, was die Leute sagen , hat ’ s vorhin um die Lisett geläutet ? ‘ ‚ Sie liegt droben im ewigen Schlaf , ‘ erwiderte ich . ‚ Heiliger Gott ! ‘ schrie das Mädchen auf , ‚ ist ’ s wahr , ist ’ s wirklich wahr ? ‘ In dem Moment kam Baron Fritz aus der Nebenthür , hinter ihm unser junger Herr , der ein Licht in der Hand trug . Er war blaß wie der Tod , und die Augen glühten ihm förmlich im Kopfe ; offenbar wollte er in ’ s Sterbezimmer hinauf . Da fielen seine Blicke auf die Gestalt an der Erde , und sie erkennend blieb er stehen . ‚ Der sollte ich das Andenken an meine Braut geschenkt haben ? ‘ sagte er unheimlich ruhig , während seine Augen mit verächtlichem Ausdruck auf ihr haftete , ‚ Friedrich , glaubst Du das ? Sprich , Du Geschöpf , ‘ rief er dann mit zittender Stimme . ‚ Du hast das goldene Herz gestohlen , das ich im letzten Augeblick meiner Abreise von hier vermißte ! ‘ Das Mädchen hob die Hände zu ihm empor . ‚ Nein , o nein , Herr Baron – ‘ ‚ Wirst Du gestehen , nichtsnutzige Dirne ! ‘ rief er und hob die Reitpeitsche , die er in der Hand hielt , zum Schlage . ‚ Schlagt zu , Herr ! ‘ rief sie , ‚ ich hab ’ s verdient , aber ich habe es nicht gestohlen , beim ewigen Gott nicht ! Man hat es mir gegeben , so wahr ich hier liege ; ich hätt ’ s ja nimmer zum Spaß umgehängt , hätt ’ ich gewußt , wie ’ s auslaufen thät ’ . ‘ Baron Fritz ließ den erhobenen Arm sinken . ‚ Hinaus mit Dir ! ‘ rief er und wies ihr die Thür , ‚ Du sollst wenigstens nicht die Ruhe hier im Trauerhause stören ; ich fasse Dich doch noch . ‘ Sie raffte sich auf . ‚ Erbarmen , Herr ! ‘ rief sie , ‚ vergeben Sie mir ; ich bin ein eitles dummes Ding , aber schlecht bin ich nicht – o Herr Baron , ich wollt ’ ja gern sterben , könnt ’ ich die Lisett wieder lebendig machen . ‘ Sie sah so zerknirscht , so wahrhaft jammervoll aus , als sie vor ihm stand , die Hände gefaltet , mit den verweinten dunklen Augen , daß unser junger Herr den Baron Fritz bat : ‚ Frage sie , wer ihr befahl , das kleine Herz zum Spaß umzuhängen ! Vielleicht sagt sie ’ s. ‘ ‚ Wer hat Dir befohlen , daß Du das goldene Herz umhängen solltest ? ‘ wiederholte der Baron mechanisch die Frage , und in seinen Augen blitzte es auf einmal auf wie die Ahnung von etwas Entsetzlichem . ‚ Sag ’ s , Fränzel , ‘ redete ihr der junge Herr leise zu , ‚ sag ’ s , wenn wir es glauben sollen , daß Du wirklich nichts Böses im Sinne führtest , als Du – ‘ ‚ Nein , wahrhaftig ! ‘ schrie sie auf , ‚ ich hab ’ nichts Böses gedacht , ich wollt ’ nur die Lisett einmal ärgern , weil sie immer so stolz that gegen mich , und ich konnt ’ ihr doch nichts anhaben , und deshalb war ich gleich dabei , als sie mir sagte , ich sollte – Nein , ich verrath ’ s nicht , Jesus ! ich darf nichts verrathen . ‘ – Sie zitterte am ganzen Leibe . ‚ Geh ! ‘ sagte Baron Fritz plötzlich , ‚ ich will es jetzt nicht wissen ; es ist ein Bubenstück ausgeübt worden , ein teuflisches Bubenstück . ‘ Er wies mit dem Arm hinaus , und das Mädchen lief schluchzend in die finstere Nacht hinein ; ich trat vor die Thür und schaute ihr nach ; ich konnt ’ gerade noch die Gestalt über den Mühlensteg ziehen sehen , dann verschwand sie in der Dunkelheit . Draußen aber war es eine unheimliche Nacht geworden , und es ging ein Sausen und Brausen durch die Luft , ein fremdartig schrilles Pfeifen und Heulen ; der Himmel hatte sich bezogen ; kein einziges Sternlein blitzte mehr hernieder , und die Aeste der alten Linden ächzten und bogen sich unter gewaltigen Windstößen ; es war zum Fürchten unheimlich geworden da draußen , und doch blieb ich stehen . Wenn so ein plötzlicher Sturm daher rast , so sagt man bei uns auf dem Lande , es habe sich ein verzweifelndes Menschenkind selbst das Leben genommen , und man betet für seine arme Seele ein Sprüchlein , wenn man gleich nicht wissen kann , wer es sei , und ich faltete auch die Hände und wollt ’ ein Gebet sprechen , da fiel mir ’ s schrecklich auf ’ s Herz . Herr Gott im Himmel , wenn die Fränzel – ? Im ersten Augenblick wollt ’ ich ihr nach ; dann blieb ich stehen – wo sollt ’ ich sie auch suchen ? [ 823 ] Drinnen im Zimmer hatte wieder das ruhelose Wandern des Müllers begonnen , und wieder scholl der Mutter Schluchzen , des Sohnes Trösten dazwischen , aber wo war Baron Fritz ? Noch immer am Todtenbett ? Drüben im Dorfe schlug es zehn Uhr ; da hörte ich einen Schritt die Treppe herabkommen , so langsam und schleppend , als gehe ein alter Mann . Ich schaute in den Hausflur – da stand er am Treppengeländer ; leichenblaß sah er aus ; kaum wieder zu erkennen war das hübsche , lebenslustige Gesicht . Er sah noch einmal hinauf und schritt dann langsam auf die Wohnstubenthür zu ; als er dicht davor stand , schauderte er zusammen , wandte sich rasch um und ging an mir vorüber , ohne mich zu sehen , in die finstere Nacht hinaus , wie ein armer gebrochener