worden bin . Es kam nie vor , daß die linke Hand wieder zu nehmen trachtete , was mir die rechte Hand eben gegeben hatte . Jene so häufigen Kautelen und Einengungen , die bekanntlich viel grausamer sind als Vorenthaltung , blieben mir sämtlich erspart . Ich empfing alles » auf Diskretion « , ohne daß mir diese Diskretion jemals zur Bedingung gemacht worden wäre . Ja , was noch mehr überraschen wird , ich bin auch nachträglich niemals eines Vertrauensbruchs oder eines faux pas oder einer Ungeschicklichkeit bezichtet worden . Was alles ich nicht dankbar genug anerkennen kann . Aber freilich , wenn es mir einerseits glückte , mich vor einem direkten in Ungnade-fallen zu schützen , so hat es mir doch andrerseits ( einen einzigen Fall abgerechnet ) auch nie gelingen wollen , in eine direkte Gnade zu kommen . Es war eben immer nur » a hairbreadth ' s escape « . So wenigstens glaub ' ich aus einem gewissen elegischen Ton schließen zu dürfen , in dem diese Dinge , wenn das Kapitel schließlich vorlag , behandelt zu werden pflegten . Es kann aber auch kaum anders sein , und berühmte Historiker , wie mir versichert worden ist , haben Schlimmeres erfahren müssen . Fünf Schlösser Vorwort Entstanden zwischen 1880 und 1888 . Erstdruck : Berlin ( W. Hertz ) 1889 . Vorwort Fünf Schlösser ! Fünf Herrensitze wäre vielleicht die richtigere Bezeichnung gewesen , aber unsere Mark , die von jeher wenig wirkliche Schlösser besaß , hat auf diesem wie auf jedem Gebiet , immer den Mut der ausgleichenden höheren Titulatur gehabt und so mag denn auch diesem märkischen Buche sein vielleicht anfechtbarer , weil zu hoch greifender Titel zugute gehalten werden . Nur Plaue war wohl wirklich ein Schloß . Das Buch einfach als eine Fortsetzung meiner » Wanderungen « zu bezeichnen oder gar in diese direkt einzureihen , ist mit allem Vorbedacht von mir vermieden worden , da , trotz leicht erkennbarer Verwandtschaft , doch auch erhebliche Verschiedenheiten zutage treten . In den Wanderungen wird wirklich gewandert , und wie häufig ich das Ränzel abtun und den Wanderstab aus der Hand legen mag , um die Geschichte von Ort oder Person erst zu hören und dann weiter zu erzählen , immer bin ich unterwegs , immer in Bewegung und am liebsten ohne vorgeschriebene Marschroute , ganz nach Lust und Laune . Das alles liegt hier anders und wenn ich meine Wanderungen vielleicht als Plaudereien oder Feuilletons bezeichnen darf , so sind diese » Fünf Schlösser « ebenso viele historische Spezialarbeiten , Essays , bei deren Niederschreibung ich um reicherer Stoffeinheimsung und noch häufiger um besseren Kolorits willen , eine bestimmte Fahrt oder Reise machte , nicht eine Wanderung . Zu meiner besonderen Freude hat ein glücklicher Zufall es so gefügt , daß die zu verschiedenen Zeiten und ohne Rücksicht auf ein Ganzes entstandenen Einzelarbeiten , in ihrer Gesamtheit schließlich doch ein Zusammenhängendes bilden , eine genau durch fünf Jahrhunderte hin fortlaufende Geschichte von Mark Brandenburg , die , mit dem Tode Kaiser Karls IV. beginnend , mit dem Tode des Prinzen Karl und seines berühmteren Sohnes ( Friedrich Karl ) schließt und an keinem Abschnitt unserer Historie , weder an der joachimischen noch an der friderizianischen Zeit , weder an den Tagen des Großen Kurfürsten noch des Soldatenkönigs , am wenigsten aber an den Kämpfen und Gestaltungen unserer eigenen Tage völlig achtlos vorübergeht . Freilich nicht jeder Abschnitt , mit vielleicht alleiniger Ausnahme des ersten ( der Quitzowzeit ) , kommt zu seinem Recht , aber doch immerhin zur Erwähnung , und wenn sich auf dem Gebiete der eigentlichen Landesgeschichte sicherlich breiteste Lücken finden , so finden sich dafür auch Mitteilungen und Beiträge , die vielleicht geeignet sind , auf dem Gebiete der Kulturhistorie vorhandene Lücken zu schließen . Vielen Gönnern und Freunden – und nicht zum letzten der bei meinen vielen Anfragen nie lässig oder ungeduldig werdenden Lehrerschaft von Wilsnack und Umgegend – bin ich für ihre freundliche Mitarbeit zu lebhaftem Danke verpflichtet , am meisten freilich den Familien Knyphausen ( auf Lützburg in Ostfriesland ) und Eulenburg , ohne deren Hilfe die Kapitel Hoppenrade und Liebenberg nicht geschrieben werden konnten . – Alle von mir benutzten Bücher sind , meines Wissens , im Texte genannt worden , mit alleiniger Ausnahme ( weshalb ich es hier nachhole ) des E. Handtmannschen Buches » Neue Sagen aus Mark Brandenburg « , einer trefflichsten Sagensammlung , der ich , in dem Quitzöwel-Abschnitt , den Stoff zur Geschichte von » Quitzow dem Judenklemmer « und überhaupt alles auf die Eldenburg Bezügliche entnommen habe . Berlin , 20. September 1888 Th . F. Quitzöwel 1. Kapitel 1. Kapitel Dietrich und Johann von Quitzow im väterlichen Hause bis 1385 Ganz in der Nähe der Einmündung der Havel in die Elbe , zwei Stunden unterhalb Havelberg , liegt Dorf Quitzöwel . 1 Ersteigt man , um Umschau zu halten , den Turm der wenigstens an ihrem Giebel noch gotischen alten Kirche , so gewahrt man , nach Norden hin , das reiche , früher zu Bistum Havelberg gehörige Dorf Legde ( jenseits desselben die Wilsnacker Wunderblutkirche ) , während , nach Süden zu , die Rauchfahnen auf und abfahrender Schleppdampfer die Stelle bezeichnen , wo hinter dem hohen Elbdamm , und deshalb unsichtbar , die Elbe selbst ihren Lauf nimmt . So weit der Blick in die Ferne . Zu Füßen des uns Umschau gönnenden Turmes aber steigt ein aus Wiesen und Eichengruppen malerisch zusammengestellter Park und aus eben diesem Park ein Herrenhaus auf : das gegenwärtige Schloß Quitzöwel . Das ist die Stelle , wo die Stammburg der berühmten Quitzowfamilie stand . Überbleibsel der alten Umfassungsmauern werden noch gelegentlich in großen Steinblöcken ausgegraben und ein bis heute dem modernen Schlosse verbliebenes Stück Wallgraben erinnert an alte , längst zurückliegende Burgtage . Sonst verlautet nichts von Beschaffenheit und Umfang der ursprünglich hier gelegenen Quitzowstätte , während wir über alle diejenigen , die während der sogenannten » Quitzowzeit «