, wenn sie sich jetzt für ihn rühren oder nicht rühren , steht sein ganzes Wohl oder Wehe . Du weißt nicht , Vater , wie es drüben in den Bureaus und in den Conferenzen aussieht , aber ich weiß es und ich sage Dir , er mag sich sträuben , wie er will : nachgeben muß er doch , wenn es erst von allen Seiten auf ihn losstürmt . “ „ Und ich sage Dir , er thut es nicht ! “ erklärte der Schichtmeister . „ Eher schließt er die Werke ! Ich kenne den Arthur . Schon als kleiner Bube war er so , ganz anders wie Du . Du gingst immer mit Gewalt darauf los , wolltest mit Gewalt Alles zwingen , ob es nun eine Arbeit , oder ein Gartenzaun , oder ein Camerad war – der griff überhaupt nie gern irgend was an , und es dauerte immer lange , ehe er dazu kam ; that er ’ s aber einmal , dann ließ er auch nicht wieder los , bis er das Ding unter sich hatte . Jetzt ist er aufgewacht , und jetzt wird er Euch Allen zeigen , was in ihm steckt . Nun er die Zügel einmal hat , reißt sie ihm Keiner aus den Händen . Der hat etwas von Deinem eigenen Starrkopf . Denk ’ an mich , wenn Du ihn einmal zu fühlen bekommst ! “ Ulrich blickte finster vor sich hin ; er widersprach nicht mit seiner gewohnten Heftigkeit , aber man sah es ihm an , wie der Groll in ihm wühlte , daß er nicht widersprechen konnte . Vielleicht hatte er den „ Starrkopf “ schon einmal gefühlt . „ Und wie die Sache nun auch ausfallen mag , “ fuhr der Vater fort , „ meinst Du denn wirklich , daß Du noch Steiger bleiben kannst , daß sie Dich noch auf den Werken dulden nach Allem , was jetzt vorgekommen ist ? “ Der junge Mann lachte höhnisch auf . „ Nein , wahrhaftig nicht , wenn ’ s von Denen da drüben abhängt . Die nehmen mich sicher nicht wieder zu Gnaden an ! Aber von Gnade soll auch keine Rede sein , dictiren werden wir ihnen unsere Forderungen , und die erste der ganzen Knappschaft ist die , daß ich bleibe . “ „ Weißt Du das so gewiß ? “ „ Vater , beschimpfe mir meine Cameraden nicht ! “ brach Ulrich los . „ Sie lassen mich nicht im Stich ! “ „ Auch nicht , wenn die erste Forderung drüben ist , daß Du gehst ? Und der Herr stellt sie , verlaß Dich darauf ! “ „ Nie ! das erreicht er nie ! Sie wissen Alle , daß ich ’ s nicht für mich gethan habe ; mir ging es nicht schlimm ; ich brauchte nicht zu darben und ich finde überall mein Brod . Ihr Elend war es , was ich ändern wollte . – Rede mir nicht davon , Vater ! Sie machen mir oft Noth genug , aber wenn es Ernst wird , dann dringe ich durch , dann läßt mich Keiner im Stich . Wo ich sie hinführe , da gehen sie mit , und wo ich stehe , da stehen sie zu mir , und wenn ’ s in Noth und Tod wäre ! “ „ Früher – ja ! Jetzt nicht mehr ! “ Der alte Mann hatte sich erhoben , und jetzt erst , wo er sich dem vollen Lichte zuwendete , sah , man , wie gramvoll die Züge waren , und wie gebückt die noch vor Kurzem so kräftige Haltung war . „ Du hast ja selbst dem Lorenz gesagt , daß es anders geworden ist , “ fuhr er tonlos fort , „ und Du weißt auch den Tag und die Stunde , wo es anders wurde . Ich brauche Dir das nicht erst zu sagen , Ulrich , aber mir – mir hat der Tag auch das Bischen Ruhe und Freude gekostet , das ich noch vom Alter hoffte . Jetzt ist ’ s vorbei damit , auf immer . “ „ Vater ! “ schrie der junge Mann auf . Der Schichtmeister machte eine hastig abwehrende Bewegung . „ Laß gut sein ! Ich weiß ja nichts davon , will nichts davon wissen , denn wenn ich es gar noch klar und deutlich hören müßte , dann wäre es vollends aus . Ich habe genug an dem bloßen Gedanken ; schon der hat mich fast um den Verstand gebracht . “ [ 205 ] Ulrich ’ s Augen flammten wieder auf , so drohend wie vorhin bei der Hindeutung seines Freundes . „ Und wenn ich Dir nun sage , Vater , daß die Stricke gerissen sind , wenn ich Dir sage , daß meine Hand nicht dabei war – “ „ Sag ’ mir lieber nichts ! “ unterbrach ihn der Alte bitter . „ Ich glaube Dir doch nicht , und die Anderen thun es auch nicht mehr . Du bist immer wild und gewaltthätig gewesen und hättest in der Wuth Deinen besten Freund niedergeschlagen . Probir ’ s , tritt unter Deine Cameraden und sage ihnen : ‚ Es ist ein bloßes Unglück gewesen ! ‘ – es glaubt Dir Keiner ! “ „ Keiner ! “ wiederholte Ulrich dumpf . „ Auch Du nicht , Vater ? “ Der Schichtmeister richtete das trübe Auge fest auf seinen Sohn . „ Kannst Du mir hier in ’ s Gesicht behaupten , daß Du keine Schuld an dem Unglück hast , gar keine ? daß Du – “ er kam nicht zu Ende mit der Frage , denn Ulrich hielt den Blick nicht aus , seine eben noch flammenden Augen richteten sich scheu auf den Boden ; mit einer zuckenden Bewegung wendete er sich ab und – schwieg . Es war ein langes , banges Schweigen in dem Stübchen ; man