Umsicht und Raschheit , womit er seinem Befehle gemäß das Heer aus dem Veltlin zurückgeführt habe . » Da das Unausweichliche geschehen mußte « , fügte er bei , » so war es ehrenhafter , daß es schnell geschah – und ich danke es Euch , daß Ihr meinen mir peinlich werdenden Aufenthalt in Chur durch Euern schnellen Marsch gekürzt habt . « Baron Lecques sah seinem General forschend in das bleiche Angesicht und sagte mit einiger Schärfe : » Meinerseits , erlauchter Herr , fürchtete ich durch meinen schnellen Gehorsam die Interessen Frankreichs bloßgestellt zu haben . Es kann Euch nicht unbekannt sein , daß Euer Sekretär aus Paris Gegenbefehl gebracht hat ; doch er ist , weil Ihr mir Eile befahlt , zu spät gekommen . Bedauerlicherweise traf mich Priolo schon diesseits der Berge im Dorfe Splügen . « » Priolo hat sich gestern bei mir beurlaubt « , erwiderte der Herzog achselzuckend , » ich kann ihn nicht zur Rede stellen . Von einem zweiten , die Ordre zum Abmarsche widerrufenden Befehle , der durch meine Vermittlung an Euch gesandt worden wäre , weiß ich nichts . « Lecques öffnete seine Brieftasche und legte dem Herzog eine vom König und Richelieu unterzeichnete , in sehr bestimmte Ausdrücke gefaßte Weisung vor , die ihm befahl , das Veltlin mit seinen Treuppen zu halten , und die französische Ehre mit seinen tapfern Waffen um jeden Preis herzustellen . Die Furche des Grams auf der durchsichtigen Stirne des Herzogs zeichnete sich schärfer . Er öffnete ein Portefeuille , das auf dem Tische lag , und entfaltete die an ihn gelangte Vollmacht zum Abschlusse des von den Bündnern ihm aufgenötigten Vertrags . – Sie war St. Germain , den 30. März , datiert und von Ludwig XIII. und Richelieu unterzeichnet . Er hielt sie mit der Ordre zusammen , die ihm Lecques überreicht hatte . » Beide Dokumente tragen die Namenszüge des Königs und des Kardinals « , sagte er ernst . » Vergleicht . Die Echtheit keiner dieser Unterschriften ist anzufechten . – Der Euch gegebene Befehl opferte meine Ehre und wohl auch mein Leben ... warum habt Ihr ihn nicht ausgeführt ? « » Weil es zu spät war , denn ich hatte die Festungen schon geräumt « , sagte Lecques trocken . » Und besonders « , fügte er rasch und mit Wärme hinzu , » weil ich , wie die Lage war , ohne Euch , erlauchter Herr , nicht handeln wollte . Ich bin der Meinung , mit diesem letzten königlichen Befehle in meinen Händen sei auch jetzt noch nichts verloren und es sei noch früh genug , dem Wunsche und Willen des Königs nachzukommen und den Frankreich beschimpfenden Verrat zu rächen . Jetzt um so sicherer , als Feldherr und Heer wiedervereinigt sind ! – Mein Plan ist gemacht , wollet ihn anhören . « Er führte den Herzog in den turmähnlich vorspringenden Erker , dessen Fenster in der lauen stillen Mainacht offen standen , und fuhr mit gedämpfter Stimme fort : » Es liegen keine Bündnertruppen in der Stadt und ihrer Umgebung . Jenatsch hat die Regimenter ins Prätigau verlegt , um jeder Reibung mit unsern durch den ruhmlosen Rückzug gereizten Soldaten vorzubeugen . Nur einige Haufen Landsturm bewachen die Tore . Jenatsch und die Obersten , die uns schamloserweise morgen ihr schadenfrohes Ehrengeleit bis an die Grenze geben wollen , durchzechen die Nacht zur Feier unsers Abzuges im Schenkhause zur Glocke . Die hellen Fenster dort in der zweiten Straße sind die Lichter des Gelages . – Die Rache liegt in unsrer Hand ! Hundertundfünfzig unserer Offiziere sind in der Stadt , lauter tapfere Edelleute , alle entschlossen den Frankreich verräterisch angetanen Schimpf mit ihren Degen zu rächen . Wir besetzen vorsichtig die Ausgänge der Glocke , dringen mit Übermacht ein und stoßen die trunkenen Meuterer bis auf den letzten Mann nieder . Auf ein von mir mit dem Lager verabredetes Zeichen werden die Stadttore von außen mit Petarden gesprengt . Unsere Truppen rücken ein und besetzen die Stadt . Die Churer sind in ihrer großen Mehrzahl immer den spanischen Kabalen entgegen und uns Franzosen zugetan gewesen . Sie rufen halb gezwungen , halb einverstanden : Vive la France ! und seid versichert , Herr , in wenigen Tagen stimmt ganz Bünden ein , denn im Grunde verabscheut es das spanische Bündnis . Einer hat den ganzen Verrat gebraut , der büßt zuerst – ich nehm ihn auf mich . Hat erst einmal der Judas seinen Lohn empfangen « , rief er mit unverhaltenem Zorn , » so wird sich die Szene , glaubt mir , mit einem Schlage verwandeln ! « » Gedenkt Ihr den Ruhm Frankreichs mit einem Wortbruche und einer Mordnacht wiederherzustellen ? « sagte der Herzog streng . Lecques wies auf seine Vollmacht . » Ich erfülle damit den Willen des Königs meines Herrn « , verteidigte er sich . » Der gelehrte Kardinal ist in Entscheidung von Gewissensfragen ein Meister ; in seinem Katechismus steht : Verrat gegen Verrat . Das durch die rohe Gewalttat , die am 19. März dieses Hauses Gastrecht entehrte , Euch entrissene Wort verpflichtet Euch weder vor Gott noch vor den Menschen , hättet Ihr es auch auf die Hostie oder auf das Evangelium geschworen . « » Mein Gewissen entscheidet anders « , erklärte Heinrich Rohan bestimmt und ruhig . » Noch bin ich Euer Feldherr , noch seid Ihr mir Gehorsam schuldig und Ihr werdet ihn leisten . Sprecht mir nicht mehr von Eurem Anschlage . Er würde , wenn er gelänge , die an der Grenze stehenden Österreicher und Spanier ins Land ziehn und den furchtbarsten Krieg entflammen . Ihr selbst habt es gesagt : Ein einziger war fähig , diesen kalten Verrat zu begehen . Das Volk ist unschuldig und verdient nicht , was der eine verbrochen durch ein so grausames Los zu büßen . Ich halte den Vertrag und glaube nicht , daß der Glanz unsrer Lilien dadurch