Die von der Decke niederhängende , reichvergoldete Lampe warf ihr volles Licht auf die Beiden . Das Gesicht des Prälaten war wieder „ wie aus Eisen gegossen “ , aber es lag eine fahle Blässe darauf . Dennoch beherrschte er Blick und Stimme mit der alten Energie ; erschüttert konnte diese eherne Natur wohl werden ; sie zu brechen , dazu gehörten noch andere Schläge , als die , welche sie bis jetzt getroffen . Ihm gegenüber stand Benedict , auch sein Antlitz war todtenbleich , aber es hatte doch jetzt wieder einen Schein von Ruhe , und die Brust athmete freier , als sei die Felsenlast , welche [ 187 ] sie bisher gedrückt , von ihr gesunken . Unbeweglich , die tiefen dunklen Augen auf seinen Abt gerichtet , wartete er auf dessen Spruch . „ Ihre Beichte ist vollständig , Pater Benedict , Sie gaben mehr , als ich verlangte ! Jetzt gilt es , das Beichtgeheimniß zu wahren . Hat außer mir Niemand die Wahrheit erfahren oder eine Andeutung darüber empfangen ? Auch Pfarrer Clemens nicht ? “ „ Niemand ! “ „ Sie thaten Recht , sich mir allein anzuvertrauen . Was auch geschehen ist , die Ehre des Klosters muß gewahrt werden , um jeden Preis . Sie werden auch fernerhin schweigen gegen Jeden . “ Der junge Priester wich mit dem Ausdruck des Entsetzens zurück . „ Schweigen ? Ich soll die Last , die ich eben von mir gewälzt , wieder aufnehmen und mit mir herumtragen mein Lebenlang ? Niemals ! “ „ Sie werden thun , was die Nothwendigkeit gebietet ! “ sagte der Prälat unbewegt . „ Mein Neffe “ – hier wurde ihm doch die Stimme treulos , sie bebte hörbar und die Hand , die er auf die Lehne des Sessels stützte , zitterte krampfhaft – „ mein Neffe ist nun einmal das Opfer geworden , und keine Reue und Buße hebt ihn wieder aus seinem Grabe ober giebt ihn seinen Eltern zurück . Jetzt gilt es nur noch unser Stift zu retten vor der Schande , daß die weltliche Gerechtigkeit hier eindringt und den Schuldigen aus den geweihten Mauern reißt , um ihn den Gerichten zu überantworten . Solch ein Schauspiel ist in jetziger Zeit gleichbedeutend mit unserer Vernichtung ; ich werde den Orden vor diesem Schlage zu schützen wissen , sobald ich nur Ihres Schweigens gewiß bin . “ „ Hochwürdigster ! “ Benedict richtete sich leidenschaftlich auf , „ wenn Sie es vermögen , das auf Ihr Gewissen zu nehmen , ich kann es nicht . Fordern Sie von mir , was menschlich ist , aber nicht diese ewige Lüge ! “ „ Ich fordere von Ihnen , was jeder Obere von einem Mönche heischen darf , unbedingten Gehorsam . Finden Sie sich mit Ihrem Gewissen ab , wie Sie können , wir haben hier höhere Rücksichten zu nehmen . Als Ihr Abt befehle ich Ihnen zu schweigen , Sie werden gehorchen , Benedict ! “ „ Ich werde nicht ! Treiben Sie mich nicht auf ’ s Aeußerste , es giebt eine Grenze auch für meine Gelübde ! “ Der Prälat blickte ihn finster und drohend an , aber die dunkelglühenden Augen des jungen Priesters wichen den seinigen auch nicht um eines Haares Breite ; und auch auf dessen Stirn stand die Falte , die sich so tief in die seinige grub , der schreckensvolle Zug , der den Beiden eine Aehnlichkeit gab , als fließe das gleiche Blut in ihren Adern . Der stolze Abt fühlte , daß er hier einem Gleichartigen gegenüberstand , den er mit dem bloßen Gebot seines Willens niemals beugte . „ Und soll es vielleicht das Ende dieser Gelübde sein , “ fragte er , dicht an ihn herantretend , „ daß Du mit Deinem unseligen Geheimniß zugleich das ganze Kloster preisgiebst und in ’ s Verderben reißest ? Du hassest es , ich weiß es längst , und doch verdankst Du ihm Alles , was Du geworden . Es hob den Knaben empor aus dem Staube der Armuth und Niedrigkeit und machte ihn zum Herrn über seines Gleichen , es öffnete dem Jüngling die Schätze des Wissens , die ihm sonst verschlossen geblieben wären , und bot dem Manne eine geehrte sichere Heimath . Willst Du es zum Danke dafür entehren ? Willst Du Deine geistige Mutter beschimpfen und sie dem Hohne ihrer Feinde preisgeben ? Achte wenigstens , was Du nicht mehr lieben kannst , was allein die Kraft in Dir erzog und nährte , die Du jetzt in offener Empörung gegen uns wendest . Ich sage Dir , Knabe , Du wirst den Leu nicht erschüttern , an dem schon Stärkere als Du ihre Macht erprobten , und der durch Jahrhunderte allen Stürmen widerstanden hat , Du ladest nur den Fluch der Undankbarkeit auf Dich selber – laß Deine Hand davon ! “ Benedict stand stumm mit heftig arbeitender Brust vor ihm , der Prälat hatte es verstanden , die rechte Seite zu berühren , er sah den trotzigen Widerstand erlahmen und zögerte nicht , seinen beginnenden Sieg weiter zu verfolgen . „ Mein Bruder ahnt , was geschehen ist ! “ sagte er , die Stimme senkend . „ In seinem und meinem Namen erkläre ich Dir , daß wir auf die Sühne für das Blut Ottfried ’ s verzichten . Außer uns aber hat Niemand auf der Welt ein Recht , sie zu fordern ; wenn wir die That begraben wollen , so ist sie begraben für alle Zeit . “ Benedict senkte das Haupt . „ Wenn auch Graf Rhaneck mein Schweigen fordert – sei es ! “ entgegnete er dumpf . Der Prälat wandte sich rasch zum Tische und legte die Hand auf das dort befindliche silberne Crucifix . „ Du gelobst es mir ? “ Der junge Priester trat finster zurück . „ Nein ! Nur keinen neuen Schwur , ich habe genug an dem einen , der mich willenlos