl , als sollte sie aufschreien . Sie faßte den Drücker der Nebenthür , als müßte sie fliehen . Das ist der Fürst ! ruft Ackermann außer sich und reißt die Thür auf , die zur Hausflur führte . Im Dunkeln , beleuchtet von einer kleinen Küchenlampe der früheren Magd vom Heidekrug , stand in einer Blouse mit grauweißem Hute ein junger Mann . Wie er den Hut zog , die braunen Locken ihm über die Stirn fielen , er näher trat , er grüßte , bebte das Wort auf Ackermann ' s Lippen : Kommen Sie ! Die Magd , die den Fremden nicht wieder erkannte , sagte : Das ist Herr Ackermann ! Wohl ! Wohl ! spricht der Ankömmling . Ich kenne Herrn Ackermann . Darf ich eintreten ? Ackermann sprachlos ( denn er glaubte den Fürsten zu sehen ) tritt zurück und stellt das Licht , das er ergriffen hatte , zitternd auf den Tisch . Ein unterdrücktes Ach ! wie von einer Entfliehenden im Nebenzimmer ... Wie die Thür des Corridors sich schließt , sagt der Eintretende : Sie kennen mich nicht . Erinnern Sie sich jenes Wanderers , der im Walde bei Hohenberg letzten Sommer mit Ihnen und Ihrem Sohne Selmar sprach ? Wohl ! Wohl ! sagt Ackermann bebend . Ich bin in der Lage , Sie um eine Freundlichkeit , eine Aufopferung zu ersuchen . Ich verehrte Sie immer . Seit Louis Armand von Ihnen sprach , seit mein Bruder Siegbert Wildungen Sie den bedeutendsten , den edelsten aller Menschen nennt - Siegbert - Ihr Bruder ? Mein Bruder ! Ich bin der Flüchtling Dankmar Wildungen , den eine zum jämmerlichsten Egoismus entpuppte Politik zwingt , sich zu verbergen . Ich kann nicht aus dem Lande fliehen , weil mich an dies Land Vaterlandsgefühl und eine große Aufgabe bindet . Darf ich bei Ihnen bleiben ? Wollen Sie mich in Ihrem neuen großartigen Verkehr im Geheimen als Arbeiter dulden , bis bessere Zeiten kommen ? Ackermann , sprachlos , ergriff sein Portefeuille , riß es auf , holte ein Papier hervor , entknitterte es , nahm die Locke und hielt sie gegen Dankmar ' s Haar . Diese Locke schnitten Sie mir in einer räthselhaften Nacht vom Haupte , sagte Dankmar . Ich träumte , ich wachte . Ich sah Sie geheimnißvoll mir nahen und so lieb hatt ' ich Sie , so verehrt ' ich in Ihnen den höheren Genius , daß ich still die Augen geschlossen hielt und mit mir geschehen ließ , was geschah . Allmächt ' ger Gott , Sie galten damals - Für den Prinzen Egon ! Ich erwies ihm die Liebe , ihm durch Täuschung andrer leichtsinniger Menschen einen großen Dienst zu leisten . O beim Himmel ! Seine Täuschung hat er länger durchgeführt , als ich ! Ackermann ' s Gefühle waren in diesem Augenblicke zu gewaltsam , von Jammer und von Freude zugleich zu heftig bestürmt . Dennoch überwog , aus Liebe für Selma , die Freude . Eben wollte er jubelnd rufen : Selma ! Selma ! Wo bist du ? Da stand sein Kind schon an der Thür , weinend , lachend , an dem Rahmen der Thür sich haltend , zitternd , bewußtlos ... Selma ! rief Dankmar , stürzte auf das bebende , vom Entzücken über ihren Irrthum , ihre Täuschung bewältigte Mädchen und schloß sie , kaum wissend , was er that , ungehindert durch des Vaters Nähe , nur folgend dem stürmischen Ausbruch seiner Gefühle , voll Seligkeit in seine liebenden Arme . Ende des siebenten Buches . Achtes Buch Erstes Capitel Paul Zeck Die Entdeckung , die Fritz Hackert in jener abenteuerlichen Nacht über den Gewölben des Rathskellers gemacht hatte , bestand aus einem Dokumente . Es war eine Taufakte , aufgenommen in einer nahegelegenen , zu den Sprengeln der Stadt gehörenden Dorfkirche und lautete : » Am 8. Mai 1825 nach unsers Herrn Geburt empfing durch den Unterzeichneten der in der Nähe bei dem Gehöftbauer Rieding von Ursula Zeck , einer fremden Dienstmagd , geborne uneheliche Sohn in der wegen dabei obwaltender Umstände und der Kränklichkeit des Kindes unerläßlich gewordenen Nothtaufe den Namen : Paul Franz . Solches wird nach dem im Kirchenbuche eingetragenen Berichte hiermit abschriftlich bestätigt . Lattorf , Pfarrer in Seehausen . « Hackert betrachtete diesen Schein von allen Seiten und ärgerte sich , daß er in dem Glauben , Bartusch suche etwas auf seine eigne Geburt sich Beziehendes , irregeführt war . Als Belohnung für sein Abenteuer blieb ihm nur der Schreck , den er unfehlbar dem Graurock eingeflößt hatte und nach dessen Wirkung er sich bei aller Vorsicht , mit der er sich gegen Schlurck und seine Angehörigen seit einiger Zeit benahm , am folgenden Morgen zu erkundigen beschloß . Das ihm werthlos scheinende Dokument verschloß er mit den Worten : Armer Paul Franz Zeck , zur Noth getauft , zur Noth geboren , wohl längst gestorben ! Ich wette , daß Bartusch dein Vater ist ! Die angebliche Ursula Zeck wollte den Vater nicht eingestehen . Brave Dienstmagd Das ! Vielleicht wurde ihr die Wahl schwer zwischen Bartusch und einigen andern Jünglingen , die jetzt auch graue Röcke tragen und in stiller Ruhe des Gewissens nicht ahnen , daß ihnen dereinst auf dem allgemeinen Offenbarungsgrundschlamm , wenn alle Wasser der Lüge abgelaufen sein werden , Paul Franz Zeck entgegenhüpft , ihre Knie umklammert und sie mit dem süßen Vaternamen begrüßt . Im Grunde ärgerlich über seine misrathene Entdeckung schlief er ein . Am folgenden Morgen erst besann er sich auf den Zusammenhang des ganzen Abends . Er lachte über Schmelzing , lachte