wird , dich zu missen . Aber berichte mir , warum wolltest du nicht nach Neuhaus ? Ich kann mir nicht denken , Klaudine , daß du die Kleinigkeit mit Prinzeß Helene so ernsthaft genommen hast , um es deine Verwandten entgelten zu lassen . « Die Herzogin hatte während dieser Worte die Hand der Freundin erfaßt und suchte mit ihrem Blick nach den blauen Augen . Aber die langen blonden Wimpern hoben sich nicht und unter ihnen flammte wieder die heiße Röte auf von vorhin . » Nein , nein ! « stieß sie hervor , » das ist es nicht . Ich hatte Joachim einen stillen Abend versprochen . Ich glaubte , du würdest mich nicht vermissen in dem Glanz und Lärm des Festes . « » Ich fühle mich nie einsamer als unter vielen Menschen « , erwiderte die Herzogin leise und hielt Klaudines Hand fest , die sie ihr entziehen wollte . » Ich komme ja mit , Elisabeth . « » Gern ? Ich lasse dich nicht früher los . « » Ja « , klang es zögernd und ihre Wange neigte sich gegen die der Herzogin . » Ja ! « wiederholte sie noch einmal , » weil ich dich unsagbar lieb habe . « Die Herzogin küßte sie . » Ich dich auch , Dina ! Seit meiner Brautzeit habe ich nicht wieder das frohe , beglückende Gefühl gehabt wie jetzt neben dir . Und was so gut ist , in der Freundschaft kann man nicht so leicht Enttäuschungen erleben wie in der Liebe , sie gewährt ein ruhigeres Glück ! « Klaudine sah forschend in die Züge der Herzogin . » Ja , ja , die Liebe , die Ehe bringen mancherlei mit sich , Schätzchen « , lächelte diese , » kleine Kränkungen , kleine Enttäuschungen . Denke doch , Klaudine , mit welchem Idealismus tritt so ein achtzehnjähriges Mädchen vor den Altar ! Aber darum , mein Kind , bin ich doch die glücklichste Frau , denn er liebt mich . Sich geliebt zu wissen , fest auf die Liebe und Treue des Mannes zu vertrauen , darin liegt alles , was es für ein Weib gibt – und dieses Vertrauen verlieren würde für mich gleichbedeutend sein mit Sterben ! « Sie plauderte leise weiter von dem ersten Sehen des Geliebten , von jener innigen Liebe , die sie sogleich für ihn hegte , von dem Taumel , der sie ergriffen , als man ihr mitteilte , daß er um sie geworben hatte . Wie sie die Hände gefaltet und mit zitternden Lippen gefragt habe : » Mich ? Mich will er ? « Sie erzählte , wie sie täglich während des kurzen Brautstandes an ihn schrieb , wie sie mit einem Glücksgefühl , einem Stolz ohnegleichen nach der Vermählung mit ihm auf den Balkon des väterlichen Schlosses trat , um ihren schönen ritterlichen Gemahl den Tausenden von Menschen zu zeigen , die den großen Platz dort unten füllten , und wie sie dann so heimlich beide in dem unscheinbaren Wagen durch die Frühlingsnacht nach dem stillen Schlößchen in der Nähe der Residenz fuhren , wo sie ihr erstes junges Glück verbergen wollten . Sie war beim Aussteigen mit der Schleppe am Wagen hängen geblieben und ihrem jungen Gatten buchstäblich zu Füßen gefallen , beide hatten sie gelacht , und weil ihr der Fuß schmerzte , hatte er sie in seinen Armen die Treppe hinaufgetragen , durch die menschenleeren Korridore , auf denen nur dämmernd die Lampen brannten , bis in ihre Zimmer , und dort hatten sie am offenen Fenster gesessen und die Nachtigallen im Parke gehört und die Lichter des Schlosses auf dem Weiher sich spiegeln sehen . Die feuchte warme Luft war voller Veilchenduft gewesen . Die dunklen Augen der Erzählerin schimmerten in der Erinnerung jenes Glückes , und als jetzt eben die schlanke Gestalt des Herzogs im tadellosen eleganten Sommeranzug um das nächste Gebüsch bog , da flog ein wunderbar verklärender Glanz über ihr krankes , schmales Gesicht . Er grüßte näher kommend , war aber offenbar nicht in rosiger Stimmung . » Störe ich die Damen ? « fragte er . » Ohne Zweifel werden Toiletteangelegenheiten erörtert ? Tolle Idee , ein Kostümfest ! « » Mein Himmel , ja ! « rief die Herzogin . » Klaudine , wo werden Sie nun in aller Eile noch eine Toilette her bekommen ? « » Ich habe ein ganzes Spind voll alter prächtiger Sachen von Großmama « , erwiderte sie , » es wird sich wohl etwas darunter finden , denke ich . « » Die Fracks der Herren werden sich recht malerisch neben diesen Zigeunerinnen und Rokokodamen ausnehmen « , spottete der Herzog . » Natürlich , eine Laune von Helene , das ist klar . « » Warum kommst du nicht , Adalbert ? Tue es doch . Weshalb willst du Gerold diese Gunst versagen ? Du hast ihn früher in jeder Weise verwöhnt « , bat die Herzogin . Er zuckte die Achseln . » Es wird sich nicht einrichten lassen « , sagte er kurz und begann von etwas anderem zu reden . » Nun , Klaudine , so werden wir uns miteinander trösten , ich als Spanierin und Sie ? « » In einer der unkleidsamen Trachten des Empire , Hoheit , kurze Taillen , enge Röcke und – « » Verzeihung ! Unkleidsam ist die Tracht nicht « , fiel der Herzog ein , » im Gegenteil . Aber es gehört ein tadelloser Wuchs und eine gewisse Grazie dazu . Denken Sie an das entzückende Bild der Königin Luise und an das Bild meiner eigenen Großmama , der Herzogin Sidonie , in der Galerie unseres Schlosses . Sie war reizend , diese Mode . « Klaudine schwieg . Die Herzogin sprach noch einiges , dann empfahl er sich , und Klaudine las weiter . Es war gegen neun Uhr und der letzte Tagesschein lag noch über den Bergen , als