nickte langsam und griff nach seinem Kaffee . » Es ist gut , Cäsar . « Der Schwarze verließ das Zimmer und Helmstedt wollte sich wieder seiner Beschäftigung zuwenden , aber er konnte seine Gedanken nicht festhalten . Schon Tags vorher hatte ihm Cäsar einen ähnlichen Bericht wie den heutigen gebracht , dem er nur wenig Wichtigkeit beigelegt hatte - heute indessen fiel ihm die wiederholte Meldung mit ihren Details auf . War es nur ein vorübergehendes körperliches Leiden , oder lag die Ursache von Paulinens krankhafter Stimmung tiefer - konnte nicht , bei ihrem jungen warmen Herzen ein Gefühl für irgend eine dritte Persönlichkeit in ihr leben , dem sie in ihrer abgeschlossenen Stellung nicht genug thun konnte und das zugleich die Ursache ihrer Schroffheit gegen ihn selbst und seine freundlichen Anerbietungen war ? Helmstedt fühlte , wie ihm der Gedanke das Blut zum Herzen trieb ; er erhob sich und durchschritt einige Male langsam das Zimmer ; bald hatte er wol seine innere Haltung wieder gewonnen , aber mit dem Interesse an seinem Studium war es für den Augenblick vorbei . Eine erfrischende Luft wehte ihm aus dem offenen Fenster entgegen und er beschloß , einen Gang durch die Stadt zu machen , um sich andere Gedanken zu holen und dann mit neuer Lust an seine Arbeit zurückzukehren . Er kleidete sich an und wanderte dann langsam die Hauptstraße des Städtchens hinab , wo bereits Weiße und Schwarze in lebhaftem Marktverkehr sich durcheinander trieben . » Es ist ein Brief für Sie da , Mr. Helmstedt - schon seit zwei Tagen ! « hörte er eine Stimme neben sich und sah aufschauend in das Gesicht des Postmeisters , welcher indessen das Postamt nur als eine Unterabtheilung seines Stores führte , vor dessen Thür er eben jetzt auf- und ab spazierte . » Für mich , Sir ? « fragte der junge Mann zweifelnd . » Wenigstens steht Ihr Name darauf , treten Sie ein , Sir , zehn Cents Porto ! « Helmstedt empfing ein dickgefülltes Couvert , auf welchem seine Adresse mit voller Genauigkeit verzeichnet stand , zahlte das Porto und verließ den Store . Er besah die sonderbar aussehende Zuschrift und schüttelte den Kopf ; von wem konnte er wol einen Brief zu erwarten haben , wer bekümmerte sich in dem großen Amerika um ihn ? Das Postzeichen war so undeutlich aufgedruckt , daß es nicht zu erkennen war , und es machte ihm Vergnügen , sich in zehnerlei verschiedenen Vermuthungen zu ergehen , ehe er den Umschlag öffnete . Eine Anzahl Bogen , mit einer Schrift bedeckt , von welcher jeder Buchstabe reichlich einen halben Zoll maß , fiel in seine Hände ; trotz der Größe der Worte war es aber , wie es Helmstedt bei dem ersten Blick auf die Orthographie derselben scheinen wollte , eine nicht unbedeutende Arbeit , ihren Sinn zu ergründen . Er wandte die Bogen , um nach der Unterschrift zu sehen , hatte aber Mühe , das rechte Ende des Schreibens zu finden , bis seine Augen endlich auf den mit riesigen Buchstaben geschriebenen Namen : » Karl Meiners , genannt Dutch Charley , « fielen . Ein heiteres Lächeln ging über Helmstedt ' s Gesicht , er wandte sich quer über den Weg nach dem Globe-Hotel und setzte sich dort im Warte-Zimmer nieder , um in Ruhe den Inhalt des erhaltenen Schreibens zu entziffern . Eine kurze Zeit lang schien ihn das Studium der verschiedenen Worte zu belustigen ; bald aber wurde sein Blick gespannter , hastiger , und mit zusammengezogenen Augenbrauen arbeitete er sich durch die Hindernisse , welche sich dem Verständniß des Sinnes entgegenstellten , bis er endlich zu Ende gelangt , die Hand aufs Papier legte und , wie vollkommen überwältigt von dem Gelesenen , vor sich ins Zimmer starrte . Was er herausbuchstabirt hatte , lautete : » Lieber Mr. Helmstedt ! Ich habe Ihnen schon vor mehreren Tagen schreiben wollen , ich habe aber meinen Trouble mit dem Ben gehabt , welcher der Mary noch immer nachstellt und ausgefunden hat , wo sie sich im Lande aufhält . Sie haben es mit angesehen , wie ich ihn das erste Mal habe ablaufen lassen ; weil ich aber nicht immer bei ihr sein kann , so habe ich sie nach einem sichern Orte bringen müssen . Sie ist eigentlich nur meine Landsmännin , aber ich habe auch ehrliche Absichten auf sie und sie ist damit zufrieden . Jetzt aber das Andere . Sie haben mir damals in New-York gesagt , daß Ihr Mündel um sein Erbe komme , weil sie ihn haben todt aus dem North-River gezogen . Den sie aber aus dem Wasser gebogen haben , war nur eine todte Leiche , die ich selber habe helfen vom Kirchhofe holen , und ich hätte Ihnen schon damals gesagt , wie die Sache steht , wenn ich bestimmt gewußt hätte , ob Ihre Geschichte auch wirklich die war , von der ich wußte . Jetzt weiß ich aber Alles : Bill und Ben haben mit dem Gelde , was sie bekommen haben , ein lustiges Leben geführt und haben mir im Rausche erzählt , um was ich sie gefragt habe . Also ist die Sache so : Der Graf , wie sie ihn nennen , und weiter weiß ich von ihm nichts , hat den jungen Verwandten vom Pfandleiher Meier , der wol Ihr Mündel sein muß , aus der Law-Office , wo er gearbeitet hat , weggelockt und gesagt , ein alter Onkel von ihm liege todtkrank in Philadelphia und wollte ihn noch einmal sehen , er müsse auf der Stelle mit ihm gehen , bei Meier ' s wüßten sie schon um Alles , hat ihn unterwegs in einem Kleiderladen vom Hemde bis zum Rocke neue Kleider anziehen lassen , damit er auf der Reise anständig aussehe , und hat ihn durch den Bill richtig nach Philadelphia in ein Versteck bringen lassen . Während der Zeit haben sie hier in New-York eine