Revolver . Da auf einmal Schüsse von der andern Seiten , aus dem Tannendunkel jenseit der Bergstraße stürzen fremde Gestalten und werfen sich auf den Deutschen , entschlossen springt dieser seitwärts und giebt gleichfalls Feuer ; aber das scheucht nur augenblicklich den Feind zurück , der das Bewußtsein seiner Ueberzahl hat . Walther wird an den Fels gedrängt und in einem Nu ist er umringt von allen Seiten . Henry steht regungslos , die Waffe noch schußfertig in der Hand , und blickt auf das blutige Schauspiel zu seinen Füßen , noch steht Walther aufrecht an die Felswand gelehnte , aber das Blut rieselt bereits über seine Stirn herab , und er vertheidigt sich nur noch mit dem Degen . Es liegt den Feinden augenscheinlich daran , ihn lebend zu überwältige , nicht ein Einziger macht mehr Gebrauch von seiner Büchse ; da er im Rücken gedeckt ist , so suchen sie ihn von vorn und von der Seite niederzureißen , im nächsten Moment wird es geschehen sein . Henry sieht das und er sieht auch , daß ihm die schrecklicheThat erspart bleibt , er braucht dies Leben nicht mehr zu nehmen , es ist ohnedies verfallen , denn Walther ergiebt sich nicht . Sechs gegen Einen ! Seltsam , der Gedanke schießt auf einmal mit heißer , wilder Scham durch die Seele des Amerikaners , er wollte den Mord begehen mit fester Hand , aber unthätig zusehen , wie er sich unter seinen Augen vollzieht , das vermag er nicht , ein sekundenlanger furchtbarer Kampf – und die edle Natur Henry ' s bricht mächtig durch Haß und Wuth und reißt ihn gewaltsam fort zur Hülfe , zur Rettung . Ein Schuß , und der hinterste der Franctireurs liegt am Boden , ein zweiter , und der ihm zunächst befindliche stürzt zusammen , betroffen halten die Anderen inne , sie lassen von Walther ab und geben in ihrem Zurückweichen einen nur um so besseren Zielpunkt für Henry . Zum dritten Mal ! Entsetzt blicken die Franzosen auf die Höhe , aus der diese einzelnen geisterhaften Kugel kommen , deren jede mit tödtlicher Sicherheit ihr Opfer fällt , und als auch jetzt der Angegriffene sich wieder zusammenrafft und von seinem Degen Gebrauch macht , da wenden sich die Uebrigen drei zu Flucht , ein letzter Schuß des Amerikaners hallt ihnen nach , und der halblaute Fluch , mit dem der eine sein Gewehr fallen läßt und nach der Schulter greift , während er in noch eiligerem Laufe seinen Cameraden nachstürzt , beweist , daß auch dieser letzte nicht gefehlt hat – sie verschwinden im Tannendunkel jenseit des Weges , aus dem sie gekommen . Walther steht noch athemlos , als er sich auf einmal von einem Arme gefaßt und weggezogen fühlt . „ Fort ! “ flüstert eine Stimme in sein Ohr , „ sie dürfen nicht ahnen , daß wir unser nur zwei sind ! “ Er folgte mechanisch , in wenig Minnten sind sie im sicheren Dunkel der Felswand und der Tannenzweige , der Gerettete lehnt sich an den Stamm des Baumes , bleich , blutend , halb betäubt noch und sein Retter steht über ihm , stumm und düster , aber tief , tief aufathmend , wie von einer furchtbaren Last befreit . Sie waren vorläufig in Sicherheit , von hier aus konnte man jedes Nahen des Feindes bemerken , aber es war jedenfalls nur eine einzelne Patrouille gewesen , mit der sie zu thun gehabt , die Franctireurs dachten nicht daran , wiederzukommen , sie blieben spurlos verschwunden . „ Mr. Alison – Sie sind es ! “ „ Sind Sie verwundet ? “ fragte Alison kurz . Walther faßte nach seiner Stirn . „ Unbedeutend ! Eine der ersten Kugeln muß mich gestreift haben . Es ist nichts ! Statt aller Antwort zog der Amerikaner sein Taschentuch hervor und reichte es ihm , er sah schweigend zu , wie Jener es zusammenlegte und um die Stirn band , von der das Blut noch in einzelnen schweren Tropfen herabrieselte , aber er machte nicht die geringste Bewegung , ihm zu helfen . Walther trocknete sich mit seinem eigenen Tuche das Blut vom Gesichte , dann näherte er sich seinem Retter und bot ihm stumm die Hand , dieser zuckte zurück . „ Mr. Alison ! “ Walther ' s Stimme klang in tiefster innerer Bewegung . „ Man hat Ihnen bitteres Unrecht gethan heute Abend , und es war Ihr eigener Landsmann , der Sie verleumdete . Ich hatte besseres Vertrauen zu Ihnen , als Mr. Atkins . “ Henry wies finster und kalt die dargebotene Hand zurück . „ Nehmen Sie sich in Acht mit Ihrem Vertrauen , Mr. Fernow ! “ sagte er rauh . „ Um ein Haar wäre es getäuscht worden ! “ „ Sie haben mich gerettet , gerettet mit Gefahr Ihres Lebens ! Die Franctireurs konnten Ihren Standpunkt entdecken und auch Sie angreifen . Ich hätte das nicht erwartet , nach der Art , wie wir uns vor zwei Stunden noch gegenüberstanden . Auf Ihre Ehre baute ich , auf Ihre Hülfe nicht ! Sie dürfen meinen Dank jetzt nicht zurückweisen , trotz Allem , was noch zwischen uns liegt , er kommt aus vollem Herzen , und Sie werden auch – “ „ Schweigen Sie ! “ unterbrach ihn Henry mit wilder Heftigkeit . „ Ich will keinen Dank ! Sie schulden ihn mir am wenigsten ! “ Walther wich zurück und blickte ihn befremdet an . Das Benehmen des Amerikaners blieb ihm völlig räthselhaft . „ Dank ! “ wiederholte Henry mit vernichtendem Hohne . „ Nun , heucheln kann ich nicht , und bevor Sie mich als Ihren hochherzigen Retter preisen , sollen Sie doch die Wahrheit wissen ! Ich stand hier , nicht um Sie zu beschützen , tödten wollte ich Sie ! Schrecken Sie nicht so zurück , Mr. Fernow ! Es war mir blutiger Ernst , die Waffe hier war für Sie geladen ,