ihm den Rest eines solchen Weges erspart hatte , preisend , verschwand der blaugerockte Mann mit aller Münze , die Hans bei sich geführt hatte , im Nebel und Regen ; - Hans Unwirrsch aber stand am Rande des Abgrundes und hielt das Schreiben in zitternder Hand , und der Regen trommelte auf seinem Regenschirm . Es dauerte eine geraume Zeit , ehe er sich so weit gefaßt hatte , daß er das Siegel erbrechen konnte . Wenig mehr stand in dem Brief , als daß sich der Herr Kandidat am achten März , mittags um zwölf Uhr weniger fünfzehn Minuten - pünktlich und persönlich dem Geheimen Rat vorstellen möge ; aber auch dieses wenige genügte , um die schwerste Last der Ungewißheit von der Brust des armen Hans abzuwälzen . Tief aufatmete der Befreite , und dann setzte er seinen Weg fort ; er schwebte jetzt über den Dreck , und nach seiner Heimkehr verwendete er den Nachmittag dazu , seine Habseligkeiten zusammenzupacken . Gern überließ er seinem Nachfolger das Zimmer mit der schönen Aussicht auf den Schornstein und wünschte ihm von Herzen , daß er sich wohler darin fühlen möge , als er - Hans Unwirrsch - sich darin gefühlt hatte . Der Prinzipal freute sich , wie er sagte , herzlich über die gute Aussicht auf eine neue , angenehme Stellung , welche sich dem Herrn Kandidaten eröffne ; die Prinzipalin zeigte sich von ihrer liebenswürdigsten Seite ; die Schwägerin , die von allen Seiten liebenswürdigst war , fing an , für den abziehenden Präzeptor einen Geldbeutel in Seide und Perlen zu arbeiten , beglückte damit aber erst den folgenden jungen Pädagogen zum Heiligen Christ . Die Knaben nahmen von ihrem jetzigen Lehrer nicht ohne Rührung Abschied ; auf der Landstraße befand sich Hans Unwirrsch nun eher wieder , als er es sich vorgestellt hatte . Seinen Koffer hatte er zurückgelassen , nachdem der Buchhalter versprochen hatte , denselben später auf Order nach jedem beliebigen Ort zu spedieren ; mit einer leichten Reisetasche wanderte Hans aus , seinem weitern Schicksal entgegen . Ein leichter Frost hatte den Boden gefestigt ; man blieb nicht mehr darauf kleben , sondern schritt frei und elastisch darüber hin . Die Spatzen und Meisen saßen auch nicht mehr kümmerlich und kläglich in den Hecken ; lustig flogen sie umher , und die Sonne schien in den Nebel , der sich senkte , eine Reihe guter Tage versprechend . Da war der Fichtenwald mit seinem morgendlichen , aromatischen Duft , und der Kandidat nahm den Hut ab , als er in den heiligen Schatten trat , setzte ihn aber der Kühle wegen wieder auf . Da war der Stein am Wege , und auf dem Stein - auf dem Stein saß wahrhaftig was , das sich erhob , militärisch grüßte und im fröhlichen Baßton sprach : » Guten Morgen , Herr Kandidate ! « Ein Wunder mußte geschehen an diesem Morgen , Hans Unwirrsch hatte es bei jedem Schritt erwartet und vorgefühlt . Jetzt war es da und erschien zuletzt gar nicht einmal als ein Wunder , sondern als ein ganz natürlicher Vorgang . Der Leutnant Rudolf Götz wenigstens fand durchaus nichts Verwunderungswürdiges an diesem abermaligen Zusammentreffen an dieser Stelle . Der wackere Soldat hatte natürlich Kenntnis von dem Briefe seines Bruders , und da er sonst nichts Wichtiges zu tun hatte , machte er sich auf , den Präzeptor von Kohlenau abzuholen , um ihn an den Bestimmungsort abzuliefern . Diese Wendung gab er selber der Sache , und Hans nahm sie gläubig an ; der Gute ahnte ganz und gar nicht , daß der alte Krieger einen sehr bestimmten Zweck dabei hatte , grade diesen Präzeptor in das Haus seines Bruders zu bringen ; aber da wir teilweise diese Geschichte auch dieses Zweckes wegen erzählen , so wird es nicht nötig sein , daß man an dieser Stelle mehr davon erfahre als der Kandidat . Eine umsponnene Flasche , die Hans bereits kannte , reichte der Leutnant dem jungen Theologen zum Willkommen und zum Wahrzeichen , daß die Begegnung im Fleisch und in der Wirklichkeit vor sich gehe ; dann erkundigte er sich sehr teilnehmend nach dem Befinden des Jünglings , und dann schlug er vor , daß man weiterwandere . Nun wagte es Hans auch , sich nach dem Befinden der Nichte zu erkundigen , worauf der Alte mit Gebrumm meinte , daß es ihr leidlich gehe , daß es ihr aber noch viel besser gehen könne und daß man im Grunde in einer Lumpenwelt lebe . Der Kandidat dachte an den Oheim Grünebaum , der das letztere ebenfalls öfters mit demselben Worte , aber eigentlich ohne genügenden Grund verkündigte , und sah mit Mitgefühl auf das arme Pack , das ihm und seinem Reisegenossen begegnete . Wahrlich , manch eine zerlumpte Kreatur hielt den Präzeptor an und nahm Abschied von ihm , mit Tränen oder einem Kratzfuß - Hans Unwirrsch hatte eine große und nette Bekanntschaft in dieser schönen , flachen Gegend . Aber der Wald ging zu Ende , hinter dem Walde lag das Dorf Plackenhausen und in dem Dorf das Wirtshaus zum Schnabel , vor dessen Tür dem Leutnant schwach wurde und er einiger geistigen Anregung und eines Frühstücks bedurfte . Nachdem dasselbe eingenommen war und Hans auch von den Wirtsleuten einen gerührten Abschied genommen hatte , behauptete der Leutnant , daß ein Frühstück ihn stets am Marschieren hindere , und es fand sich vor der Tür ein Gefährt auf zwei Rädern , das von einem Roß gezogen wurde und in welchem zwei Herren behaglich nebeneinander sitzen konnten . In diesem Fuhrwerk setzten der Soldat und der Theologe ihre Fahrt bis zur Stadt * * fort , wo sie um Mittag anlangten . Dann führte sie die Eisenbahn weiter bis zur letzten Station vor der großen Allerweltsstadt , die von nun an der Aufenthaltsort Hans Unwirrschs sein sollte . Auf der letzten Station aber verließen die beiden Reisenden den Zug auf Wunsch des Leutnants , welcher behauptete