Himmelsphantasie , der treue Rappe mit der Funkenmähne , der keinen andern Menschen trug als seinen Herrn , den nach der fernen Heimat suchenden . Sobald sich dieser in den Sattel schwang , gab es für beide nur vereinten Willen . Die Hufe warfen Zeit und Raum zurück ; der dunkle Schweif strich die Vergangenheiten . Des Lauses Eile hob den Pfad nach oben . Dem harten Felsen gleich ward Wolke , Dunst und Nebel , und durch den Aether donnerte das Rennen hinauf , hinauf ins klare Sternenland . Dort flog die Mähne durch Kometenbahnen , und jedes Haar klang knisternd nach der Kraft , die von den höchsten aller Sonnen stammt und drum auch nur dem höchsten Können dient . Und thaten sich die Thore wieder auf , die niederwärts zur Erdenstunde führen , so tranken Roß und Reiter von dem Bronnen , der aus der Tiefe jenes Lebens quillt , und kehrten dann im Schein der Sterne wieder . Der Reiter hüllte leicht sich in den Silbermantel , den ihm der Mond um Brust und Schultern warf , und seiner Locken Reichtum wallte ihm vom Haupte . Des Rosses düstre Mähne aber wehte , im Winde flatternd wie zerfetzte Strophen , schwarz auf des Mantels dämmerlichten Grund . Und jene wunderbare Kraft von oben , die aus den höchsten aller Sonnen stammt , sprang in gedankenreichen Funkenschwärmen vom wallenden Behang des Wunderpferdes , hell leuchtend , auf des Dichters Locken über und knisterte versprühend in das All . « Sie hatte langsam und natürlich , ohne alle künstliche Hebung gesprochen , als ob diese Art der Ausdrucksweise eine ihr keinesweges ungewöhnliche sei . Ich war erstaunt , ja wohl mehr als erstaunt . Weniger über die bilderreiche Ausdrucksweise , weil diese dem Oriente eigen ist , als vielmehr über die Tiefe und den dichterischen Wert der Gedanken , welche sie ausgesprochen hatte . Welch ein Denken , Schauen und Empfinden ! Welch eine reiche , seltsame Welt in ihrem Innern ! Welche Schätze mochte sie in sich tragen , die doch so anspruchslos hier an der Erde saß ! Sie begann jetzt , ihr aufgelöstes Haar wieder in Flechten zusammenzulegen . Sie sah dabei nicht zu mir herüber , fühlte aber dennoch meinen auf ihr ruhenden Blick , denn sie sagte : » Effendi , du forschest in mir . Frage mich doch lieber , wenn du etwas willst ! Ich sage es dir ja gern . « Da erkundigte ich mich denn auch sogleich : » Du nanntest Marah Durimeh deine Lehrerin . Was hat sie dich gelehrt , und in welcher Weise that sie es ? « » Als echte Muallima25 , die nichts falsch oder überflüssig tut . Sie lehrte mich zunächst das Lesen und das Schreiben . Dann brachte sie mir nach und nach alle jene Bücher , die das enthielten , was ich lernen sollte . « » Gedruckte Bücher ? « » Nein , zunächst noch nicht . Diese bekam ich erst nach Jahren , als sie glaubte , daß mich fremde oder gar falsche Gedanken nicht mehr beirren könnten . Was ich in der ersten Zeit zu lesen und zu lernen hatte , das schrieb sie alles selbst , nur ganz allein für mich . Sie sagte , das müsse so sein , wenn ich werden solle , was ich zu werden habe . Solche Bücher haben die genaue Mostra26 zu enthalten , nach welcher die geistige Gestalt zu bilden sei , keinen Strich zu wenig und aber auch keinen zu viel . Weil aber niemals zwei verschiedene Personen ganz dieselbe Begabung besitzen , könne die Form für den einen nicht auch die Form für den andern sein . Darum sei außer der Schule des Lebens jede andere zu eng , die Kleinen in der Weise groß werden zu lassen , daß sich jeder in seiner besondern Eigenart entwickele . - Du siehst mich staunend an , Effendi . Habe ich etwas Törichtes gesagt ? « » Ich staune , ja ; aber aus einem ganz andern Grunde , als du denkst . Schakara , ich sage dir : Marah Durimeh ist eine Meisterin ! Hat sie noch andere Schülerinnen außer dir ? « » Wer kann das sagen ! Sie ist zwar meist verborgen , doch überall geliebt , wo sie erscheint , und jeder lernt von ihr , zu dem sie kommt . Mich aber hat sie einst zu sich geholt ; ich war und blieb bei ihr und teilte alles , was sie trug und tat . Sie gab sich wohl mit keiner so viel Mühe wie mit mir , und was ich bin , das habe ich nur ihr allein zu danken . « » So weiß sie , daß du jetzt hier bei dem Ustad bist ? « » Ja . Ich bin sogar in ihrem Auftrag hergekommen , von dem er allerdings bis jetzt noch nichts erfahren hat . Ich mußte erst studieren . « » Was oder wen ? Darf ich es wissen ? « Da schlug sie ihre klaren Augen groß und voll zu mir auf und antwortete : » Mir ist , als ob ich vor dir kein Geheimnis haben dürfe , als müsse ich dir alles sagen , was in mir ruht , und auch was mich bewegt . Drum will ich nicht verschweigen , daß ich den Ustad prüfe ; weshalb , wozu , das weiß nur Marah Durimeh . Auch ist die Gegend , wo er wohnt , für mich von Wichtigkeit . Es liegt hier in der Nähe viel begraben , was auferstehen will . Er selbst spricht ja von seiner eignen Gruft , doch ist das wohl nicht richtig . Schau diese Mauern an , die hoch und stark sich hier vor uns erheben , als ob sie Heimlichkeiten zu verbergen hätten , die keines Menschen Auge sehen dürfe ! Wer baute dies ? Warum in dieser Weise ? Aus welchem Grund gab man den Bau