wollen . Aber nun kann ich es ja . Sieben Kutschen , und die beiden Kälber von Professor Kuh waren Brautjungfern . Natürlich , Brautjungfern möchten sie immer alle sein , denn auf die kuckt alles , beinah mehr noch als auf die Braut , weil die ja schon weg ist ; un meistens kommen sie auch bald ran . Un bloß den Pastor konnt ich nich recht erkennen . Thomas war es nich . Aber vielleicht war es Souchon , bloß daß er ein bißchen zu dicklich war . « Fünfzehntes Kapitel Der Pudding erschien Punkt zwei , und Schmidt hatte sich denselben munden lassen . In seiner behaglichen Stimmung entging es ihm durchaus , daß Corinna für alles , was er sagte , nur ein stummes Lächeln hatte ; denn er war ein liebenswürdiger Egoist , wie die meisten seines Zeichens , und kümmerte sich nicht sonderlich um die Stimmung seiner Umgebung , solange nichts passierte , was dazu angetan war , ihm die Laune direkt zu stören . » Und nun laß abdecken , Corinna ; ich will , eh ich mich ein bißchen ausstrecke , noch einen Brief an Marcell schreiben oder doch wenigstens ein paar Zeilen . Er hat nämlich die Stelle . Distelkamp , der immer noch alte Beziehungen unterhält , hat mich ' s heute vormittag wissen lassen . « Und während der Alte das sagte , sah er zu Corinna hinüber , weil er wahrnehmen wollte , wie diese wichtige Nachricht auf seiner Tochter Gemüt wirke . Er sah aber nichts , vielleicht weil nichts zu sehen war , vielleicht auch , weil er kein scharfer Beobachter war , selbst dann nicht , wenn er ' s ausnahmsweise mal sein wollte . Corinna , während der Alte sich erhob , stand ebenfalls auf und ging hinaus , um draußen die nötigen Ordres zum Abräumen an die Schmolke zu geben . Als diese bald danach eintrat , setzte sie mit jenem absichtlichen und ganz unnötigen Lärmen , durch den alte Dienerinnen ihre dominierende Hausstellung auszudrücken lieben , die herumstehenden Teller und Bestecke zusammen , derart , daß die Messer- und Gabelspitzen nach allen Seiten hin herausstarrten , und drückte diesen Stachelturm im selben Augenblicke , wo sie sich zum Hinausgehen anschickte , fest an sich . » Pieken Sie sich nicht , liebe Schmolke « , sagte Schmidt , der sich gern einmal eine kleine Vertraulichkeit erlaubte . » Nein , Herr Professor , von pieken is keine Rede nich mehr , schon lange nich . Un mit der Verlobung is es auch vorbei . « » Vorbei . Wirklich ? Hat sie was gesagt ? « » Ja , wie sie die Semmel zu den Pudding rieb , ist es mit eins rausgekommen . Es stieß ihr schon lange das Herz ab , und sie wollte bloß nichts sagen . Aber nu is es ihr zu langweilig geworden , das mit Leopolden . Immer bloß kleine Billetter mit ' n Vergißmeinnicht draußen un ' n Veilchen drin ; da sieht sie nu doch wohl , daß er keine rechte Courage hat un daß seine Furcht vor der Mama noch größer is als seine Liebe zu ihr . « » Nun , das freut mich . Und ich hab es auch nicht anders erwartet . Und Sie wohl auch nicht , liebe Schmolke . Der Marcell ist doch ein andres Kraut . Und was heißt gute Partie ? Marcell ist Archäologe . « » Versteht sich « , sagte die Schmolke , die sich dem Professor gegenüber grundsätzlich nie zur Unvertrautheit mit Fremdwörtern bekannte . » Marcell , sag ich , ist Archäologe . Vorläufig rückt er an Hedrichs Stelle . Gut angeschrieben ist er schon lange , seit Jahr und Tag . Und dann geht er mit Urlaub und Stipendium nach Mykenä ... « Die Schmolke drückte auch jetzt wieder ihr volles Verständnis und zugleich ihre Zustimmung aus . » Und vielleicht « , fuhr Schmidt fort , » auch nach Tiryns oder wo Schliemann grade steckt . Und wenn er von da zurück ist und mir einen Zeus für diese meine Stube mitgebracht hat ... « , und er wies dabei unwillkürlich nach dem Ofen oben , als dem einzigen für Zeus noch leeren Fleck , » ... wenn er von da zurück ist , sag ich , so ist ihm eine Professur gewiß . Die Alten können nicht ewig leben . Und sehen Sie , liebe Schmolke , das ist das , was ich eine gute Partie nenne . « » Versteht sich , Herr Professor . Wovor sind denn auch die Examens un all das ? Un Schmolke , wenn er auch kein Studierter war , sagte auch immer ... « » Und nun will ich an Marcell schreiben und mich dann ein Viertelstündchen hinlegen . Und um halb vier den Kaffee . Aber nicht später . « Um halb vier kam der Kaffee . Der Brief an Marcell , ein Rohrpostbrief , zu dem sich Schmidt nach einigem Zögern entschlossen hatte , war seit wenigstens einer halben Stunde fort , und wenn alles gut ging und Marcell zu Hause war , so las er vielleicht in diesem Augenblicke schon die drei lapidaren Zeilen , aus denen er seinen Sieg entnehmen konnte . Gymnasial-Oberlehrer ! Bis heute war er nur deutscher Literaturlehrer an einer höheren Mädchenschule gewesen und hatte manchmal grimmig in sich hineingelacht , wenn er über den Codex argenteus , bei welchem Worte die jungen Dinger immer kicherten , oder über den Heliand und Beowulf hatte sprechen müssen . Auch hinsichtlich Corinnas waren ein paar dunkle Wendungen in den Brief eingeflochten worden , und alles in allem ließ sich annehmen , daß Marcell binnen kürzester Frist erscheinen würde , seinen Dank auszusprechen . Und wirklich , fünf Uhr war noch nicht heran , als die Klingel ging und Marcell eintrat . Er dankte dem Onkel herzlich für seine Protektion , und als dieser das alles mit der