Kossaten statt Halbbauern und Pretia rerum statt Preise der Lebensmittel . Nachmittags hatte Ronald einen Auftrag seines Vaters auszuführen , entschuldigte sich und fuhr davon . Die Gräfin begab sich mit Regula und Röschen nach der Terrasse , die Baronin , die ihnen folgen wollte , wurde von ihrem Vater zurückgehalten da er mit ihr zu sprechen wünschte . » Wir werden die Ehre haben , Sie bald einzuholen , meine Damen , und hoffen Sie dann in günstiger , huldvoller Stimmung zu finden « , sprach der alte Herr und zwinkerte dabei Regula schalkhaft zu . Sie fand es angemessen , die Augen niederzuschlagen - sie verstand ihn ja so wohl ! Ronald hatte sich seinem Vater anvertraut und ihm die Förderung seiner Herzensangelegenheit übertragen . Der Graf will sich nun mit seiner Tochter beraten , in welcher Weise dies am besten geschähe . Das alles liegt auf der Hand . Die Entscheidung naht - morgen vermutlich wird die Verlobung gefeiert . Regula kann nicht umhin , mit dem größten Erbarmen an Ludwig Bauer zu denken . In den letzten drei Tagen hatte er dreimal geschrieben . Es tut ihr leid um ihn - aber wer kann helfen ? Der Augenblick , in dem man die Hand nach einer Grafenkrone ausstreckt , ist nicht der , in dem man in Versuchung kommt , Frau Professor zu werden . Regulas Wege sind gewiesen , und Ehrgeiz ist und bleibt die Leidenschaft großer Seelen . » Nun , Thilde ! « fragte der Graf , indem er sich auf seinen mit gesteiftem Kattun überzogenen Diwan niederließ , » was habe ich dir zu sagen ? « » Nun , lieber Papa « , erwiderte die Baronin , die sich an seine Seite gesetzt hatte und sofort eifrig an ihrer Häkelei zu arbeiten begann , » wenn Sie das nicht selbst wissen - « Er lachte , lehnte sich behaglich zurück und sprach : » Sag einmal an , Thilde , was sind von jeher meine Ansichten gewesen über den Wert der Gabel im Stammbaume ? Was halte ich davon ? « » Nicht viel « , erwiderte die Baronin und sah ihren Vater verwundert an . Ja , sagte sie zu sich selbst , wenn sich ' s nur um die Gabel handelte - ich sehe aber nicht einmal eine Zinke . » Ich bin für das englische Prinzip ! « rief der Graf . » Der Mann gibt seiner Frau mit seinem Namen auch seine Ahnen . « » Jawohl , Papa , das ist Ihre Ansicht . « » Und so habe ich denn nichts gegen eine Verbindung deines Bruders mit dem kleinen Fräulein von Fehse einzuwenden « , fuhr der Graf fort , » es ist mir gleichgültig , daß ihre Mutter aus bürgerlichem Hause stammte . Der Adel ihres Vaters macht alles wieder gut . « O Gott , der arme Papa ! dachte die Baronin und ließ in stummer Bestürzung die Arbeit in ihren Schoß sinken . » Du kannst mit der Tante sprechen « , sagte der alte Herr in einem Tone , als ob er seiner Tochter die huldvollste Vergünstigung erwiese . » Heiraten einleiten ist Weibersache . Mein guter Ronald , obwohl rechtschaffen verliebt , tut den Mund nicht auf . Wenn man ihn sich selbst überläßt , findet er Mittel , sich die Sache am Ende gar noch auszureden . Lauter Vernunft , lauter Überlegung und kein Entschluß , das sind die Liebhaber von heute . Was meinst du , Thilde ? « fragte er etwas ungeduldig nach einer Pause , in welcher er vergeblich auf ein Wort der Zustimmung gewartet hatte . Die Baronin war - ein seltener Fall - ratlos und außer Fassung . Wie es kam , wußte sie nicht , aber es kam , es ging ihr plötzlich auf , deutlich und überzeugend : Der unpraktische Papa versteht diesmal seinen unpraktischen Sohn . Ronald hat die Torheit begangen , sich in die kleine rosige Fee zu verlieben . Thilde erklärte sich jetzt alles : seine erregte Antwort von vorhin , seinen leidenschaftlichen Händedruck . An eine Verbindung mit dem Fräulein Heißenstein hat er nie gedacht , er hat Rondsperg ohne jeden eigennützigen Vorbehalt verkauft . Die Baronin irrte sich , wie schon so oft , in ihm , indem sie meinte , das Vernünftige erscheine auch ihm einmal als das Selbstverständliche . Sie ist voll Unmut gegen ihn und doch - welch ein Wirrsal von Gefühlen in ihrer Brust ! - , doch auch wieder stolz auf diesen törichten Bruder mit seiner verwünschten Selbstlosigkeit , mit seiner Großmut , die an Tollheit grenzt . Das Abscheulichste ist das Klügste in gar vielen Fällen und wär ' s in diesem ganz gewiß . Wie hatte sie es ihrem edlen Ronald zutrauen können ? - Sie begreift sich nicht ! Sie fühlt sich beschämt über ihre Kurzsichtigkeit , sie ist entsetzt über den voreiligen Wink , den sie Regula gab . Diese denkt nichts andres , als Gräfin Rondsperg zu werden - das ist ausgemacht . Sie wird sich bitter rächen , wenn ihre Hoffnungen nicht in Erfüllung gehen , die kalte Kreatur , und sie kann es - Ronald ist in ihren Krallen . Die Baronin war eine zu starke Seele , um durch ihre Mienen zu verraten , was in ihr vorging . Ihr Vater las darin nichts von ihrer Angst und ihrer Bestürzung , aber gar ernst sah die Tochter aus , und ihr langes Schweigen verdroß ihn . In gereiztem Tone wiederholte er den letzten Satz seiner unbeantwortet gebliebenen Rede : » Was meinst du , Thilde ? « Sie erwiderte langsam und zögernd : » Ach - Papa - es ist schwer ... « Der alte Herr fuhr auf : » Was ist schwer ? - Einem Menschen ankündigen , daß man beabsichtigt , ihm eine Ehre zu erweisen ? ... Die Weinhändlerin hat sich wohl in ihren kühnsten Träumen nicht bis zu einer Verbindung