gingen gleich dabei , das Großsegel zu nähen und einen Flicken darauf zu setzen , damit sie ohne Schlepper in die Geeste gelangen konnten . Von Bremerhaven ließ Klaus drahten , und den andern Tag erschien der Obervorsteher Peter Fick von Finkenwärder und schätzte den Schaden ab . Dann kamen Zimmerbaas und Segelmacher , Reepschläger und Optiker zu gutem Verdienst , - der Ewer aber mußte ganze acht Tage untätig an der Kaje liegen . Endlich waren sie so weit , daß sie wieder in See gehen konnten . » Sall he wedder mit ? « fragte Kap Horn mit einem Male und blickte nach Störtebeker , der mit Seemann zwischen den weißen Eisschuppen tollte . Klaus Mewes sah seinen Knecht verwundert an . » Worüm denn ne ? « fragte er . » Och nix , ik meen man bloß « , lenkte der Janmaat ab ; der Schiffer aber sah ihn schief an und sagte : » Up wat för Gedanken du ok doch kommen kannst ! Hett mol een beten weiht , denn schall woll gliek allens kodimmt wardn , wat ? « » Ik heff jo doch gor nix seggt « , beschwichtigte der alte Jantje ihn sanftmütig und verschwand in der Kajüte . Klaus stand still und sah ihm nach : ein Wind ging durch seine Seele und wie ein Bluelight , wie ein Notfeuer zuckte es vor ihm auf : hatte das Schicksal ihn warnen wollen , als es ihn über das Watt jagte , sollte er den Jungen abmustern und seiner Mutter zurückschicken , die so sehnlich nach ihm verlangte ? Ach was , - Weibergedanken ! Der Junge blieb an Bord und damit gut . » Störtebeker ? « » Wat schall ik , Vadder ? Seemann , nu stopp , rittst mi jo de ganze Büx twei . « » Wullt noch wedder mit no See ? « » Gewiß , Vadder ! « Das klang so selbstverständlich , daß Klaus Mewes nicht weiter fragte . Er nahm ihn mit nach dem Fischerhaus hinauf , um noch etwas Proviant zu kaufen . * * * Im Fischerhaus zu Geestemünde hing ein schlichter Briefkasten an der Wand , unter dem Bilde eines Lloyddampfers und neben dem Sammelschifflein der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger . Es war nichts Besonderes daran , und doch konnte ich ihn nicht ohne die sonderbarsten Gedanken putzen , denn in ihm steckten die Briefe für die Fahrensleute , für die Schiffer , für die Matrosen . Nach schweren Stürmen : wie füllte er sich dann mit Briefen der Frauen , der Mütter , der Bräute ! Wie mancher Seemann trat an den Kasten , schloß ihn auf und blätterte den Haufen durch , blätterte auch wohl ein zweites Mal . Fand er einen Brief , wie glänzten dann seine Augen ! Mit verhaltener Stimme , der die Freude anzuhören war , bestellte er einen Bittern und setzte sich mit dem Schatz in den Winkel , um zu lesen . Oder er lief spornstreichs nach der Geeste hinunter . Fand einer nichts , so schloß er leise den Briefkasten . Ein andrer schlug ihn knallend zu . Nun stand Klaus Mewes mit seinem Jungen davor und blätterte die Briefe durch . » Peter Jonas ? De fohrt ne no de Wesser ! ... Richard Grube ? De Knecht is all lang afmunstert ! ... Hein Fock ? Hest all Heimweh no dien vergneugten Hein , Geeschen ? ... Willem Mees ? « ... - er machte eine lange Pause , denn Willem Mewes war geblieben ... » Paul Külper ? De ligt jo blangen uns , den Breef bring em man eben gau dol , Störtebeker ! « ... Der Junge war bereit , Briefträger zu spielen , und lief eilends nach der Geeste hinunter ... » Jan Saß ? De is no de Ilw , den Breef harrst di sporn kunnt , Trino ! ... Hinnik Loop ? De kummt woll noch ! ... Kassen Husteen , Hinnik Wrie , Hein Külln , Haanrich Kinau ... Seefischer Klaus Mewes , H.F. 125 : dat bün ik sülben ! August , geef mi mol een lüten Angostura ! « Er verschloß den Kasten und setzte sich mit seinem Brief an den Tisch . Die Reihen waren stellenweise verkleckst , ein Zeichen , daß Gesa beim Schreiben geweint hatte . Sie schrieb : warum sie denn immer nach der Weser segelten und nicht einmal nach Hause kämen ? Sie komme sich vor wie eine Witfrau , so einsam und verlassen sei sie , und habe Tag und Nacht keine Ruhe ... Klaus Mewes fühlte , wie es ihm im Halse aufstieg , und bekam den Husten . » Dor is obern barg baschen Peper twüschen , August ! Den mokst du woll sülben , wat ? « sagte er laut und hielt das Glas mißtrauisch gegen das Licht . Dann las er weiter ... Ob sie noch gesund wären , ob den Jungen gar nicht nach Hause verlange ? Er möchte doch sofort antworten ! Am Deich erzählten sie so viel von ihnen . Was es mit der Havarei gewesen wäre ? Sie sagten , daß sie schon in London gewesen wären und immer mitten unter den Englischen fischten : das möchte er doch ja lassen , denn das wären böse Briten , die könnten einen totschlagen , hätte der alte Gerd Eitzen gesagt ... Hein Mücks Mutter sei bei ihr gewesen und habe gejammert , daß der Junge gar nichts von sich hören lasse : wenn er nur nicht über Bord gekommen sei , habe sie gemeint . Dann kamen wieder Klagen über das lange Ausbleiben . Klaus Mewes wurde es weich ums Herz : er holte sich Black und Posensteel , das heißt Tinte und Feder , um Gesa einen langen Trostbrief zu schreiben . Als er aber die Feder eintunkte , wußte er wieder nicht die Worte zu finden , und es wurde wieder einer der berühmten