die Augen nieder und errötete scheu wie ein zartes Mädchen bei dem kargen Lob der ernsten jungen Frau . » Ich hätte dir manchmal abends beim Thee nachschreiben mögen , « setzte sie hinzu . » Ah da hat also die scharfe Kritik verkappt und geräuschlos neben mir gesessen , während ich mich manchmal versucht fühlte , zu fragen , wieviele Nadelstiche wohl zu einem Blumenblatt in den unvermeidlichen Teppich gehören möchten ... Juliane , es war nicht edel , mich diese tölpelhafte Rolle spielen zu lassen – nein , schweige ! « rief er , als sie unter einem stolzen Heben des Kopfes die Lippen zu einer herben Erwiderung öffnete – » die Strafe war nur allzu gerecht ! ... Ich muß dir gestehen , « sagte er zögernd , » daß es mir in der That oft in den Fingern gezuckt hat , zum Beispiel meine Reiseeindrücke niederzuschreiben ; aber der erste schüchterne Versuch in Briefform , den ich von London aus in die Heimat schickte , hat ein so eklatantes Fiasko gemacht , daß ich die Feder für immer entmutigt hingeworfen habe . Der Onkel schrieb mir ganz empört über › diese langatmigen Salbadereien , diese taktlosen indiskreten Mitteilungen ‹ hinsichtlich verschiedener Höfe , bei denen ich doch › so unverdient gnädig ‹ aufgenommen worden sei , und verbat sich ernstlich die Fortsetzung , da ein solcher Brief leicht in falsche Hände kommen und ihn wie mich selber kompromittieren könne , und bei Valerie fand ich , heimgekehrt , das Fragment einer solchen › langweiligen Epistel ‹ – wie sie lachend versicherte – um einen Flakonstöpsel gewickelt . « Leo kam in diesem Augenblicke hereingestürmt – der Doktor sei beim Großpapa , und da habe man ihm erlaubt , nach der Mama zu sehen . Er starrte seinen Papa mit großen Augen erstaunt an – wie kam er denn auf einmal hierher , wo ihn der Kleine noch nie gesehen ? » Je , Papa , was thust du denn da im blauen Zimmer ? « fragte er mit dem ganzen Befremden , aber auch mit der Eifersucht des bisherigen Alleinherrschers in den Wohnräumen der Mama . Mainau errötete flüchtig und schob den Knaben sanft an den Schultern zur jungen Frau hin . » Geh , mein Junge , lege einmal deine Arme um den Hals der Mama – sieh , ich darf nicht um eine Linie weiter vorgehen , als sie erlaubt – und bitte , sie möge noch ein klein wenig Geduld mit dir und auch – mit mir haben , bis wir voneinander gehen ! « » Ach , ich gehe ja mit , Papa ! « rief der Kleine und schlang seine Arme um die Hüften der jungen Frau . » Die Mama hat mir abends beim Schlafengehen immer versprochen , daß sie mich mitnimmt zu Onkel Magnus und Tante Ulrike , wenn sie einmal nach Rudisdorf reist . « » Wie ! Woher weißt du denn schon , daß die Mama nach Rudisdorf geht ? « fragte Mainau überrascht . » Der Herr Hofprediger und dem Erbprinzen seine Mama haben am Jägerhäuschen davon gesprochen – ganz heimlich – wir haben ' s aber doch gehört , der Erbprinz und ich ... Gelt , Mama , du nimmst mich mit ? « » Du mußt den Papa herzlich bitten , daß er dir manchmal einen Besuch gestattet , « entgegnete sie mit tiefgesenkten Lidern , aber fester Stimme und ließ ihre schönen , schlanken Finger durch die Locken des Kindes gleiten . » Wir wollen sehen , « sagte Mainau kurz und rauh . » Sieh da , Juliane , deine allerliebste Erklärung von heute nachmittag scheint die Wirkung des elektrischen Funkens zu haben – morgen werden sich die Spatzen auf den Dächern unserer guten Residenz erzählen , daß seine Heiligkeit in Rom alle Hände voll zu thun habe , um mit Umgehung des eisernen Gesetzes zwei Menschen voneinander zu trennen , die sich schlechterdings nicht ineinander finden können ... Hm – selbstverständlich wirst du nicht vor meiner Abreise gehen ? « » Ich füge mich darin ganz und gar deinen Anordnungen – ist es dir recht , dann verlasse ich Schönwerth erst , wenn eine Tagesreise hinter dir liegt . « Er nickte leicht mit dem Kopfe , dabei trat er rasch an den Tisch , bog den Brief an Ulrike zusammen und steckte ihn in seine Brusttasche . » Noch habe ich das Recht , zu konfiszieren – der Brief gehört mir ! « Er verbeugte sich ironisch tief und feierlich , als habe er Audienz bei der Fürstin gehabt , vor der überraschten jungen Frau und verließ das Zimmer ... Leo aber brach plötzlich in ein leidenschaftliches Weinen aus – das Kind fühlte , daß es seinen Schutzengel verlieren sollte . 18. In der Schönwerther Schloßküche , dem Stelldichein der Domestiken , machte das Gerücht , daß die Frau Baronin während der Abwesenheit des jungen Herrn » auf Besuch « nach Rudisdorf gehen werde , durchaus keinen sensationellen Eindruck . Die Lakaien versicherten , sie hätten diesen » Besuch « schon im ersten Augenblick prophezeit , wo der gnädige Herr beim Aussteigen wirklich nicht gewußt habe , ob er die Braut anrühren solle oder nicht – zuletzt habe sie doch allein aus dem Wagen steigen müssen – ; die Kammerjungfer , die gerade den Bügelstahl aus dem Küchenfeuer nahm , sagte gelassen , sie sei froh darüber , es gehe ihr wider die Natur , eine Dame zu bedienen , die ihr Mann nicht estimiere , und die immer nur » Musselinfähnchen « trage , und das Küchenmädchen mit den brandroten Flechten seufzte schwermütig beim Tellerabtrocknen und meinte , der gnädige Herr sei nun einmal ein geschworener Feind der » Blondinen « , alle Damen , die droben in seinem Zimmer hingen – hätten braune oder schwarze Locken – die erste Frau auch – er müsse die zweite geradezu » unbesehen « genommen haben ... In der höheren Region des