Anfall wiederhergestellt , Doktor Faulstich aber seiner Ziebinger Umgarnung entzogen sein werde . Eine Viertelstunde später flogen die Schlitten auf verschiedenen Wegen ins Oderbruch hinein . Berndt , behufs Erledigung von Kreis- und anderen Amtsgeschäften , begleitete Drosselstein nach Hohen-Ziesar . Den weitesten Weg hatten Lewin und Renate , quer durch das Bruch hindurch . Als sie vor dem Hohen-Vietzer Herrenhause hielten , berichtete Jeetze mit einem Anflug von Vertraulichkeit , daß die » jungen Berliner Herrschaften « vor einer Stunde angekommen , aber , ermüdet von der Reise , schon zur Ruhe gegangen seien . » Also auf morgen ! « Damit trennten sich die Geschwister . Achtes Kapitel Chez soi Über dem Salon , aus dem die Wendeltreppe mit dem Nußbaumspalier ins obere Stock führte , befand sich das Schlafzimmer der Gräfin . Ein stiller Raum , hoch und geräumig , die Fenster nach Norden zu . Unter gewöhnlichen Verhältnissen hätte man diese Lage tadeln dürfen ; hier aber , wo die Neigung vorherrschte , sich erst durch die Mittagssonne wecken zu lassen , gestaltete sich , was anderen Orts ein Fehler gewesen wäre , zu einem Vorzug . In der Mitte des Zimmers , nur mit der einen Schmalseite die Wand berührend , stand das Bett , ein großer , mit schweren Vorhängen ausgestatteter Behaglichkeitsbau und nicht eine jener sargartigen Kisten , die das Schlafen als eine Nebensache oder gar als eine Strafe erscheinen lassen . Ein zuverlässiger Mensch wacht aber nicht nur ordentlich , sondern schläft auch ordentlich , und es war eine Feinheit unserer Sprache , das richtig drapierte Großbett ohne weiteres zum Himmelbett zu erheben . Die Gräfin , noch unter dem Einfluß des Streits , den sie mit dem Bruder gehabt hatte , und verstimmt , an einer , wie sie nicht zweifelte , siegreichen Entgegnung verhindert worden zu sein , stieg die Wendeltreppe langsam hinauf , während ihr ihre Jungfer , ein hübsches , blutjunges Ding von entschieden wendischem Typus , mit einem Ausdruck von Schelmerei und Schlauheit folgte . Es war Eva Kubalke , des alten Hohen-Vietzer Küsters jüngste Tochter und Schwester von Maline Kubalke . Beide nahmen dieselbe bevorzugte Stellung ein . Eva war Liebling und Vertraute bei Tante Amelie , Maline bei Renaten . Es verging eine geraume Zeit , während welcher die Gräfin nicht sprach . Endlich schien sie ihrer Verstimmung Herr geworden zu sein ; sie setzte sich vor einen Spiegel und begann ihre Nachttoilette zu machen . Die Kleine sah ihr beständig nach den Augen . Endlich sagte die Gräfin unter freundlichem Zunicken : » Nun , Eva ? « » Gnädigste Gräfin sind so still . « » Ja . Aber nun sprich . Nimm den Kamm . Was gibt es ? « » O vielerlei , gnädigste Gräfin . Fräulein Renate war wieder so gut . Sie hat mir alles erzählt . Ich freue mich immer , wenn sie Kopfweh hat und aus dem Salon nach oben kommt . Da höre ich doch von Hohen-Vietz und meiner Schwester Maline . « » Wie steht es mit dem Bräutigam ? War es nicht der junge Scharwenka ? « » Ja , aber sie hat ihm abgeschrieben . « » Ihm abgeschrieben ? Dem reichen Krügerssohn ? « » Das war es eben . Es sind harte Leute , die Scharwenkas , hart und bauernstolz . Er hat ihr vorgeworfen , daß sie arm sei . Aber da war es vorbei . Sie machte sich auch nicht viel aus ihm . Sie will nun in die Stadt . « » Wenn es nur gut tut . « » Aber wissen denn gnädigste Gräfin , daß der Hathnower Pastor Hochzeit gehabt hat ? « » Der Hathnower ? « » Ja , gestern , am zweiten Feiertage . Es sollte was Apartes sein . « » Und mit wem denn ? « » Mit einer Berlinerin . Und wie er dazu gekommen ist ! Es ist eine ganze Geschichte . « » Nun , so erzähle doch . « » Er war letzten Sommer in Berlin auf Besuch bei einem Freunde , auch Prediger . Den Namen habe ich vergessen , aber ich besinne mich noch . « » Laß ihn . « » Nun , der Freund wohnte in einem großen Hause , zwei Treppen hoch . Ein Gewitter zog herauf , und es goß wie mit Kannen . Als es vorüber war und der Regen nur noch leise fiel , legten sich beide Freunde ins offene Fenster und sahen auf die Straße , die unter Wasser stand , so daß die Brückenbohlen umherschwammen . Aber soll ich weiter erzählen ? « » Gewiß . « » Sie sahen also auf die Straße und die Brückenbohlen , aber auch auf ein paar große Rosenstöcke , die Regens halber umgelegt waren und gerade unter ihnen aus dem Fenster herausguckten . Die Freunde sprachen noch , und der Hathnower wollte sich eben nach den eine Treppe tiefer wohnenden Wirtsleuten erkundigen , als ein Arm herausgestreckt wurde , der dicht über den Rosenstöcken hin einen kleinen irdenen Blumentopf , in dem nur zwei , drei Blätter wuchsen , in den Regen hinaushielt . Ein paar Tropfen fielen auf die Blätter und auch auf den Arm ; und dann verschwand er wieder . Es war wie eine Erscheinung , soll der Hathnower gesagt haben . Den zweiten Tag hielt er an . Es ist eine Steuerratstochter . « » Das hätte ich dem Kleinen nicht zugetraut . Er ist sonst so schüchtern . « » Die Leute wissen auch nicht recht , was sie daraus machen sollen . Die einen meinen , es habe ihn so gerührt , die Liebe zu den drei kleinen Blättern , und er habe gleich gesagt , die muß jeden glücklich machen ; die andern aber meinen , Frau Gräfin verzeihen , der Arm habe es ihm angetan . « » Es wird wohl der Arm gewesen sein « bemerkte die Gräfin mit ruhiger Überzeugung