über Cicero , Cato , August , Seneca ... Es triumphirt ohne Rache ... Sanct-Michael auf der Engelsburg hält sein Schwert nicht drohend empor , sondern senkt es versöhnt zur Erde ... So kann man fühlen , wenn Hunderte von Glocken nach San-Pietro in Montorio hinauf das Angelus tragen ... Der nächste Gruß kommt links aus San-Onofrio , von Tasso ' s Eiche herüber ; zur Rechten von Santa-Cecilia über die botanischen Gärten aus Trastevere ... Hier oben bei den reformirten Franciscanern wird es später Nacht , als im Thal da unten , wo schon Hunderte von Lichtern aufblitzen ... Die Mönche sitzen soeben im Refectorium - essen Polenta - köstlichen jungen Salat aus ihrem eignen Garten ... Salz und Pfeffer , nicht Asche darauf gestreut , wie Petrus von Alcantara , der Stifter dieser - » Reformation « - mit seinem Salat es zu halten pflegte ... Der fromme Pater Vincente , für den Bonaventura jetzt in Robillante Bischof ist , fehlt heute unter den Brüdern der braunen Kutte ... Er liegt in seiner Zelle und erbittet sich von Gott Kraft und Sammlung zu dem harten Weg , für den gerade ihn heute ein Loos getroffen ... Alle Klöster der von Almosen lebenden Orden sind eingeladen , heute in der Nacht auf Villa Rucca zu erscheinen , um dort die Gaben des jungen , heute vermählten fürstlichen Paars , die Abfälle der köstlichen Tafel zu empfangen ... Der alte Fürst Rucca , Generalpächter der Steuern an der Nordküste des Kirchenstaats , will zeigen , daß das Sprüchwort falsch ist : » Unrecht Gut gedeiht nicht ! « - Was kann gedeihlicher sein , als Almosen an Klöster und Bettler ... Guardian und Brüder wußten , daß Pater Vincente einst um einen » Kuß in der Beichte « , den sein Gewissen und seine Phantasie ihm nur vorgespiegelt hatten , hier oben Jahre lang hatte büßen wollen ... Büßen zu dem Stachelgürtel , den Barfüßen und den aus drei Brettern bestehenden Betten , die hier Regel sind , noch hinzu ! ... Ein Trost der Brüder war , daß doch noch nicht ganz gelebt werden mußte , wie der Freund der heiligen Therese , der Beichtvater des Einsiedlers von Sanct-Just ( Karl V. ) , Petrus von Alcantara lebte , in einer Zelle , die kürzer war , als seine Leibeslänge ! Ging man über den Hof hinweg , so fand man von Bramante eine Kapelle just über der Stätte erbaut , wo der Apostel Petrus einst mit dem Kopf nach unten gekreuzigt werden wollte - Sanct-Peter wollte nicht die Ehre haben , zu sterben , wie sein Herr und Meister ... Der Janiculus ist das zweite Golgatha . Was sagten , solchen Leiden gegenüber , drüben die dunklen Zellen mit eisernen Gittern , in deren einer der selige Bartolomäus von Saluzzo zehn Jahre hinbrachte , ein Priester , der die Dreistigkeit hatte , schon dem Rom seiner Zeit , Päpsten und Cardinälen , zu sagen : Nicht einer unter euch ist ein wahrer Priester ! ... Pater Vincente schien kein so wilder Feuerkopf . Ein Schwärmer aus dem Thal von Castellungo , gehörte er ohne Zweifel zu jener dritten Art der Heiligen , den Geschlechtlosen , von denen damals der Onkel Dechant gesprochen ... Im Süden sind vollkommen schöne Jungfrauen nicht so häufig , wie diese rein vegetativen , willenlosen , zuweilen bildschönen Jünglinge ... Ein Mönch lebte gefangen auf San-Pietro in Montorio , der den Pater Vincente nur einmal sah und sich sagte : » Nun begreif ' ich Horaz und Alcibiades , Plato und - Platen - « ... Wer konnte wol hier oben in Rom vom deutschen Dichter Platen sprechen ? - - ... Pater Vincente hatte das Loos gezogen , der Hochzeit seines bösen Beichtkindes beizuwohnen ... Er sollte die Speisen in Empfang nehmen , die man ihm in seinen Quersack schütten würde , den jedoch ein stärkerer Laienbruder tragen sollte ... Dieser Laienbruder war krank ... Das Fieber springt in Rom von einem Berg zum andern ... Im Monat Mai hockt der unheimliche Dämon auf dem Janiculus ... So hatte man beschlossen , einen der beiden deutschen Gefangenen , die hier in Rom auf der Höhe des freien Vogelflugs in strenger Haft saßen , ihm zur Begleitung mitzugeben ... Der eine , den die Mönche » den Todtenkopf « nannten , war so stark , daß er im ersten Anfall seiner Ungeduld die verrosteten Eisenstäbe seines Kerkers verbog und fast zerbrach ... Jetzt war Bruder Hubertus schon lange ruhiger geworden ... Er ließ nach dem letzten Vierteljahr , das er und Pater Sebastus noch für ihre Flucht aus dem Kloster Himmelpfort in Deutschland hier zu büßen hatten , ein nützliches Mitglied der Alcantarinergemeinde erwarten , falls Pater Campistrano , der General der Franciscaner , und der Cardinal-Großpönitentiar ihm und dem nur noch schattenhaft am Leben hängenden Doctor Klingsohr die Bestätigung gaben , daß ihre Absicht , zu den » Reformirten « ihres Ordens überzutreten , auf einem wirklichen Bedürfniß der Seele beruhte ... Als Pater Vincente gehört , er müßte auf das ganz Rom in Bewegung setzende Hochzeitsfest der Gräfin Olympia Maldachini mit dem Sohn des reichsten aller Römer nächst dem Fürsten Torlonia gehen und unter den hundert Bettlern auch für San-Pietro in Montorio seine zarte , weiche , frauenzimmerliche Hand offen halten , die einen Bischofsstab hätte tragen dürfen , wäre er nicht voll Demuth gewesen , war er in seine Zelle gegangen , fastete und betete ... Dem » Bruder Todtenkopf « hatte man den Vorschlag gemacht , den voraussichtlich heute überfüllten Zwerchsack zu tragen ... Bruder Hubertus sang seit einiger Zeit so viel heitere Lieder , daß man den Versuch glaubte wagen zu dürfen , ihn ins Freie zu lassen , hinaus in eine allerdings fieberschwangere Mainacht ... Hubertus hatte erwidert : Wohlan ! Laßt mir aber den Pater Sebastus mit ... Es ist zu grausam , in Rom angekommen zu sein und neun Monate lang nichts davon gesehen zu haben