, hilflos einer Wucht von Träumen überliefert , der schwach geöffnete Mund mit den begehrlich blitzenden Zahnen , - das ließ Agathen schaudern , und er verdeckte die Augen mit der Hand . Aber noch deutlicher sah er so das Bild , und er seufzte schwer , streichelte flüchtig , wie huschend , das glatte Haar der kleinen Esther und verließ das Zimmer . Alles Klare , Gute , Getröstete seines Innern war wie verblasen . Er ging heim , es dunkelte schon , und er war so erregt , daß er wie blind umhertappte . Das Haus war wie ausgestorben ; doch als er in den Flur trat , um in seine Kammer zu gehen , stand wieder wie damals die Magd unter ihrer Türe . Wieder wie damals stand sie breit und gleichsam wartend vor dem düstern Kerzenschein . Ein trotziges und sinnliches Lächeln umspielte ihre dicken Lippen und Agathon starrte sie furchtsam an , wie ein Schicksal , dem er nicht entrinnen konnte . Sie sprach ihn an , aber er hörte es nicht ; sie tätschelte seine Hand , und er fühlte es nicht . Sie nahm sein Gesicht mit grober Zärtlichkeit zwischen Daumen und Zeigefinger ihrer Linken und lachte ; er war wie versteinert . Begierde , Trotz und Scham wollten fast seine Brust sprengen . Endlich machte er sich keuchend los und stürzte mit drei Sätzen die morsche Treppe hinab . Die Finsternis des Hofes empfing ihn , - es wurde ihm zu eng . Er eilte hinaus , bis in die Felder und über den Kirchhof und wußte nicht , wieviel Zeit verronnen war , als er wieder vor Frau Olifats Haus stand und hinaufschaute . Da öffnete sich die Gartentür ; Monika war es . Sie blickte hinauf und hinunter , und als sie Agathon gewahrte , erschrak sie , kam schnell auf ihn zu , stockte , machte wieder ein paar Schritte , stockte wieder und fiel endlich nieder , umklammerte fest Agathons Knie und begann klagend und kummervoll zu schluchzen . Agathon wurde bis in die Lippen bleich . » Was ist denn nur ! « stammelte er . Aber sie antwortete nicht , er sah ihre Schultern zucken , und ihr Weinen wurde immer verstörter und fassungsloser . Es schien aus einer Tiefe zu kommen , wohin sonst nicht leicht ein menschlicher Schmerz gelangt . Agathon wollte sie emporziehen , doch sie wehrte ihm heftig , fast zornig . Endlich und ganz unerwartet war sie still geworden , hielt die Schläfe mit beiden Händen und sah zu ihm auf mit einem gebrochenen Blick , in dem etwas Böses und Schuldiges war und der von einer Andern zu kommen schien als jener Monika , die Agathon bisher gekannt . Er wagte nichts zu sagen . » Ach , Agathon , « flüsterte endlich Monika mit einer weitentfernten Stimme , » ich hab dich erwartet , so lange , so lange . Denke nicht schlecht von mir , tu ' s nicht . Höre mich an , wenn du kannst und verstoß mich nicht . Es hat Gott gewollt , daß ich hier so werden sollte , wie ich bin . O Agathon ! Agathon ! « Und sie blickte mit dem Ausdruck tierischer Verzweiflung in sein Gesicht . Da stieg in Agathon eine Angst vor ihr auf , wie sie in einer finstern Landschaft kommen mag , wenn uns vor einem unsichtbaren Begleiter graut . Er machte sich los von ihr ; aus irgend einem Grunde erschien sie ihm niedrig , er drückte ihr unentschlossen die Hand und sagte beklommen gute Nacht . Kaum war er fort , so bereute er tief , was er getan , doch die Stimme des Lämelchen Erdmann schreckte ihn empor aus seinem Brüten . Lämelchen Erdmann stand vor dem Wirtshaus , focht mit den Armen durch die Luft und schrie Agathon zu , den er im Schein des Laternenlichts erkannte : » Hel Agathon ! schnell ! Dein Vater ! Dein Vater ! « Zwölftes Kapitel In dem dumpferhellten Vorflur der Schenke standen mit aufgerissenen Augen ein paar jüdische Händler , die um diese Zeit zu einem Glas Bier zu gehen pflegten , außerdem zwei Bauern : Jochen Gensfleisch und Jochen Wässerlein , dann Lämelchen Erdmann , der Gendarm Pavlovsky , wie immer schnaufend und wild um sich blickend , als wünsche er einen Widersetzlichen zu zermalmen und der Wirt selbst mit dem Gesicht eines alten Komödianten . Gegen neun Uhr war Lämelchen Erdmann in die Schenke gekommen und die beiden Bauern hatten ihren Spaß mit ihm zu treiben und ihn zu zwingen versucht , die gelbe Katze des Wirts beim Schwanz zu fassen und emporzuheben . Lämelchen blickte , bebend am ganzen Körper , um sich . Alle wußten , daß er einen namenlosen Abscheu vor Katzen hatte . Er wich jeder Katze in weitem Bogen aus und wenn die Katzen des Nachts vor seinem Hause schrien , verstopfte er sich die Ohren und lag dennoch voll fiebernder Furcht in seinem Bett . Die jüdischen Händler , die schwatzend an einem Tisch beisammen saßen , wagten dem bedrängten Alten nicht beizustehen ; sie runzelten die Stirn und sahen halb furchtsam , halb entrüstet hinüber . Der Wirt suchte sich ins Mittel zu legen , aber jetzt kamen der Doktor , der Schmied und der Apotheker herein und lachten , als sie sahen , daß Jochen Wässerlein die Katze nahm und sie wie einen Pelz Lämelchen Erdmann um den Nacken legte und wie der Unglückliche dann dastand mit einem Gesicht , das nicht mehr Angst , nicht mehr Schrecken ausdrückte , sondern etwas , das jenseits aller menschlichen Empfindungen lag . Das Kätzchen , das nicht scheu war , blieb faul sitzen , blinzelte , schloß die Augen und fuhr behaglich fort zu schnurren . Plötzlich wurde die Tür aufgerissen und Elkan Geyer taumelte herein . Kopf , Gesicht , Hände und Kleider waren mit Kot besudelt , was um so sonderbarer war ,