Weißt Du denn nicht , daß die Leute schon reden - ? « » Die Leute reden mancherlei . Auch über Dich . « » Das hat mir Sylvia auch geantwortet - als ob es dasselbe wäre , was man von einem Mann erzählt , oder von einer Frau . Das ist doch ein gewaltiger Unterschied ... « » Die Ungerechtigkeit dieses Unterschieds fängt mir zu dämmern an . « » Es ist schon so . « » Ja , mit diesem Satz glaubt man allen Widerspruch abzuschneiden ... ich hab ' ihn auch angewendet . Aber man sollte eher sagen : es ist noch so . Doch , es wird nicht so bleiben . Der Anspruch der Frau auf die Treue ihres Gatten wird - « » Was ? « unterbrach Delnitzky , » auch Du ? - Du nimmst Dich um die Ansprüche der Frauen an ? - Bist Du unter die Frauenrechtlerinnen gegangen ? Von der Seite kenne ich Dich gar nicht ... Hast Dich , Gott sei Dank , dieser sogenannten Bewegung immer ferngehalten . « » Weil man nicht überall mittun und mitsprechen kann . Du weißt , daß eine andere sogenannte Bewegung mir Herz und Sinn ausfüllt . « » Na ja , die ist aber - weil ganz aussichtslos - auch harmlos , während die verflixte Frauenfrage schon ganz bedenkliche Dimensionen annimmt - neulich haben sie sogar schon einen weiblichen Doktor promoviert . Aber das hat ja im Grunde nichts damit zu tun , was ich mit Dir besprechen wollte , Mama . « » Und was war das ? « » Einfach dies : Du mußt mir helfen , den Bresser aus Sylvias Nähe zu verbannen . « Martha machte eine Bewegung . » Du brauchst nicht zu erschrecken , « fuhr er fort , » ich glaube ja gar nicht , daß sie in den Menschen verliebt ist , aber er schwärmt für sie und , wie gesagt : die Leute munkeln - und das kann ich nicht zugeben . « » Und wie , wenn sie ihn liebte ? « » Aber Mama - um Gotteswillen ... ! « » Hast Du ihr denn geboten , was eines jungen Weibes Anspruch an das Leben ist ? - Hast Du ihr Liebe gegeben ? Und Treue gewahrt ? ... Toni , ich habe nie über diese Dinge mit Dir gesprochen , weil ich finde , daß eine Schwiegermutter sich solcher Einmengung enthalten soll , aber heute warst Du es , der den Gegenstand - Euer eheliches Verhältnis - zur Sprache gebracht hat , und da kann ich mich nicht enthalten , Dir zu sagen : wenn dieses Verhältnis zerstört und bedroht ist , so liegt die Schuld an Dir . « Delnitzky sprang auf : » Ich sehe schon , an Dir habe ich keine Stütze ... Ich werd ' mit dem sauberen Herrn allein fertig werden müssen . Es wird mir doch nicht schwer fallen , ihn beim Rockkragen zur Tür hinauszuexpedieren . « » Mäßige Dich doch ! Gerade auf diese Weise würdest Du den Eklat herbeiführen , den Du zu fürchten scheinst . « » Was soll ich also tun ? Zuschauen , wie meine Frau einen Liebhaber - « » Schweig ' ! So zu sprechen hast Du kein Recht . Für Sylvias Reinheit stehe ich ein . Aber sie sollte nicht länger zuschauen , daß Du Deine Geliebte , diese - « » Willst Du etwas Beleidigendes sagen ? « unterbrach Delnitzky , » vielleicht weil sie beim Theater ist ? « » O nein , aber weil sie das Eigentum einer anderen entwendet hat . « » Damit meinst Du mich ? Glaub ' mir , auf dieses Eigentum hat Deine Tochter nie viel Wert gelegt . Du weißt gar nicht , wie kalt und abstoßend sie mit mir war - gleich nach unserer Hochzeitsreise . Wir passen nicht zusammen . « » So gehet denn auseinander ... « » Scheidung ? Wir leben in einem katholischen Land ... Freilich , man könnte ungarischer Staatsbürger werden ... « » Die Idee scheint Dir nicht zu mißfallen ? « » Ach Gott , es sind da tausend Schwierigkeiten und ich hasse Schwierigkeiten ... Du willst also nichts tun , um Sylvia auf den Pfad der Pflicht zu lenken ? « » Auf den von Dir verlassenen ? Ich will überhaupt nichts tun , Anton - weder für , noch gegen Dich . Wenn Sylvia meinen Rat erbittet , so werde ich ihn erteilen und sicher in der Richtung , in der ich ihre Ruhe und ihre Ehre gesichert sähe ... aber ungebeten werde ich mich nicht als Sittenpredigerin aufdrängen . Sie ist der mütterlichen Autorität entwachsen . Ich bin ihre Freundin - mehr nicht . « » Meine Freundin bist Du nicht - « » In aller Aufrichtigkeit : nein . Du hast mein Kind nicht glücklich gemacht ... Du betrügst sie vor aller Welt - wie soll sie Dir da liebevoll zugetan sein ? « » Es ist ja auch nicht nötig , daß Du meinetwegen einschreitest , sondern ihr zu nutz und frommen . Wenn sie sich kompromittiert , so wird es ihr Schaden - und wenn sie sich vergeht , ihr Unglück sein . Denn ich lasse mir nichts gefallen . Mein Name darf nicht in den Schlamm gezerrt werden . « Er war dunkelrot im Gesicht und die Stirnadern waren angeschwollen . Martha empfand etwas wie Furcht : dieser Mann wäre imstande , ihrer Sylvia ein Leid zuzufügen . Die vorhin angeregte Idee einer Scheidung nahm die Form eines Wunsches an . Freilich , kein schönes Los , eine geschiedene Frau zu sein . Aber wenn es gilt , einer Gefahr zu entrinnen , so kann man nicht erst fragen , ob der Fluchtpfad in eine liebliche Gegend mündet . » Ich hätte mir den Besuch bei Dir ersparen können , « fuhr Delnitzky im selben zornigen Tone fort . » Auf