demnach seinem Beichtkinde , für sie ein wahrer Hohn , den die » Kirche « dem Stolz dieser Familie sprach ... Sie sah hier nichts als die Veranstaltung der Jesuiten ... Sie sah das fortgesetzte Wirken des Ordens , dem Terschka sich entzogen hatte ... Sie sah die Feindseligkeit des Erzbischofs von Cuneo , des Cardinals Fefelotti , der bereits gewaltsam in die Rechte der Waldenser eingegriffen hatte ... Als Bonaventura von seiner ersten Begegnung mit der Gräfin mit dem Entschluß , lieber doch dieser Lockung des Ehrgeizes , dieser Lockung seiner Liebe zur Geliebten und zum Vater mit äußerster Kraft zu widerstreben , nach Hause kam , regnete es in Strömen ... Schon war es spät ... Er konnte nicht sogleich auf der Freyung die Pforte finden , die die seinige war ... Eine Weile dauerte es , bis er sich zurecht fand ... Wie er geklingelt hatte , schlug unter den vielen Regenschirmen , die um ihn her sich fast den Platz benahmen , einer , ein dunkelblauseidener , auf ... Indem er in sein Wohnhaus trat , erkannte er die langsam an ihm vorübergehende Gestalt im braunen Mantel und mit den schwarzen Handschuhen ... Das Blau des Schirmes , das Gaslicht der Laterne , die gerade neben der Hauptpforte befestigt war , der mit Schnee untermischte Regen gaben dem Antlitz des jungen Mannes den Ausdruck des Todes ... Kein Wort , nicht einmal ein zweiter Blick , nur ein Lächeln , wie : Siehst du nun ? - und das Bild war vorüber ... Bonaventura suchte wie vor einem Gespenst sein einsames Zimmer ... Er floh , als wenn Lucinde hinter ihm her huschte und höhnte : Heide ! Heide ! und dann doch sagte : Aber sei ohne Furcht ! Ich sag ' es nur dir ! ... Sie ist es , rief er ... Sie ist es ... Was kann sie noch wollen ? ... Am folgenden Tage sah er endlich die Herzogin von Amarillas ... Olympia ruhte nicht eher ... Principe Rucca suchte ihn fast gewaltsam in den Palatinus zu führen ... Ceccone war zugegen ... Es war äußerlich ein heiterer Abend ... Unter den Scherzen zitterte das tiefste Leid ... Angiolina wurde nicht erwähnt ... Benno ' s Mutter fand er , wie sie dieser geschildert ... Unter dem Schein äußerster , ja abstoßender Kälte eine leidenschaftliche und dann doch wieder plötzlich kalt verständige Seele ... Er und sie benahmen sich so , als wüßten sie nichts vom Tiefverborgenen ... Olympia überhäufte ihn mit Schmeicheleien und Liebkosungen - um Benno ' s willen , den sie für seine Flucht einen Maledetto nannte , den sie nun bald in Rom strafen würde ... Principe Rucca nannte den Baron von Asselyn schon den allerbesten Freund , den er in dieser Welt besäße ... In einigen Wochen hofften alle in Rom zu sein ... Es schienen Menschen , hergekommen aus jener alten Welt der Imperatoren , wo die Frauen in ihren Ohrgehängen den Werth eines Königreichs trugen ... Sie fanden ganz in der Ordnung , daß der Bischof von Robillante sein Bisthum vom Kapitel verwalten ließ und den Carneval in Rom verbrachte ... Wie bewunderten sie Bonaventura ' s italienische Aussprache ... Die Herzogin war bei all diesen wilden und leichtsinnigen Exclamationen - - die Duenna Olympia ' s - jene Arme , die sich von Kirche zu Kirche fortbetete , weil sie keine Kutsche bezahlen konnte ... Sie stand tief befangen und mit Zittern lauschend ... Die noch zum Leben verurtheilte - Niobe , wie sie Bonaventura ' s von ihr seltsam gefesseltem Auge erschien ... Die Schwierigkeit der von Paula gestellten Aufgabe lähmte Bonaventura ' s Entschließungen ... Wie sollte er dem Grafen sich nähern ? Wie ihn nur annähernd ergründen ? ... Selbst Erkundigungen nur über seinen Ruf einzuziehen , widerstrebte ihm ... Auch kannte jedermann und niemand mehr , als Bonaventura , sein Verhältniß zu Angiolinen ... Er wußte durch Benno , daß der Graf ehrenwerth war , ja edel von Paula sprach ... Er konnte nur nach Westerhof schreiben : Er ist vollkommen würdig ! ... Dennoch - ihn sehen , eine Weile mit ihm leben , war unerläßlich ... Die Mutter des Grafen betrachtete ihn indessen mit prüfenderen Augen , als er auf ihren Sohn gerichtet haben würde ... Als der Graf hörte , Bonaventura sollte Bischof von Robillante werden , kam er noch weniger von Schloß Salem herein , von dessen Versteigerung man schon sprach ... Bonaventura erfuhr letzteres von Angelika Müller ... Diese , endlich einmal wieder in katholischen Berührungen recht sich ausschwelgend , sagte : Gräfin Erdmuthe fährt hin und her , schickt Boten über Boten an die Zickeles ... Die Katastrophe ist reif ... An die Stelle des Adels tritt in dieser Welt die Börse ... In diesen Zustand der Unentschlossenheit , die durch Lucindens verlorene Spur gemehrt wurde , hinein drängten sich die Vorbereitungen zur wirklichen Vollziehung seiner Bischofswahl , noch ehe er ganz entschieden zugesagt hatte ... Das Kapitel von Robillante hatte seiner eigenen Wahl sich begeben und der römischen Curie die Besetzung mit einer ihr genehmen Persönlichkeit überlassen ... Bonaventura stand der Gräfin und dem Grafen gegenüber in einem Licht , das das ungünstigste von der Welt sein mußte ... Was sollte Paula denken ! Was ganz Westerhof ! ... Da , zur Mehrung des falschen Scheins , mußte es geschehen , daß der unwiderstehliche Zug des Herzens , der Bonaventura nach den Eichen von Castellungo zog , eine Entscheidung erhielt , die ihn bestimmte , in der That die Mitra und den Krummstab anzunehmen , es mochte kommen , was da wollte - - ... Er war bei Gräfin Erdmuthe gewesen , hoffte wieder vergebens , bei ihr den Grafen Hugo zu begrüßen ... Die Gräfin empfing ihn mit äußerster Kälte , heute mit einer Aufregung des Zorns ... Ihre Augen glühten , ihre Hände zitterten ... Ha , brach sie nach den ersten Begrüßungen aus , da seh ' ich die