drollig lachend , » und nur die eine Welt . « Später geriet er über die Legenden des heiligen Franziskus von Assisi . » Man kann die Exstasen weit treiben , « sagte er zuerst . » Das Lustigste bleibt doch Bruder Ginepro , der Schalk und Hanswurst unter den Heiligen , der den verstiegenen Menschen durch alle Frömmigkeit hindurchscheinen läßt , daß die dummen , nackten Selbstsüchte sichtbar werden wie die Knochen im Röntgenbilde . Und dann Bruder Egidio , der selbstsichere , achtlose Arbeitsmann , der zeigt , daß man tun kann mit Händen und Füßen und doch reine Absichten und frommes Schauen der Welt mit sich tragen . « » Ich werde immer ein Schalk und Arbeitsmann bleiben : große Liebe und klare Schau ! und lachen über den Staub meines Kleides , und immer tun , und im Tun mich vergessen ! « » Und von Zeit zu Zeit zwei Fuß mich über die Erde erheben , « sagte er lachend , » aber nicht weiter ! « Alles in allem ging Einharts Winter und Sommer und noch ein Winter und Sommer so hin . Er las viel und hatte tausend Erfüllungen . Und verwarf dann alles in Summa , weil nichts kommen wollte fürs Werk aus allen solchen Betriebsamkeiten . Er lebte in diesen Zeiten ganz abgeschieden . Er hatte auch dazwischen allerlei Studien gemalt und Entwürfe . Aber er trat auf allen bald herum . Pappen und Leinwanden lagen auf dem Erdboden ohne daß er sie achtete . Er kam nicht dazu , etwas fertig zu machen . Er war manchmal dann in heller Verzweiflung plötzlich , verfluchte die dummen Bücher und ging einen Tag in Unruhe unter die Leute auf den Straßen , sah Werke in den Galerien an oder zeigte sich unversehens einmal in einer Gesellschaft . Es war ihm in solcher Art des Tuns schließlich auch ganz klar geworden , daß ein Kunstwerk immer nur aus Dunkel nach den heimlichen Drängen der Fruchtbildung zusammenschießt und aufsteigt , wie die Blüte mit der eigenen , jungen Gestalt aus dem Ackergrunde . Werk um Werk . Erfüllung um Erfüllung . Ein wahres Rückschauen auf die eigene Zeit , wenn also Werke wirklich Erfüllung gegeben . So begann Einhart nach zweierlei sich jetzt neu zu sehnen , nach selbsteigenem Tun und nach selbsteigenen Menschen unter den Lebendigen . Er fragte sich oft jetzt nach Einem , den er mit sich trüge , wie sich selber , dem er trotzig begegnen möchte , wie dem griesgrämigen Verächter Schopenhauer , oder zu dem er leise eintreten möchte wie in Spinozas einsame Schleiferzelle . Am Ende brachte ihm der Zufall noch Platons Welt in die Seele . » Da haben wir den Seher , den ich gesucht , « rief er vielemale im Lesen . Und er saß unter den schönen , jungen Griechen selber bekränzten Hauptes in Rausch und fröhlichem Widerstreit , daß er sogar die äußeren Augen weit aufriß . » Diese Welt ist ergriffen mit Auge und Ohr , mit Geruch und Geschmack , ist wahrhaft angeschaut , « rief er entzückt . » Und die Ideen sind wie Arome , die der leibhaftigen Blüte entsteigen . « » Seht doch unsre Duftmacher , die uns Arome eintränken wollen und haben nie die Blüten gesehen . « Jeden Schritt hin und her auf den Fliesen im Hofe hörte Einhart hallen , das Poltern der Berauschten an den Läden machte ihn lachen , jede Geste und jeden Geist griff er in wahrem , sinnlichen Gewande . Damit kam er ganz zum Leben zurück . » Ich will Menschen finden , « sagte er streng , » nicht Werker ! - Menschen ! « Das war ein Wendepunkt nach einigen Jahren . Weil er auf einmal jetzt auch gefühlt hatte , daß in den Werken der Vergangenheit sich klar Menschen und Werker unterscheiden : Menschen , die die Welt spiegeln , ihre eigene und die ewige zugleich , kristallklar in ihrem einen Wesensblick , und Werker , die im Dienste der Gesellschaftsmächte zusammenhäuften , redeten , kommentierten , alles zu wissen meinten , nicht schauten mit eigenen Sinnen , nichts lebten aus Blut und Atem , als einen Widerschein fremder Welten , fremder Gefühle und fremder Entschließungen . 6 Die fremdartige Erscheinung Einharts , die fahle Strenge seiner Züge , seine weichen Glutaugen , die plötzlich Haß und Feuer geben konnten , dazu die ungewöhnliche Ruhe seiner Bewegungen , seine schmalen , dünnen Zigeunerfinger in der straffen , braunen Hand , sein leicht rauhes Organ , das immer sanft verhalten klang , sein Lachen voller in sich gekehrten , kindlichen Uebermutes , wenn es wirklich einmal Lachen gab , verursachte ein sonderliches Aufmerken nach ihm hin . Wenn Einhart jetzt einmal in Gesellschaft kam , sahen ihn viele heimlich an . Einharts Augen waren jetzt immer sehr wach . Er war jetzt auf dem Menschenfang , wie er es nannte . So begegnete er in einem vornehmen Hause der Stadt einmal einem Gelehrten , der so dunkel und verschlossen war wie er selbst . Beider Augen hatten sich erst wie zufällig nur begegnet . Dann am Kamin waren sie zueinander gekommen . Sie sprachen dabei nichts . Doktor Poncet war von herrischer , wegwerfender Gebärde und dachte nicht daran , jeden gleich anzusprechen . Und Einhart lächelte nur ein wenig . Aber die Dame des Hauses , eine bucklige , häßliche Frau mit Negerlippen und ebenso gelbbrauner Gesichtshaut , wie Einhart gelbgrau , eine sehr vornehme , hochgeartete und geistesanmutige Frau , die den Winter in ihrem Stadthause Künstler und Männer von Welt bei sich versammelte , eine Gräfin Schleh , freute sich heimlich , wie sie endlich einmal Einhart bei Poncet stehen sah . Es gab durchaus gar keine laute Bewegung . Die beiden starrten nur in das Loderfeuer des Kamins . Nichts weiter zuerst lange . Doktor Poncet sah dann , immer mit unterstützten Armen sich haltend , seiner Zigarre Glühende an , desgleichen