Tisch- und Abendunterhaltungen , und ich füge diese kleine Geschichte meinem Briefe mit allem Vorbedacht hinzu , weil ich weiß , wie sich Christine für Pastoralanekdoten und theologische Streitigkeiten interessiert . Und die Frage nach der Intimsprache Gottes kann vielleicht dafür gelten . Nochmals die herzlichsten Grüße . An Christine schreibe ich morgen , wenn auch nur einige Zeilen . « Er couvertierte nun diesen Brief an die Dobschütz , zugleich die beiden andern an Asta und Axel und war eben damit fertig , als es klopfte . » Herein . « Aber das Klopfen wiederholte sich nur , so daß Holk aufstand , um zu sehen , was es sei . Draußen stand Karin , die verlegen vor sich hin sah , trotzdem Verlegenheit zu den letzten ihrer Eigenschaften zählte . Sie behändigte Holk einige Zeitungen und Briefe , die der Postbote , der sehr eilig gewesen , um Zeitersparnisses willen unten beim gnädigen Fräulein mit abgegeben habe . Das gnädige Fräulein lasse sich dem Herrn Grafen empfehlen und habe vor , mit Baron Pentz einen Spaziergang zu dem » Stein « im Park zu machen - der Herr Graf wüßten schon , bis zu welchem Stein . Holk lächelte , ließ sich entschuldigen und nahm dann seinen Platz wieder ein , um zu sehen , was die neueste Post gebracht habe . Die Zeitungen , die bei der momentan herrschenden politischen Windstille wenig versprachen , schob er beiseite und musterte dabei schon die Handschriften der eingetroffenen Briefe . Sie ließen sich alle leicht erkennen ; das war die des alten Petersen , das die seines Gärtners und diese hier die Handschrift Arnes , seines Schwagers . Der Poststempel » Arnewiek « bestätigte nur . » Von Alfred ? Was will er ? Er faßt doch sonst die Machtvollkommenheiten seiner Majordomusschaft weitgehend genug auf , um mich durch Anfragen nicht groß zu stören . Und ein wahres Glück , daß er so verfährt und überhaupt so ist , wie er ist . Ich habe nicht Lust , mich hier um Wollpreise zu kümmern oder um die Frage , wieviel Fetthämmel nach England verladen werden sollen . Das ist seine Sache beziehungsweise Christinens , und beide verstehen es außerdem viel besser als ich ; die Arnes waren immer Agrikulturgrößen , was ich von den Holks eigentlich nicht sagen kann ; ich meinerseits habe immer nur den Anlauf dazu genommen . Also was will er ? Aber wozu mir den Kopf mit Vermutungen zerbrechen . « Und dabei nahm er den Brief und schnitt ihn mit einem kleinen Elfenbeinmesser auf , aber langsam , denn er stand unter einem Vorgefühl , daß ihm der Brief nicht viel Erfreuliches bringen werde . Und nun las er : » Lieber Holk ! Ich unterlasse es , wie Du weißt , grundsätzlich , Dir , in Deinen Kopenhagener Tagen , mit wirtschaftlichen Angelegenheiten aus Holkenäs beschwerlich zu fallen . Es war auch bisher nie nötig , da Dein liebenswürdiger Charakter es leicht macht , an Deiner Stelle zu regieren ; Du hast nicht bloß die glückliche Gabe , mit dem , was andre tun , einverstanden zu sein , sondern die noch glücklichere , wenn der Ausnahmefall mal eintritt , fünf gerade sein zu lassen . Und um es gleich vorweg zu sagen , ich schreibe Dir auch heute nicht um pressanter wirtschaftlicher Dinge willen und habe noch weniger vor , ganz allgemein auf meine Lieblingspläne zurückzukommen , die , wie Du weißt , dahin gehen : lieber Shorthorns als Oldenburger ( die Milchwirtschaft hat sich überlebt ) und lieber Southdowns als Rambouillet . Was soll uns noch die Wollproduktion ? Ein längst überwundener Standpunkt , der für die Lüneburger Heide passen mag , aber nicht für uns . Der Londoner Cattle-Market , der allein ist es , der für Güter wie die unsrigen in Betracht kommt . Meat , meat ! Aber nichts mehr davon . Ich schreibe Dir wegen wichtigerer Dinge , wegen Christine . Christine , wie Dir die Dobschütz schon mitgeteilt haben wird , ist leidend , ernst und nicht ernst , wie Du ' s nehmen willst . Sie braucht weder nach Karlsbad noch nach Nizza geschickt zu werden , aber doch ist sie krank , krank im Gemüt . Und daran , lieber Holk , bist Du schuld . Was sind das für Briefe , die Du nun schon seit sechs Wochen schreibst oder , fast ließe sich sagen , auch nicht schreibst . Ich verstehe Dich nicht , und wenn ich Dir , von Anbeginn unserer Freundschaft an , immer vorgeworfen habe : Du kenntest die Frauen nicht , so muß ich jetzt alles Scherzhafte , was sich früher bei dieser Bemerkung mit einmischte , daraus streichen und Dir im bittersten Ernste sagen : Du verstehst die Frauen wirklich nicht , am wenigsten aber Deine eigene , meine teure Christine . Unsere teure Christine wage ich , bei der Haltung , die Du zeigst , kaum noch zu sagen . Ich sehe nun freilich deutlich , wie Du hier ungeduldig wirst und nicht übel Lust hast , gerade mich als den Anstifter und Begründer all der Behandlungssonderbarkeiten zu verklagen , in denen Du Dich seit Deiner Abreise von Holkenäs mit ebensoviel Virtuosität wie Konsequenz ergehst . Und wenn Du Dich mir und meinen früheren Ratschlägen gegenüber durchaus auf Deinen Schein stellen willst , so kann ich Dir ein bestimmtes Recht dazu nicht absprechen . Ja , es ist richtig , ich habe Dir mehr als einmal zu dem Wege geraten , den Du nun eingeschlagen hast . Aber , mein lieber Schwager , muß ich Dir zurufen : est modus in rebus ? Muß ich Dich darauf aufmerksam machen , daß in all unserem Tun das Maß entscheidet und daß der klügste Rat , Pardon , daß ich den meinigen darunter zu verstehen scheine , sicherlich in sein Gegenteil verkehrt wird , wenn der , der ihn befolgt , das richtige Maß nicht hält und den Bogen