» Joel , wo ist die Wunde , welche dir die Gottlosen geschlagen ? « Joel bestand darauf , daß erst sein Nachbar in Sicherheit gebracht werde . » Er war der bravste Soldat , und da liegt er erstarrt , kaum fühl ' ich noch einen Rest Leben in ihm , Vater Manasse , eilt , schafft ihn zum Wagen , und holt dann mich . « Jetzt brach des Alten Leidenschaft in stürmende Worte aus , er schalt seinen Sohn einen halbchristlichen Narren , und man wußte nicht mehr , ob das unterbrechende Schluchzen mehr Mitleid oder Zorn gegen seinen Joel sei - » was kümmert dich der tote Idumäer , komm , halte dich fest ! « - Und damit schickte er sich an , seinen Sohn aufzuladen . Joel weigerte sich entschieden ; des Alten Zorn stieg auf das höchste - da kamen die suchenden Russen auf sie zu , wahrscheinlich aufmerksam gemacht durch die lauten Worte des Zwiegesprächs . Manasse drückte schnell seinen Kopf in den Schoß , seines Sohnes , und bedeutete diesem leise , sich still zu verhalten . Aber obwohl die . Russen schon dicht am Graben waren , so konnte er es doch nicht unterlassen , seine heftige Entrüstung fortzumurmeln über die Torheit Joels ; wie ein gereizter Hund leise fortknurrt , wenn er nicht mehr bellen darf . Die Russen standen am Graben und horchten - Manasse regte sich nicht mehr ; sie wendeten sich nach einer andern Seite . Bald erhob sich der vorige Streit zwischen Vater und Sohn aufs neue - Manasse raufte sich den Bart und schlug bald nach Joel , bald streichelte er ihn . Er fand in seinem Kopfe nicht die kleinste Beschönigung für solchen Wahnsinn , und dies brachte ihn immer von neuem außer sich . Joel aber blieb unerschüttert , und so mußte der Alte endlich weichen , wenn er den eigenen Sohn nicht seinem traurigen Schicksal überlassen wollte . Der Nachbar Joels lag auf zwei toten Kürassieren , also zum Teil im Trocknen , Joel hatte auch ein Stück Mantel über ihn gebreitet . Unter heftigen Verwünschungen lud ihn Manasse auf sich und schleppte ihn ziemlich unsanft durch den Graben . Dann kam er zurück und brachte auch Joel hinüber . » Laß uns forteilen , « rief er , am andern Ufer ankommend , » der Mensch ist tot . « » Und hörst du nicht sein Stöhnen , Vater Manasse , « damit machte er sich heftig vom Vater los , fiel an die Erde und stieß einen Schmerzensschrei aus , da der Fall seine Wunde berührt hatte . » Joel , mein Blut - « » Bei unserer Mutter Esther beschwör ' ich dich , Vater Manasse , bringe den Mann fort ! « Seufzend tat es Manasse . Keuchend kam er zurück , trocknete sich den Schweiß und lud seinen Sohn auf den Rücken . » Meine Glieder zittern vor Frost , und doch rinnt der Schweiß über meine Stirne , kaum hab ' ich den Wagen wieder gefunden - o Gott meiner Väter , wie züchtigst du mich , weil mein eigen Blut , dieser Joel , mit den Ismaelitern unsere Sitten vermengt , o , törichter , törichter Joel . « Während er abgebrochen diese Worte sprach , waren sie in die Nähe jenes Verwundeten gekommen , welcher dem Alten kurz zuvor den Weg zu seinem Sohne gezeigt hatte . Er bat in herzzerschneidenden Tönen , ihm zu helfen , und erinnerte den Alten an sein Versprechen , da dieser dicht an ihm vorüberging und trotz der Finsternis an der Stimme zu erkennen war . » Vater Manasse , was hast du versprochen ? « » Schweig , Joel - nichts hab ' ich versprochen ! « - und rascher ging er vorwärts . Immer kläglicher ward das Winseln des Zurückbleibenden . Sie kamen zum Wagen . Sorgfältig legte der Alte seinen Sohn in das Heu , womit der kleine verdeckte Wagen angefüllt war , nahm die Pferde am Zügel und brachte mit vieler Vorsicht den Wagen aus dem Gehölz . » Vater Manasse , hole den Unglücklichen ! « » Schweig , kindischer Joel , kann ich das ganze Schlachtfeld meinen kleinen Krabben aufladen , kindischer Joel ! « Damit setzte er sich vornhin und fuhr in die Nacht hinein , die ein wenig heller geworden war durch den dichten Schnee , welcher seit einigen Minuten dicht herabfiel . 3. Es war das Schlachtfeld von Grochow , aus dessen Nähe die kleinen Pferde den Wagen zogen . Am Tage vor dieser unfreundlichen Nacht hatten die Polen und Russen zum dritten Male auf das erbittertste miteinander gekämpft . Die Ebene von Warschau , welche sich ostwärts an die nahen Wälder erstreckt , war drei Tage lang der Schauplatz mörderischen Kampfes gewesen . Bekanntlich fließt der breite Weichselstrom rechts an der polnischen Hauptstadt Warschau vorüber . Die eigentliche Stadt liegt also an seinem linken Ufer nach unseren Ländern zu , und wenn man so sagen darf , auf der europäischen Seite . Am Ufer des Flusses hin prangen große Paläste , und das stolze Warschau gewährt von der großen Brücke , welche hinüber führt zur östlichen Vorstadt Praga , einen königlichen Anblick . Man irrt sehr , wenn man bei dem Worte » polnische Hauptstadt « seine Vorstellung nur ein wenig von dem Anblick und Begriffe polnischer Ortschaften steigert : Warschau gehört zu den imponierendsten Hauptstädten Europas . Die Vorstadt Praga nun , ein befestigter Brückenkopf , war der erste Stützpunkt der polnischen Armee , welche sich auf den Feldern angesichts der großen Waldungen ausgebreitet hatte . Die Russen rückten von Osten her in den letzten Tagen des Februar aus jenen Wäldern heraus . Diebitsch war ihr Heerführer , und angesichts Pragas entspannen sich die zwei Tage lang dauernden stürmischen Gefechte , welche man die Schlacht bei Praga nennt . Sie führten äußerlich zu keinem besonderen Resultate , und die Schlacht wird von der Geschichte eine unentschiedene