, als eine Zelle von zehn Fuß Länge und zehn Fuß Breite ... Beim Kreuz des heiligen Petrus drüben , laßt ihn ohne Furcht mit mir gehen ! ... Schon deshalb , weil er vielleicht ein Fieber mitbringt und ich dann Gelegenheit habe , euch zu zeigen , wie ich in Java das Fieber curiren lernte ... Der nimmt die Arznei , vor der ihr euch so fürchtet ... Die Mönche lachten über diese Worte aus zwei Ursachen ... Einmal weil sie aus einem Kauderwälsch von allerlei Sprachen bestanden ... Holländisch , Deutsch , etwas Meßlatein und so viel Italienisch , als man auf einer Wanderung durch Italien bis hieher und in dem beschränktesten Verkehr mit der Welt erlernen konnte ... Dann , als man zum Uebersetzen den Pater Sebastus herbeigerufen , lachte man wieder über die Methode des Fiebercurirens , die nach Hubertus hauptsächlich in einer sonst nicht normalen Anwendung von Theer und Kuhmist bestehen sollte ... Die Stimmung wurde dem Mitgehen des Paters Sebastus günstig ... Der Herbeigerufene trat in das Refectorium ein ... Er sah schon aus wie ein echter Nacheiferer des heiligen Petrus von Alcantara ... Hätte ihn sein General gesehen , er würde gesagt haben : Auch du , mein einst so wilder Kriegsmann , wirst mit der Zeit reif , die Wonne der heiligen Therese zu werden ! So mochte einst der edle Ritter Don Quixote de la Mancha ausgesehen haben ! So fleischlos hingen auch die Arme des Don Pedro von Alcantara , so voll Schwielen waren seine Kniee ! So sah er aus , als er in der schauerlichen Einöde zu Estremadura seinen furchtbaren Tractat über den » Seelenfrieden « schrieb ! ... Armes Jammerbild des Wahns ! ... Aber » doch noch ein Glück dabei ! « sagt der gute Bruder Lorenzo in » Romeo und Julia « ... Dinte und Papier hatte man dem Pater Sebastus gelassen . Man hatte ihm Bücher gegeben , um sich in der italienischen Sprache zu vervollkommnen . Man hatte gefunden , daß er besser Latein verstand , als der Pater Guardian , der seit diesem deutschen Pflegbefohlenen seine Sprachschnitzer nicht mehr so oft vom General unten im Kloster Santa-Maria corrigirt bekam ... Der Gefangene tilgte sie zuvor ... Pater Sebastus , fahl und bleich , mit übergebeugter , hohler Brust , hüstelnd , unsichern Ganges , flößte dem Guardian keine Besorgniß mehr ein , daß er entfliehen und sich dem wahrscheinlich doch nur noch kurzen Rest seiner Strafzeit entziehen könnte ... Der Guardian betrachtete seine Collegen , wie der heilige Vater im Consistorium die Cardinäle ... Quid vobis videtur ? Worauf ein einmüthiges Stillschweigen die jahrtausendalte Regel ist ... Zustimmung schien auch hier aus Jedes Auge zu leuchten ... Bei dem » Bruder Todtenkopf « versah man sich ja , daß er keinen Schinken , keinen Büffelkäse als zu viel ablehnen , sondern den Sack so vollstopfen würde wie nur möglich - eben um seine Kraft zu zeigen , über die er etwas ruhmredig und plauderhaft war , der alte Polterer ... Man beschloß , den Pater Sebastus mitgehen zu lassen und unterrichtete nur noch beide , wie sie es anstellen müßten , um von Koch , Kellner , Haushofmeister des Fürsten Rucca mehr , als alle andern Klöster , besonders die nicht blöden Kapuziner von Ara Coeli , zu bekommen ... Das Hauptmittel , begriff schon Hubertus , war auch hier die Faust ... Wenn um Mitternacht die große Tafel , die der alte Fürst Rucca seinem Sohn und der » Nichte « des Cardinals Ceccone ausrichtete , zu Ende war , begann die Austheilung ... Brachen die Mönche um die zehnte Stunde auf , so kamen sie gerade recht ... Wogte es dann schon die ganze Nacht in jenen Straßen , die zur Villa Rucca führten , so ging für sie der Weg durch entlegenere Gegenden , wo sich rascher dahinschreiten ließ ... Die Frate waren , in Hoffnung auf die große Beute , so nachsichtig , daß sie sogar in dem Verlangen des Pater Sebastus nach Siegelwachs heute nichts Sträfliches fanden und ihm die Mittel einer unerlaubten Correspondenz an die Hand gaben ; - es sollte alles , was die beiden deutschen Mönche auf die Post gaben , erst hinunter an den General kommen ... Heute ging in den Würsten , Schinken , Käsen , den feinern Tafelresten , die man erhoffte , ein Brief unbemerkt hin , den Pater Sebastus fast sichtbarlich seinem Leidensgefährten Hubertus zusteckte , daß er ihn vorher läse und mit unterschriebe ... Er wollte noch eine Weile sich ruhen , den Brief dann siegeln , mitnehmen und irgendwie suchen » der Post beizukommen « , - das flüsterte er auf deutsch dem Leidensgefährten ... Klingsohr hatte Rom , sein ewiges , hochheiliges Rom , bisher nur erst aus der Ferne gesehen ... Er kannte nur seit drei Vierteljahren diesen magischen Anblick zuweilen vom Fenster des Refectoriums ... Nun sollte er im Mondschein zum ersten mal den heiligen Boden betreten ... Die Sonne sank in ihrer goldensten Pracht ... Diesen Anblick hatte er zuweilen an Festtagen gehabt , durch die Olivenbäume des sich vom Fenster des Refectoriums abdachenden Bergabhangs hindurch ... Heute verweilte er länger bei ihm ... Sein dumpf gewordener Geist belebte sich ... Aus den matten Augen glitt ein Schimmer der Erwartung ... An den Bischof von Robillante hatte er geschrieben ... Robillante lag ja da , da , wo die Sonne ebenso schön unterging ... Er wußte , Bonaventura von Asselyn war jener Bischof dort geworden , der hier oben Pater Vincente hätte sein können , wenn er gewollt ... Vincente ' s Geschichte war das große Wunder , das man auf San-Pietro jedem erzählte , der etwas länger blieb , als nöthig , um die Bilder Sebastian ' s de Piombo in der Klosterkirche und die alten paolischen Wasserleitungen zu sehen ... Unbeschreiblich ist die Schönheit des letzten Blicks der scheidenden Sonne Italiens , wenn ihre Strahlen sich zuletzt nur noch leise durch