« sagte Herr Heinrich und ließ sich nieder . Auch Franzikopus und Nikodemus nahmen Platz . » Was will dein Heiliger kaufen von mir ? « Der Gesandte sprach . Er hatte an Herzog Heinrich und Nikodemus zwei aufmerksame Zuhörer , die mehrmals einen raschen Blick miteinander tauschten . Franzikopus log nicht . Er blieb bei der Wahrheit des heiligen Zeno . Doch die Geschichte von den Folgen des Mordauer , alias Hängmooser Ochsenhandels bekam jetzt ein viertes Gesicht . Als der Kaplan verstummte , blieb Herr Heinrich eine Weile nachdenklich . Dann sagte er : » Deiner dreihundert andächtigen Ramsauer , die noir beten wollen , erbarmt sich mein christlich Gemüt . Aber freien Durchlaß durch mein Land von Plaien gewähr ich euch nicht . Aus Barmherzigkeit für den heiligen Zeno , den ich als ungefährlichen Nachbar liebe . Der heilige Peter von Berchtesgaden würde ihm das geschorene Haardach bös verprügeln . Darunter würden meine Reichenhaller , mein Salzhandel und meine Saalacher Sassen leiden . Und euch Hilfe schicken , um den heiligen Peter zu klopfen , der ein lieber Patron ist ? Das muß ich mir sehr überlegen . Was meinst du Nikodemus ? « Der Kahlköpfige sagte ruhig : » Herr , da muß ich dringend abraten . « » Hörst du , Pfäfflein ? « Franzikopus begann in Hast zu reden . Der Herzog hob die Hand . » Laß gut sein ! Was Neues sagst du mir nicht . Du weißt nur , was gestern in der Nacht und früher geschah . Ich weiß , was heute geschehen ist und was jetzt geschieht . « Die Augen des Kaplans erweiterten sich . Herr Heinrich lachte . » Bleib ohne Neugier ! Ich sage dir nicht , was ich weiß . Nein , Mann ! Den goldenen Gruß des heiligen Zeno müssen wir als Vorschuß für andre Dinge nehmen . Jetzt kann ich nickt helfen . Der Ingolstädter lauert . Der schlägt an der Donaulos , wenn ich mich an der Saalach schwäche . Zwischen Burghausen und Ingolstadt liegt altes Stroh . Fliegt hier im Süden ein Funke , so schlägt im Norden das Feuer auf . Wenn ich euch helfe , weck ich Gefahren für mein Land und Volk . Auch für mich selbst . Ich stehe wegen jener Dummheit zu Konstanz unter weltlichem und geistlichem Gericht . « Die Züge des Herzogs verzerrten sich . Dann lachte er wieder . » Soll ich meine Richter durch Unbequemlichkeiten erbosen ? Auch hab ich König Sigismund mein Wort gegeben , daß ich Frieden halte , solange mich der Loys nicht angreift . Du wirst mir bezeugen können , daß ich mich dieses Worts in Ehrfurcht vor dem König erinnere . « Wieder sprach Franzikopus , rasch und erregt . Hilfe für den heiligen Zeno wäre kein Friedensbruch , sondern ein christliches Werk . Und alte Mißwirtschaft könnte hier geregelt werden . Die Ramsau gehöre durch natürliche Lage zum Schwarzenbachtal des heiligen Zeno . Und das Berchtesgadnische Land , verwüstet durch schlechte Führung und bedrückt von Schulden , könnte sich nur unter Schutz und Hand eines starken Fürsten wieder zu gedeihlichem Leben erholen . » So ? Die schone Ramsau wollt ihr haben ? « unterbrach der Herzog . Er gähnte . Und klopfte sich ein paarmal mit der schlanken , braunen Hand auf den offenen Mund . » Und ich soll nehmen , was übrig bleibt ? Teilen ? Nein ! Mit dem Teilen hab ich schlechte Erfahrungen gemacht . Teilen heißt unzufrieden werden . Man muß klug auf das Ganze gehen . « Franzikopus erblaßte . Bevor er sprechen konnte , sagte der Herzog : » Für solche Dinge gehört ein waches Gehirn . Heute bin ich , müd und schläfrig . Ich brauche Ruh und will mich zu Bett legen . Morgen früh wird der heilige Zeno Bescheid erhalten . « In Herrn Heinrichs ruhige Stimme kam ein Klang von Erregung . » Gott soll ' s wollen ! « Er stand vom Sessel auf , nickte zum Abschied , ging auf ein Finster zu , legte die Hände hinter den Rücken und sah unbeweglich in die Nacht hinaus . Der Kaplan , als er sich von seiner Verblüffung erholt hatte , wollte sprechen . Da machte Nikodemus mit gut gespieltem Schreck ein Schweigezeichen , nickte bedeutungsvoll , führte den Gesandten höflich aus der Stube , übergab ihn dem Kastellan und schloß die Türe . Herr Heinrich drehte sich mit einer raschen Wendung vom Fenster weg . Seine Augen brannten , eins wilde Erregung zitterte in seinem Gesicht , und die Oberlippe zog sich von den Zähnen zurück . » Nikodemus ! « Die Stimme war ein rauhes Flüstern . » Diese Gelegenheit hat mir Gott geschickt ! « Mit stoßenden Fäusten schien er etwas Unsichtbares zu fassen . » Jetzt hab ich den Loys ! Und will ihn rupfen , daß nur ein paar Flocken noch übrigbleiben von seiner Pariser Wolle ! « Der Herzog wollte lachen . Das wurde nur ein heiserer Laut . Er riß ein Fenster auf , atmete tief , und mit den Fäusten am Gürtl begann er durch das Zimmer zu schreiten , die Züge des Gesichtes hart gespannt von wühlendem Denken . In Sorge betrachtete Nikodemus den Fürsten . Er wußte , aus welchen Erinnerungen der Aufruhr dieses Augenblicks quoll und was in Herzog Heinrich ruhelos brannte . Das war nicht die Erinnerung an jenen Schimpf , den der mit Worten flinke Ingolstädter vor vier Jahren zu Konstanz Herrn Heinrich bei einem Handel um alte Schulden ins Gesicht geworfen hatte , vor König Sigismund , in Gegenwart des mit der ehemals bayrischen Mark Brandenburg belehnten Fritz von Zollern , des Gemahls der schönen , Else , der Schwester Heinrichs . » Sohn eines Kochs ? « Dummes , häßliches Gesindegeschwätz , das ein Denkender nicht hätte auf die Zunge nehmen sollen ! Herzog Friedrich , Heinrichs Vater , war nicht der Mann , um sich betrügen zu