aber der Tisch versperrte den Zugang zum Kanapee , und den wegzuschieben hätte sich wieder nicht geschickt . So geriet Pavel in einen peinlichen Konflikt der Pflichten , ließ in seiner Verlegenheit den Hut fallen und wagte nicht ihn aufzuheben . Die Baronin winkte ihm , näherzutreten , stand auf , beugte sich über den Tisch und suchte sich , so gut ihre zunehmende Blindheit es erlaubte , durch den Augenschein davon zu überzeugen , daß wirklich Pavel Holub vor ihr stand . Dann setzte sie sich wieder und fragte , was ihn herführe . Er indessen hatte abwechselnd sie und die Strickarbeiten angesehen , die , offenbar zur letzten Ausfertigung bereit , vor ihr lagen und neue und farbenfrische Ebenbilder der Röcklein und Jacken waren , in denen alle armen Dorfkinder herumliefen . Angeheimelt durch den Anblick und gerührt durch den Fleiß der alten , gebrechlichen Frau , faßte er sich auf einmal ein Herz und kam mit seinem Anliegen heraus . Es bestand in der Bitte , die Frau Baronin möge sich gnädigst dafür verwenden , daß man seiner Schwester Milada den Dienst im Kloster erleichtere , sonst könne sie es nicht aushalten und müsse sterben . » Sterben ? Milada sterben ? « Die Greisin lachte , war entrüstet , befahl dem impertinenten Dummkopf , der so etwas zu denken wage , dem rohen und grausamen Schlingel , der ein solches Wort über seine Lippen bringe , das Zimmer zu verlassen , rief den Bestürzten , als er gehorchen wollte , wieder zurück und forderte ihn auf , ihr zu erklären , wie er ins Kloster und dazu gekommen sei , Milada zu sprechen . » Aber lüg nicht wie ein Zigeuner , der du bist « , setzte sie heftig erregt hinzu . Pavel erstattete seinen Bericht in äußerster Kürze , jedoch mit einem Gepräge der Wahrhaftigkeit , das wohl den verhärtetsten Zweifler überzeugt hätte . Die Baronin senkte den Kopf immer tiefer auf ihre Strickerei ; sie bereute schon ihre Ausfälle gegen Pavel , besonders den letzten . Warum hatte sie ihn einen Zigeuner genannt ? Warum ihn damit an das elende Wanderleben , das er in seiner Kindheit führen mußte , und zugleich an Vater und Mutter erinnert und ihm sein Unglück zum Vorwurf gemacht ? - - Pfui , daß sie sich so weit von ihrem Ärger über den Burschen hatte hinreißen lassen , weil er eine unbegründete Besorgnis um seine Schwester geäußert . Nach allem , was die Baronin in der letzten Zeit von ihm gehört , verdiente er eher Lob als Tadel . Hatte Anton , einer ihrer Vertrauensmänner , nicht gesagt : » War Nichtsnutz Holub , aber jetzt macht sich . « Hatte der Förster ihn nicht ganz außerordentlich gerühmt ? Hatte nicht sogar der ihm durchaus nicht wohlgesinnte Pfarrer , auf ihre Erkundigung nach ihm , erwidert : » Es liegt nichts gegen ihn vor . « - Und sie beschimpfte ihn ! ... Sie , die am Rande des Grabes stand , die bald nicht mehr vermögen würde , einem Menschen wohlzutun , tat noch einem ohnehin Hartgeprüften weh ! » Holub « , sprach sie plötzlich , » deiner Schwester fehlt nichts . Trotzdem will ich zu deiner Beruhigung und auch ein wenig zu der meinen morgen ins Kloster fahren . Denn - einen unangenehmen Eindruck machen mir deine eingebildeten Befürchtungen doch , und ich möchte ihn bald loswerden . « Pavels Gesicht strahlte vor Freude . - » Wenn die Frau Baronin « , sagte er , » sich selbst vom Aussehen Miladas überzeugen möchte und , falls sie damit unzufrieden ist , bestimmen wollte , daß besser acht auf sie gegeben und man ihr verbieten würde , sich weit über ihre Kräfte anzustrengen , wie sie es tut , weil sie sich vorgenommen hat , gar zu schwere Sünder loszubeten - das wäre eine große Wohltat , und der liebe Herrgott würde es der Frau Baronin tausendfach vergelten . « Sie lächelte und meinte : » Da hätte der liebe Herrgott viel zu tun , wenn er alle die Wechsel einlösen sollte , die von unbefugten Schatzmeistern auf ihn ausgestellt werden . « » Freilich , freilich « , erwiderte Pavel gedankenlos , hob seinen Hut vom Boden auf , sah sich im Zimmer um und erkannte es als dasselbe , in welchem er nach dem Federnraube an dem bösen Pfau seine erste Audienz im Schlosse gehabe hatte . Unwillkürlich warf er einen Blick nach der dünnen Schnur an der Decke und sah , daß sie noch immer festhielt und daß der vergoldete Kübel bis zur Stunde nicht herabgefallen war . Jede Einzelheit des damaligen Vorganges tauchte vor ihm auf . Er erinnerte sich besonders deutlich der großen Abneigung , die ihm die Frau Baronin eingeflößt hatte und die in solchem Gegensatz zu der Hochachtung stand , von welcher er sich jetzt für sie durchdrungen fühlte . Was hatte sich denn verändert ? ... Sie nicht , sie war dieselbe geblieben , in seinen Augen nicht einmal älter geworden , eine Greisin damals , eine Greisin jetzt . Er war ein anderer , ein reicherer Mensch , nicht mehr der stumpfe , für den es nichts Verehrungswürdiges gibt , weil ihm der Sinn , es zu erkennen , fehlt . Er empfand das mit ziemlicher Klarheit und hätte es gern an den Tag gelegt , hätte sich aber auch gern empfohlen , nachdem sein Geschäft beendet , sein Gesuch angebracht und auf das beste aufgenommen worden war . Ohne Ahnung , daß es ihm zukomme zu warten , bis er entlassen werde , sprach er : » Ich will Euer Gnaden nicht länger belästigen ; ich sag der Frau Baronin tausendmal : vergelt ' s Gott , und wenn Sie sterben , werde ich für Sie beten . « » So ? so ? « sie richtete sich empor . » Wirst du das wirklich tun , und andächtig ? « » Sehr andächtig