auch ein Fakir und ebenso unbewaffnet wie Sallab , saß auf einem dunkeln , halbedlen Hengste . Beide erschraken , als sie uns erblickten . » Die Dschamikun ! « rief Sallab aus . » Nein , nur wir ! « antwortete ich . » Ihr beide allein ? « » Ja . « » Das glaube euch der Scheitan ! Komm ! Zurück , zurück ! « Er wendete sein Pferd und jagte fort . Der andere folgte ihm . » Sihdi , was ist - - - « rief Halef . » Still ! Kein unnützes Wort ! « unterbrach ich ihn . » Diese beiden Fukara58 sind die Schlüssel zum Rätsel , welches zu lösen ist . Wir müssen sie unbedingt haben ! « » Auch mit Gewalt ? « » Ja , wenn sie sich wehren ! Nimm du den andern ; ich fasse Sallab . Aber seine Stute ist pfeilschnell . Gieb mir meinen Assil ! Jeder sein Pferd , welches er kennt . Rasch , rasch ! « Wir sprangen ab und wechselten die Tiere . Dann ging es vorwärts , hinter den Fliehenden her . » Nimm dich in acht ! « rief ich Halef noch zu . » Sie könnten doch verborgene Waffen bei sich führen ! « » Keine Sorge , Sihdi ! Hamdulillah ! Endlich , endlich einmal eine Hetze , eine wirkliche , wahrhafte Hetze ! Wohlan ! Jallah , jallah , jallah ! « Das Umtauschen unserer Pferde hatte keine Minute in Anspruch genommen , dennoch waren die Fukara schon weit von uns entfernt ; Sallab ritt voran . Wie die Sache lag , durfte ich mich auf keine lange Jagd einlassen . Da der Kreuzungspunkt jenseits des Berges lag , konnten die Dschamikun in der Nähe sein . Wir mußten die Flüchtlinge also so bald wie möglich fassen . » Assil - - Assil ! Ramchchchchch , ramchchchchch ! « Das war die Aufforderung zum schnellsten Galopp . Ich streichelte ihm den Hals . Er flog . Die Vorderhufe berührten noch den Boden , so griffen die hinteren schon vor . Es war eine Lust , dieses Gefühl , als ob man nur den freischwebenden Sattel und gar kein sich bewegendes Tier unter sich habe ! Ich kam den beiden Fukara schnell näher . Da sah Sallab sich um . Ich hörte , daß er einen Schrei ausstieß . Er trieb sein Pferd an ; es vergrößerte die bisherige Schnelligkeit . Der andere schlug auf das seine ein , blieb aber zurück . Nach kurzer Zeit hatte ich ihn erreicht . Indem ich an ihm vorüberflog , that ich das so nahe , daß ich ihn erreichen konnte . Er saß halb nach vorn gebeugt . Ich stieß ihm die Faust in die Seite . Die Kraft meines Stoßes wurde durch Assils ungemeine Schnelligkeit verdoppelt . Der Fakir flog aus dem Sattel , und hinter mir erscholl die Stimme Halefs : » Ich ergreife ihn ! Ich halte ihn ! Ich bringe ihn Schau nur noch nach dem andern , Sihdi ! « Ich sah gar nicht nach dem Hadschi zurück , denn ich wußte ja , daß er thun werde , was ich erwartete . Aber Sallab schaute sich wieder um , und da er mich in solcher Nähe hinter sich sah , mußte er erkennen , daß ich ihn in einer Minute eingeholt haben werde . Ich behielt ihn scharf im Auge und sah , daß er dreimal mit beiden Händen auf beide Halsseiten seines Pferdes schlug und dabei ein Wort ausrief , welches ich nicht verstehen konnte . Sollte dies das Geheimnis der Stute sein ? War dieser Fakir ein solcher Freund und Vertrauter des Ustad , daß dieser es ihm mitgeteilt hatte ? Meine Frage wurde sofort beantwortet : Die Stute lief nicht mehr , sondern sie raste ! Es war das Geheimnis gewesen . Kaum hatte er es gegeben , so war seine Entfernung von mir schon verdoppelt . Ich mußte also auch das meinige anwenden . Indem ich mich weit vorbog , legte ich Assil die Hand zwischen die Ohren und sagte dreimal seinen Namen . Dieses Zeichen war gewählt worden , weil es sehr schwer auszuführen ist . Nur ein Reiter , welcher eines arabischen Renners würdig ist , wird es fertig bringen , im schärfsten Galoppe die Ohren seines Pferdes mit der Hand zu erreichen . Die Wirkung war eine großartige . Zunächst schien es für einen Moment , als ob Assil haltenbleiben wolle . Es ging wie ein Zittern durch seinen ganzen Körper . Dann ließ er ein tiefes , schnaubendes Stöhnen hören , ein Stöhnen dankbarer Willensfreudigkeit . Und aber nun - - - nun kam es mir vor , als ob die Beine nicht mehr zu sehen seien , so unglaublich schnell bewegten sie sich . Die Büsche und Bäume flogen förmlich an mir vorüber . Der Boden des Thales kam wie auf einer sich drehenden Walze auf mich zugeflossen , um hinter mir zu verschwinden . Die stehende Luft des Thales wurde in blasenden Wind verwandelt . Meine Bewegung glich nicht mehr einem Ritte , sondern einem horizontalen Fallen . Ich konnte nicht anders : ich jauchzte auf , worauf Assil schnaubend frohe Antwort gab . Das war ein ganz anderes Wettreiten , als ich mit Halef beabsichtigt hatte ! Die berühmte , pfeilschnelle Stute des Ustad und das beste Blut der Haddedihn im Kampfe gegen einander ! Nicht im Scherz , sondern im Ernste ! Beide mit geöffneten Geheimnissen und sich anstrengend , ihr Bestes , ihr Alles herzugeben ! Wer wird siegen ? Diese Frage blieb mir höchstens eine Viertelminute lang eine Frage . Sie verwandelte sich in die Antwort , als ich sah , daß das Geheimnis die Stute aufgeregt hatte . Das Spiel ihrer Glieder war von wunderbarer Leichtigkeit , aber nicht regelmäßig . Sie zeigte bald die rechte , bald die linke Flanke . Bald sah ich ihren Kopf auf