ich Ihnen . Erinnern Sie sich an den Meister Hilbrecht , der den Sträfling bei sich aufgenommen hat , - den echten , deutschen Meister Hilf - recht , der so recht und ganz half , - bis die Polizei kam und das Wild weiter jagte ? « Er war ganz heiß und froh geworden bei seiner Schilderung . » Und über all dem - der Adler - der greise Graf . - Er flog - flog über Luzern - mit Adlern um die Wette , « - zitierte er ein Gedicht aus der » Jugend « , - » er flog über die Berge der Schweiz ; ein Augenblick , wert , miterlebt und « fuhr er pathetisch fort , » auf der Schaubühne dem deutschen Volke erhalten zu werden . « Er war ganz verklärt . - » Wär ' was für unseren Schiller gewesen ; aber so was interessiert natürlich die richtigen modernen Literaten nicht « - schloß er mit gereizter Betonung . In seiner Kraft , die manchmal von naiver Roheit nicht fern schien , mit seinem dampfenden Schnauben , seinem Lebens- und Siegeswillen schien er ihr wie ein echter Nachkomme jener Berserker , die sich durch die deutschen Urwälder Wege gehauen und dem Feind nackt und mit wildem Geheul entgegengestürmt waren ... Ein langer , hagerer Herr mit schmalem , gelblichem Gesicht und schwarzem Knebelbart , dessen Kopf an die Männerporträts des Velasquez erinnern konnte , drängte sich zwischen den Tischen durch , sah dabei Olga und grüßte sie ; zögernd blieb er stehen und kam dann , auf ihren freundlichen Gegengruß , heran . » Stiller . « » Doktor Emmerich . « Es war einer der Ärzte aus dem Sanatorium , in dem sich Hoffmann aufgehalten hatte . Er war mit ihm gleichzeitig abgereist , da er von seiner Stellung zurücktrat und sich selbständig niederlassen wollte . Olga hatte ihn einmal bei Werner angetroffen . Beide hatten erraten , daß er ihre Beziehung erkannte , ohne daß sie sich dadurch beunruhigt fühlten . Olga interessierte ihn , und so wollte er nicht vorbeigehen , ohne sie zu begrüßen . » Und unser Freund ? Kommt er nicht auch ? Ich sehe ihn öfters hier . « » Doch , ich erwarte ihn hier . Wollen Sie Platz nehmen ? « Und sie bog einen der Stühle , die sie umgelehnt hatte , um sie zu reservieren , zurück . » Wenn Sie gestatten , bleibe ich gern einen Augenblick . « Mißtrauisch blickte Stiller nach dem neuen Tischgenossen , und seine Stirn war wieder gefältet und finster . Doktor Emmerich war ein Apostel der lichten Lebensauffassung . Einer , der die Menschen , wie er sagte , liebte ; der alle moralischen Mängel als Entartung und Entartung als Krankheit erklärte . » Der ganz gesunde Mensch ist gut und heiter « , - das war sein Glaube ; aber freilich , wo gab es solche ganz Gesunde ? Auf Olgas Frage nach seinen nächsten Plänen , von denen er bei Werner in ihrer Gegenwart gesprochen , erwiderte er , es schreite alles zur Zufriedenheit und programmäßig fort . Ein passendes Haus für sein neu zu gründendes Sanatorium habe er bereits gefunden , - im Süden , in herrlicher Lage , ganz wie er sich ' s gewünscht , - in einer Gegend , in welcher sich auch schon Menschen von besonderer Art angesiedelt hatten , in Askona bei Locarno , am Lago Maggiore . Schon nächster Tage reise er dahin ab . Er erzählte von der Kolonie der Weltflüchtigen , die da in den Bergen verstreut ihre Hütten gebaut hatten . Sie alle hatten sich von den Überlieferungen der Kultur losgesagt . Sie lebten dort als eine besondere Sekte , den Dorfbewohnern bekannt unter dem Namen » Vegetarii « , - fast ohne Geld , im Tauschverkehr mit den Einwohnern des Dorfes , denen sie ihre selbstgezogenen Früchte brachten , wenn sie von ihnen etwas brauchten . In ihren Hütten und Gärten gingen sie meist nackt . Es gab Leute unter ihnen , die früher mitten am Kampfplatz der Intellekte gestanden - und sich dann weiter und weiter zurückgezogen hatten , scheu und beängstigt zurückweichend vor diesem Getümmel , in dem die Gedanken nicht leicht beieinander wohnten , sondern sich fast so hart stießen , wie die Sachen ... Die meisten waren jetzt religiösen Problemen ergeben . Olga schüttelte den Kopf . » Diese Menschen leben doch zumeist von Renten , die ihnen solche , die sich vom Kampfplatz nicht drückten , - übersenden . Heißt das nicht , sich ' s recht bequem machen ? Ihr Tauschverkehr , den Sie da schildern , ist meines Erachtens eine Torheit . Frau Gräser bringt , wie Sie erzählen , dem Zahnarzt Äpfel oder singt ein Lied als Gegengabe , wenn sie einen Zahn gezogen haben will ; wenn der Zahnarzt darauf eingeht , ist das seine persönliche Kulanz . Logisch und berechtigt ist der Vorgang nicht , - denn wie , wenn der Zahnarzt keinen Bedarf an Äpfeln oder an Liedern hat ? ... Wie kann man leugnen wollen , daß das Geld , diese universelle Einheit , durch die alle materiellen Werte ausdrückbar sind , das logischste Medium beim Austausch der Güter ist ? - - Oder wenn diese Menschen da unten alles , was sie brauchen , selbst verfertigen , - welches Dilettieren in allem Handwerk , welche Vergeudung an Kraft und welcher Mißbrauch des Materials ! « Doktor Emmerich erklärte : » Der Glaube - oder der Wahn - der zu solcher Sektenbildung führt , - liegt vielen Gemütern gänzlich fern , aber nur mit dem Gemüte läßt er sich begreifen ... Glauben Sie aber ja nicht , daß ich etwa im Geiste jener Sekte dort hausen werde « , fuhr er lächelnd fort . - - » Das Plätzchen ist wundervoll gewählt . Mit den Leutchen da werde ich mich wohl anfreunden - wie sollten gerade sie den Arzt und