Nürnberger Bürgern trennen - schien doch der Senat ihn schon zu grollen , weil er nur die Fürsten und nicht die Abgesandten der Städte geladen : - es war eine Zurücksetzung , die gerade den Bürgerstolz am tiefsten verwundete . Auch in Elisabeth lebte der gleiche Stolz , der sich dagegen empörte . Wie oft sie auch die angenehmen Tage zurückgewünscht hatte , an denen König Max in Nürnberg weilte und ihr die ritterlichsten Aufmerksamkeiten widmete - tausendmal lieber wollte sie ihn nie wiedersehen , als wiedersehen und von ihm übersehen werden . Sie war immer stärker ein Unglück zu ertragen als eine Demüthigung , welche sie dem spöttischen Lächeln ihrer Feindinnen und Neiderinnen preisgab . Die Sorgen des Reichstages mußten jetzt auf dem König lasten und noch schlimmere . Zwar hatte er seine Erblande wieder , aber er hatte doch den weiteren Eroberungszug nach Ungarn aufgeben müssen . Schlimmere Sorgen aber waren in seinen eigenen Familienangelegenheiten erwachsen . Nicht nur der Zwist zwischen dem Vater und dem Schwager - Härteres hatte Max persönlich betroffen . Er hatte sich inzwischen um die Hand der Herzogin Anna von Bretagne beworben , und während er in Ungarn beschäftigt war , hatte er sich mit ihr durch Procuration - der Prinz von Oranien war sein Stellvertreter - zu Rennes trauen lassen . Aber am französischen Hofe ließ man sich durch diesen Schein der Ehevollziehung nicht abhalten , an Verhinderung des Unglücks zu denken , das durch Gründung eines fremden Fürstenhauses im Herzen der Monarchie herbeigeführt werden mußte , und faßte deshalb den Plan , Anna mit König Karl von Frankreich selbst zu verheirathen , obwohl dieser schon seit seiner Kindheit mit Maximilian ' s Tochter , Margaretha von Burgund , verlobt war . Karl wußte Anna endlich zu vermögen , um ihr Land und ihr kleines deutsches Hülfsheer zu retten , sich ihm zu ergeben und am 6. November 1491 den Heirathsvertrag mit ihm zu unterzeichnen . Im December erfolgte die päpstliche Lösung ihrer Verbindung mit Max . So erscholl eben jetzt durch ganz Europa das Volksgeschrei , der König von Frankreich habe dem römischen Könige seine Gemahlin entführt und seine Tochter verstoßen . Maximilian ' s Aufbrausen bei der Nachricht von der ihm zugefügten Beschimpfung kannte keine Grenzen , und da seitdem erst nur kurze Zeit verflossen war , so konnte man wohl denken , wie er nicht empfänglich sein würde für harmlose heitere Festlichkeit wie in früherer Zeit , und vielleicht noch weniger für Gründung des Liebesglückes Anderer , da es ihm eben selbst auf so schmähliche Weise versagt war . Und wenn er wiederkam - würde er sein Wort halten und in Scheurl ' s Hause Wohnung machen ? Geschah es nicht , so fand Elisabeth schon darin eine Zurücksetzung - und geschah es , so erwachten jetzt schon die Sorgen der Hausfrau in ihr , den hohen Gast auch würdig und glänzend genug zu empfangen . Die beiden Freundinnen wurden im Gespräch über diese Angelegenheiten unterbrochen , als ihre stickenden Genossinnen erschienen : Elisabeth ' s Schwester Margaretha , Beatrix Imhof , Crescentia Rieter , Charitas und Clara Pirkheimer und andere Jungfrauen aus den rathsfähigen Geschlechtern , denn nur solche hatte Elisabeth zu der Arbeit berufen . Alle eilten die unterbrochene Arbeit neu zu beginnen . Mit den Schwestern Pirkheimer pflegte Elisabeth den Umgang am liebsten , Ursula ausgenommen . Sie waren beide von dem regsten Eifer für wissenschaftliche Studien sowohl als frommes Wirken beseelt , so daß man sie bald die gelehrten , bald die frommen Schwestern nannte . Zu jeder Arbeit waren sie bereit und tüchtig und für jedes Streben begeistert , das sich über die gewöhnlichen Lebenssphären erhob . Ihre Bildung war eine außerordentliche und besonders durch das früher gemeinschaftliche Lernen mit ihrem Bruder Willibald geförderte . Jetzt , wo er fern war und inzwischen auch ihre Mutter gestorben , hatte ihr Sinn sich dadurch immer mehr von den lauten Freuden der Welt abgewendet , ihren stillen Studien und einem beschaulichen Leben zu . Jetzt waren sie auch die Eifrigsten bei der Stickerei der Gobelins , ja sie hatten es sich nicht nehmen lassen , beide allein die Figur des Auferstandenen zu sticken , darin eine besondere Befriedigung findend . War nun auch die schöne Elisabeth weltlicheren Sinnes als die beiden , von der Natur gerade nicht mit körperlichen Vorzügen ausgestatteten Schwestern , so erkannte sie doch ganz deren innern Werth und ehrte ihre frommen Lebensanschauungen , wenn sie auch selbst sich zu freieren emporgeschwungen . Es war immer ein klarer Friede um diese Beiden , der ihr wohl that und den sie ihnen um so mehr beneiden konnte , als ihre unruhig bewegte Seele nur den Schein desselben zu behaupten suchte . Sie fragte jetzt die Schwestern nach ihrem Bruder Willibald , von dem sie wußte , daß er Ritterdienste bei dem Bischof von Eichstädt , eines der Häupter des schwäbischen Bundes , genommen . » Zu unserer Freude , « sagte Charitas , » wird er bald das Schwert mit der Feder vertauschen , um in Italien die unterbrochenen Studien fortzusetzen . Im rohen Kriegerhandwerk können es wohl Andere ihm gleich thun , aber mit seinem freien Geiste und seiner umfassenden Bildung paßt er besser in die stille Werkstatt der Gelehrten und wird seiner Vaterstadt und dem Reiche bessere Dienste leisten können , als mit dem Schwert . Kommt der Bischof von Eichstädt zum Reichstage her , so wird er ihn begleiten und kurz bei uns verweilen , ehe er auf lange Zeit nach Italien geht . « » Ihr wißt es also auch schon von dem Reichstag ? « fragte Ursula gespannt . » Mein Vater sagte es diesen Mittag , « antwortete Clara . Auch Crescentia Rieter mit Margaretha Behaim , die jüngste in diesem Verein , stimmte dieser Nachricht bescheiden bei . Draußen ließen sich eben Männerschritte vernehmen - Elisabeth hoffte , es werde ihr Gemahl sein , der nun auch die aufregende Kunde empfangen , und komme sie mitzutheilen -