, so ein lieb Weible gesehen ? Juchhe , juchhe ! « Und wo Einer am Wege ging , an dem man vorbei fuhr , faßte Johannes Amrei an , und rief : » Schau , schau , das ist mein Weible ! « bis ihn Amrei dringend bat , das zu lassen , er aber sagte : » Ich weiß mir vor Freude nicht zu helfen . Ich könnte es der ganzen Welt zurufen , daß Alles mit mir jubelt , und ich weiß gar nicht , wie können die Menschen da nur noch zu Acker fahren und Holz spalten und Alles , und wissen nicht , wie selig ich bin . « Amrei sah eine arme Frau am Wege gehen , knüpfte schnell ein Paar ihrer so sehr geliebten Schuhe ab , und warf sie der Armen hin , die den Davoneilenden staunend nachsah und dankte . Es berührte Amrei wie eine selige Empfindung , daß sie zum Erstenmal in ihrem Leben eine Werthsache , die sie selber noch wohl brauchen konnte , verschenkt hatte . Anfangs , als sie es so rasch weggegeben und darüber nachsann , dachte sie vor Allem nur daran , und das kam noch oft wieder , wie viel eigentlich die Schuhe werth gewesen seien ; das Besitzthum wollte sich nicht leicht ablösen von ihr , sie hatte es zu fest in Gedanken besessen , und sie dachte gar nicht mehr daran , wie viel sie eigentlich an der schwarzen Marann ' gethan - daß sie die Schuhe hergegeben , erschien ihr als ihre erste Wohlthat , und die Empfindung derselben beglückte sie gewiß noch mehr als die Empfängerin ; sie lächelte immer vor sich hin , sie hatte ein geheimes Geschenk in der Seele , das ihr Herz in Freuden hüpfen machte , und als sie Johannes fragte : » Was hast denn ? Warum lachst denn immer so wie ein Kind im Schlaf ? « sagte sie : » O Gott , es ist ja auch Alles wie ein Traum . Ich kann jetzt herschenken . Ich gehe in Gedanken noch jetzt immer mit der Frau , und weiß wie sie sich freut . « » Das ist brav , daß du gern schenkst . « » O was will denn das heißen : im Glück herschenken , das ist wie wenn ein volles Glas überfließt : ich bin so voll , ich möcht ' gern Alles herschenken , ich möcht ' auch wie du gern alle Menschen anrufen . Ich meine , ich könnte sie alle speisen und tränken . Ich meine , ich säße an einer langen Hochzeittafel ganz allein mit dir , und ich bin so voll , ich kann gar nichts essen , ich bin satt . « » Ja , ja , das ist gut , « sagte Johannes . » Aber schenke keine von deinen Schuhen mehr weg . Wenn ich sie ansehe , denk ' ich an die vielen schönen guten Jahre , die drin stecken , da kannst du viele schöne Jahre herumlaufen , bis sie zerrissen sind . « » Wie kommst du jetzt darauf ? Wieviel hundertmal hab ' ich das gedacht , wenn ich die Schuhe angesehen hab ' . Aber jetzt erzähl ' mir auch von deinem Daheim , sonst schwätz ' ich immer von mir . Erzähl ' . « Das that Johannes gern , und während er erzählte und Amrei mit weit offenen Augen zuhörte , tanzte mitten durch Alles in ihrem Geist immer ein glückseliges Bild neben her , das war die Arme am Wege in den geschenkten neuen Schuhen . Nachdem Johannes die Menschen daheim geschildert , rühmte er vor Allem das Vieh und sagte : » Das ist Alles so wohlgenährt und gesund und rund , daß kein Tropfen Wasser drauf stehen bleibt . « » Mir will ' s gar nicht in den Sinn « , sagte Amrei , » daß ich auf Einmal so reich sein soll . Wenn ich bedenke , daß ich selber so viel eigene Felder und Kühe und Mehl und Schmalz und Obst und Kisten und Kasten haben soll , da mein ' ich , ich hätte bisher mein Lebenlang geschlafen , und wäre jetzt auf Einmal aufgewacht . Nein , nein , das ist nicht so . Mir kommt es schrecklich vor , daß ich auf Einmal für so Vieles verantwortlich sein soll . Gelt , deine Mutter hilft mir noch ? Sie ist ja noch gut bei der Hand . Ich weiß gar nicht , wie man ' s macht , daß ich nicht Alles an die Armen verschenke ; aber nein , das geht nicht , es ist ja nicht mein . Ich hab ' s ja auch nur geschenkt . « » Almosengeben armet nicht ! ist ein Sprüchwort meiner Mutter , « erwiderte Johannes . Es läßt sich nicht sagen , mit welchem Jubel die beiden Liebenden dahinfuhren . Jedes Wort machte sie glücklich . Als Amrei fragte : » Habt ihr auch Schwalben am Haus ? « und Johannes dies bejahte mit dem Beisatze , daß sie auch ein Storchennest hätten , da war Amrei ganz glücklich , und ahmte das Storchengeschnatter nach , und schilderte gar lustig , wie der Storch mit ernsthaftem Gesicht auf einem Bein stehe und von oben herunter in sein Haus schaue . War es eine Verabredung , oder war es die innere Macht des Augenblicks ? Sie sprachen nichts davon , wie nun die eigentliche Auffahrt und das Eintreten in ' s elterliche Haus vor sich gehen sollte , bis sie gegen Abend in den Amtsbezirk kamen , in dem Zusmarshofen lag . Erst jetzt , als Johannes schon einigen Leuten begegnete , die ihn kannten , ihn grüßten , und ihn verwundert anschauten , erklärte er Amrei , daß er sich zweierlei ausgedacht habe , wie man die Sache am besten anfange . Entweder wolle er Amrei zu seiner Schwester bringen , die hier abseits