Entfernung durch die Ferngläser des Sternsehers Ulex betrachtet und beobachtet hatte . Allerlei Volk drängte sich in und aus dem Gemach ; eine kräftige geballte Faust streckte Robert einmal dem Freiherrn von Poppen entgegen , und er wich erst von seinem Wachtposten , als Juliane von Poppen sich durch das Getümmel drängte und ihr armes Herzenskind ans Herz schloß . Scheu zog sich Robert nun in einen Winkel zurück und starrte von dorther auf die alte Dame und das bleiche entsetzte Kind , bis das tapfere Freifräulein halb durch Bitten , halb durch Gewalt das Gemach räumte und so auch ihn wieder in die Gasse hinaustrieb . Eine lange Häuserreihe stand nunmehr im lichten Brande . Im hohen Erdgeschoß seines brennenden Hauses war der Bankier noch immer mit seinen Leuten und der Rettungsmannschaft in gefahrvollster Arbeit beschäftigt . Manch wichtiges Dokument , manch wertvolles Schriftstück ging verloren ; immer drohender ward die Gefahr ; einer der Helfenden nach dem andern verließ das Gebäude , in welchem man fast erstickte , wo die Haare in der Hitze sich kräuselten und wo die Kleider einen Brandgeruch von sich gaben . Zuletzt fand sich der Bankier nur noch mit einem kühnen Mann allein . Mit heldenmütiger Aufopferung half der alte Meister Tellering beim Aufbrechen der Schränke , bis er von einer niederstürzenden Decke getroffen und gefährlich verwundet wurde . Da trug der Bankier den Greis auf seinen breiten Schultern aus dem Gebäude und gab es verzweifelnd auf , noch mehr zu retten . Hinter den beiden stürzte das Haus in sich zusammen , und in der Gasse sank Ludwig Tellering mit wildem Angst- und Schmerzensruf neben seinem Vater nieder . Der bewußtlose Meister wurde auf einer Bahre in seine dunkle Hofwohnung zurückgetragen , begleitet und unterstützt von manchen versengten , rauchgeschwärzten Handwerksgenossen . Dicht ihm zu Häupten schritten der Polizeischreiber Fiebiger und der Sohn . An der ersten Straßenecke traf der traurige Zug auf den Wagen , zu welchem das Freifräulein von Poppen soeben Helene Wienand führte . Juliane beugte sich über den Verwundeten und winkte dem Sanitätsrat Pfingsten , an dessen Arm Helene hing . Auch der Arzt ging mit der Bahre , um sogleich Hülfe zu leisten . Der Bankier war nicht von der Brandstätte wegzubringen ; er saß auf einem Stein- und Trümmerhaufen und blickte stier in das Glutmeer , dessen feurige Wogen über dem großen Buche zusammenschlugen , auf welches er in der letzten Zeit so oft so triumphierend seine Hand gelegt hatte . Aus dem Geprassel der Flammen klang es ihm wie höhnisches Lachen ins Ohr ; seine Lippen zitterten , seine Zähne schlugen aneinander ; ein Augenblick hatte den Mann um viele Jahre älter gemacht . Die markige Gestalt war zusammengesunken ; zu plötzlich war für diese berechnende Stirn das Unglück gekommen ; der Bankier Wienand auf dem Trümmerhaufen lächelte wie kindisch , er fing an , an den Fingern zu zählen , und summte eintönig das Einmaleins vor sich hin . Freunde und Bekannte drängten sich teilnehmend , tröstend um ihn her ; aber vergeblich waren alle Anstrengungen , den Unglücklichen vom Platze zu bringen . Auf alle Bitten und Vorstellungen schüttelte er verwirrt lächelnd den Kopf und wies auf die Flammen . Herr Leon von Poppen sah aus einiger Entfernung fast ebenso verwirrt auf ihn , schüttelte ebenfalls den Kopf und schlich mit matt niederhängenden Armen und höchst unkomfortablen Gedanken der mütterlichen Wohnung zu . Robert Wolf sah Helene Wienand mit dem Freifräulein in den Wagen steigen , welcher sie nach der Wohnung der alten Dame führen sollte . Über ihm war der Himmel noch immer mit blutigem Schein übergossen , obgleich man jetzt allmählich des Feuers Herr ward . Um ihn her wirbelte die aufgeregte Bevölkerung der großen Stadt . Der Jüngling war wieder einmal wie bezaubert , wie berauscht . Er hatte ein ähnliches Gefühl wie an jenem Abend , wo er verwundet auf dem Straßenpflaster lag - ebenso schmerzhaft , ebenso selig . Minutenlang blickte er dem davonrollenden Wagen nach ; als er schon längst verschwunden war , stand er immer noch in solcher Verzückung da . Dann eilte er hinter dem traurigen Zuge her , welchem das Gerücht unheilverkündend voranlief , um die bis dahin so glückliche Hofwohnung von Nummer zwölf der Musikantengasse mit namenlosem Entsetzen und hellem Jammer zu erfüllen . Von seinem Giebel aus hatte der greise Sternseher bewegt und doch ruhig in das wogende Flammenmeer , welches immer gewaltiger und dräuender gegen seine Höhe heranraste , herabgeschaut ; er wich weder der Hitze noch dem Qualm ; all das hohe Mauerwerk , über welches er sich so oft geärgert hatte , sah er zusammenstürzen , und nach jedem donnernden Gekrach schlug die Feuersäule um so wilder himmelan . » Stein wälzen sie auf Stein « , sagte der Alte , » den Pelion auf den Ossa . Bis an die Sterne glauben sie ihre Burgen , ihr Glück auftürmen zu können . Was für Elend und Sorgen , für Blut und Schweiß sie mit vermauern ! Wie sie sich quälen und ängsten ! Sie bauen im Wachen , sie bauen im Traum - tausendarmiges Gigantengeschlecht ! Immer höher , immer höher . Gut wissen sie Richtmaß und Zirkel zu gebrauchen , darin liegt ihre Sicherheit , darauf sind sie stolz - arme Toren ! Den Flügelschlag der unsichtbaren Verderber fürchten sie nicht , den Flügelschlag , der im Vorbeistreifen die Paläste der Könige , die Häuser der Vornehmen , die höchsten Türme und höchsten Schornsteine niederwirft . O meine Sterne , mit ihrem Mauerwerk werden sie euch nicht erreichen ; die Geister , welche zwischen Himmel und Erde wandeln , dulden es nicht ! « Bis zum grauenden Morgen stand der Greis an seinem Fenster ; eine weite schwarze , rauchende Brandstätte fand der neue Tag . Viele Seufzer und Wehrufe irrten um den düstern Fleck im großen Häusermeer . Viel müde Köpfe , viel elende Herzen , viel stumpfsinniges Ächzen und Brüten , viel laute wilde Flüche