der neutralen Objekte immer Voraussetzung der Gegenwart - an sich war es also bedingt , daß wir uns begegneten . Gewisse Neigungen und Tendenzen zogen den Einen zum Andern hin . Es ist ja Alles nur nothdürftigste Anpassung in der Welt ! Und weil das so ist - nun , darum mußten wohl jene Neigungen und Tendenzen schon einmal vorher durch andere Erscheinungen , die ihnen einigermaßen Wurzelbedingungen boten , provocirt und ausgelöst werden . Ich nun für meine Person - - aber ich habe Dir ja schon gesagt , Hedwig , daß ich immer schöne Formen , merkwürdige Schicksale und eigenartige Charactere geliebt habe ... Ich konnte nicht anders - und ich werde nie anders können . Und wirklich - Du darfst es glauben , Hedwig - : meine kleine Emmy hat einen wundervollen Leib ... ist auch sonst nicht übel - nur eben viel geistiges , tieferes , verinnerlichtes Verständniß darf man nicht von ihr erwarten - das - - « » O Gott ! machst Du mich unglücklich , Adam ! Das kann Dir überhaupt nie verziehen werden . Wenn ich mich nicht so an Dich klammern müßte - - habe doch nur ein wenig Mitleid mit mir - ! « Hedwig schluchzte laut auf . Adam schüttelte ärgerlich den Kopf . Das Weib ist überreizt , sagte er sich . Es muß ' mal ordentlich befriedigt werden . Und doch schmeichelte es seiner Eitelkeit , daß er so leidenschaftlich geliebt ... so brennend begehrt wurde . Jene Doppelstimmung des abweisenden Aergers und des unwiderstehlichen Dranges , entgegenkommend , liebevoll , zärtlich zu sein , befiel ihn . » Wir wollen einen Strich durch unser Vergangenheitsconto machen , Hedwig - wenigstens für heute Abend respektive heute Nacht ... Ich werde mir alle Mühe geben , in Zunkunft nicht mehr an die schöne Frau Lydia zu denken ... und meine reizende Emmy soll auch den Laufpaß bekommen . Das kleine Ding hängt zwar sehr an mir . Aber ich hoffe , sie wird sich schon mit dem Prachtkerl von Bodenburg , meinem eminenten Freunde , trösten . Die beiden scheinen sich übrigens bereits gefunden zu haben . Verteufelt ! Wenn ich mir denke , daß dieser Bursche - dieser ... dieser - ich finde gar keine Worte vor Wuth ... ach ! sie konnte so lieb , so zärtlich sein - so ... na ! Schwamm drüber ! ... Hin ist hin - und nobel muß die Welt zu Grunde gehen ! Ich habe Dich ja jetzt , Hedwig - lassen wir also die schöne Sünderin schwimmen und halten wir ' s mit der Tugend ! ... Und weiter noch in die Vergangenheit zurück : die Soubrette ... die Chansonettensängerin ... die Choristin ... die zweite Liebhaberin - die kleine Katze war nur etwas zu eifersüchtig - Ida , die Kellnerin - Pauline , die Conservatoristin - Donnerwetter ! das Kind konnte verblüffend offen und geradezu sein ! - Auguste , die Kindergärtnerin - Helene , die Confektioneuse - die schwarzzöpfige Maxel , die so etwas wie eine Collegin von Emmy war - Ottilie , die pralle Jüdin mit den polirten Sammetaugen und dem Teint , der wie gekochtes Hühnerfleisch aussah - Toni , das fürwitzige , verliebte Töchterlein des Herrn Polizeicommissars - - mein Gott ! die Proskriptionsliste will gar kein Ende nehmen ... Wie viel vergeudete und verschwendete Zeit ! Wie viel verzettelte , verpuffte Kraft ! Wie viel zerquirlte Stimmung ! Wie viel überflüssig verlottertes Geld ! Und doch - : man hat wenigstens Etwas erlebt ! Etwas erlebt , von dem tausend andere Pomadenheilige keenen blauen Dunst haben ! War ' s auch im Grunde immer wieder dasselbe - : man hat seinen psychologischen Blick doch bedeutend geschärft - man hat die Weiber - verzeih ' , mein Lieb ! - einigermaßen kennen gelernt - man ist hinter unendlich viele Schliche und Coulissengeheimnisse des Lebens gekommen - summa summarum : ich bereue mein fahriges Zigeunerleben keineswegs . Ich habe manche unvergeßliche Stunde durchlebt .... manches volle , große , ganze Gefühl genossen - ich habe manchen brennenden Schmerz durchkosten müssen ... ich habe manche wahre Thräne fließen sehen ... und manche wohl auch selbst geweint - meine Erinnerungen werden einmal ... in späteren Tagen ... sie werden dann kaum nüchtern , kaum glanzlos und kalt sein - der Einkaufspreis , um den ich sie erstanden , thut mir nicht leid . Es trocknet übrigens nichts schneller auf der Welt , als so eine kleine , heiße , salzige Thräne . Und doch thut jede Trennung weh - man begegnet sich so selten noch einmal im Leben , wenn man ' s mit dem Auseinandergehen wirklich ernst genommen hat ... Und das ist auch sehr gut . Aber jede Trennung reißt doch zugleich ein Partikelchen Herz mit fort . Nun ! wir Mischlinge der Romantik und des modernen Realismus haben ja Vorrath in dieser Beziehung - wir leiden ja Alle an einem gewissen trop de coeur ... Oder würden wir uns sonst so furchtbar interessant vorkommen , wie es thatsächlich der Fall ist ? Würden wir sonst so eifrig an uns herumspintisiren und herumtüfteln , herumschnüffeln und uns von hinten und von vorn begucken und behorchen ? Wären wir sonst solche capitalen Narren und machten durch eine ewige Analysirungswuth aller Worte , die wir sprechen , aller Handlungen , die wir in Scene setzen - machten wir dadurch unsere Beziehungen zu einander ... unter einander ... zu den denkbar unerquicklichsten von der Welt - ? Ach ! Was sind wir doch für unsagbar dumme Kerls ! Indessen ! welche Wollust , so ein interessanter Narr sein zu dürfen ! Uebrigens , Hedwig - damit ich nicht allzu sehr in Deiner Achtung sinke - : ich habe nämlich auch mit sogenannten edlen Frauen verkehrt ! Diese edlen Frauen - nein ! das sind wirklich zu putzige Wesen ! Das Märchen von ihnen hat mich immer sehr amüsirt . Doch das ist ' n Capitel , das