andern schritt , um nach dem heraufziehenden Wetter zu spähen . Dann , wie er hinunterging in der bleiernen Hitze , die von keinem Lufthauch belebt war , um die Schwester aufzusuchen ! Er traf sie mit heftigem Kopfweh in ihrem eignen Zimmer , das sie sich mit den Sachen aus der Heimat so reizend geschmückt hatte . Sie lag auf dem Sofa , die Aelteste erhielt im Wohnzimmer Klavierunterricht und einzelne schrille Töne drangen bis hier herüber ; der Junge machte Schreibversuche auf der Schiefertafel in einer Ecke des Zimmers , die Jüngste spielte mit ihren Puppen . „ Welch ein Wetter , Heinz ! “ sagte Hede , „ und dabei kommst du herunter ? “ Du mußt den steilen Weg wieder hinauf , hast du ’ s bedacht ? “ „ Ja , Hede ! Laß mich nur ein Weilchen hier ; ich habe eine furchtbare Unruhe , Toni ist mit dem Kleinen ausgefahren , und ich fürchte , sie kommt in das Wetter hinein bei der Rückfahrt . “ Hede antwortete nicht , sie kannte ihre Schwägerin , sie kannte ihren Bruder und die ganze Trübsal dieser Ehe . „ Tante , “ rief die Kleine , von ihrem Spielzeug aufblickend , „ hörst du , wie ’ s im Himmel knurrt ? “ Es war ein beständiges dumpfes Grollen in den Lüften , manchmal so , daß die Scheiben leise klirrten , und zugleich brach eine wunderliche gelbe Beleuchtung durch die Fenster . „ Aengstige dich nur nicht , Heinz , die alte Gräfin ist viel zu vernünftig , sie läßt Toni nicht fort , bevor das Unwetter vorüber ist . “ „ Ja , ja “ , war seine zerstreute Antwort gewesen , während er ans Fenster trat und den Platz übersah , der in wunderlich gelber Beleuchtung dagelegen hatte . „ Ich will übrigens doch lieber hinaufgehen , man weiß ja nicht , was passiert . “ – Er hatte ihr die Hand gedrückt und war gegangen . Draußen kam ihm alles verändert vor , die Mauern des Schlosses grell weiß gegen den schwarzen Himmel , wie in phosphorescierendes helles Licht getaucht , die Bäume dunkel und regungslos , nur ein leises Zittern in den Wipfeln als horchten sie angstvoll des kommenden Sturmes . Heinz war anstatt direkt zum Schloß empor , die große Allee des Parkes entlang gegangen , durch die der Wagen zurückkehren [ 184 ] Indische Heerschau am Maharremfest in Haidarabad . Nach dem Gemälde von Herm . Linde . [ 185 ] [ 186 ]  mußten hart am Raube des Weihers hiu zog sich diese herrliche Liudeuallee . Es war faft duukel darin gewesen uud völlig eiufam . Er hatte sich gauz mechauisch auf eine der Bänke gefetzt nnd wartete auf das Unglück , das da kommeu müßte , wie er sich fagte . Er hatte es im Gefühl uud schalt sich darum ans , aber die er ^ regteu Nerveu kameu eigeufinuig auf die Idee zurück , daß dem Kinde etwas zuftoßeu werde . Uud ehe er es gedacht , war das Wetter losgebrochen eiu rafeuder Orkan der ihn gegen einen der hnndertjährigen Stämme schleuderte , als wäre der große kräfage Mann ein Rohr ^ Wirbel vou Staub , die ihm das Seheu uumöglich machten uud das Atmen benahmen ein Dosen , ein Henlen und Krachen in den Lüfteu , wie sich die Volksphantasie den Iüngsten Tag vorftelleu mag , dann ein kürzer blendender Schein , ein gewaltiger Donner nnd Flnten von Regen . Mit ausgebreiteten Armen hatte er die Linde nmfaßt , wie betänbt , dann meinte er durch das Rauscheu ein Stampfen uud Drappelu zu höreu , einen gellenden Hilferuf . Als er vorwärts getaumelt war , hatte er nicht weit von sich im Scheiue eines neueu Blitzes ein gestürztes Pferd gesehen , ein zweites sich hoch . aufbäumend , einen niedergebrochenen Wagen und etwas Weißes nnter den Rädern , etwas Kleines , Weißes . Er war hinüberge ^ ftürzt - er weiß heute noch uicht , wie er dieses Kleiue , Weiße ge . fuudeu in dem uachtschwarzen Wettergraus , wie er es an feiu Herz gedrückt unter dem durchuäßteu Rock , wie er vorwärts ge . taumelt in dem strömenden Regen , ohne sich zu kümmeru um das , was hinter ihm zurückblieb , um die uervösen , schrillen Angst . ruse der Fraueusamme ! Sie lebte ja noch -das , was er hier hielt , war starr , war tot , mutwillig veruichtet . Der Regen war an seinen Kleideru hiuuutergeströmt , als er ohue Hut , mit stiereu Augen uud bleichem Gesicht in das Haus bes alten Mediziualrats geschwaukt war , uud er hakte ihm hiu . gehalten was er gerettet , den kleiueu , weicheu Kiudeskörper , der schlaff uud leblos in feiueu Armeu lag . - , ,Aus dem Wagen gestürzt , vermutlich überfahreu - helfeu Sie , retteu Sie ! Eiue fürchterliche Viertelftuude verrauu , bis das zarte Ge . schöpf ein Lebeuszeicheu von sich gab . Uugeachtet feiuer durch . uäßteu Kleider war Heinz nicht bon der Seite des alten Herru gewicheu uud hakte jede Bemühung des Arztes mit zitterudem Herzeu verfolgt . Dauu war der Dieuer erschieueu uud haae be . ftellt , Frau von Kerkow habe vor Schrecken Nerveuzusälle be . kommeu und laffe bitten , daß der Herr Schloßhaupkmann fofort mit Heini heraufkäme . Heiuz autwortete keine Silbe , der alte Herr aber fuhr beu warteudeu Diener an , die Gnäbige folle sich ins Bette scheren uud eine Tasse Dhee trackeu - ob sie den Heini je wiedersehe , das sei zweiselhast ! Heinz hatte den Arm des alten Arztes gepackt . , ,Herr Me ^ dizinalrat - stöhnte er . , ,Faffen Sie fich , Herr von Kerkow ! - Ich thue , was ich kauu . Eiu paar Skuuden später hatte Heiuz , in Begleitung des Arztes , ^ das in wollene Decken gewickelte , leise wimmernde Kiud den Schloßberg hinaufgetragen ,