Aber im abgelegenen Sittertal blieb ' s nimmer lang ' still ; die Hunnen fanden den Weg zu uns : das war ein Schwärmen und Pfeifen und Grunzen , wie ' s der Tannwald noch nie gehört . Unsere Mauern waren fest und unser Mut stark , doch hungrige Männer werden des Velagertseins unlustig , vorgestern war unser Vorrat aufgezehrt ; wie es dunkelte , sahen wir die Rauchsäule aufsteigen vom Brand unseres Klosters ; da brachen wir nächtlicherweile durch den Feind , der Herr war mit uns und bahnte den Weg , unsere Schwerter halfen auch dazu : so sind wir zu Euch gekommen ... « Der Abt neigte sich gegen Frau Hadwig - » ... heimatlos und verwaist wie Vögel , in deren Nest der Blitz geschlagen , und bringen Euch nichts mit als die Kunde , daß der Hunne , den Gott vernichten möge , uns auf den Fersen nachfolgt ... « » Je eher er kommt , je besser ! « sprach der Reichenauer Abt trotzig und hob seinen Becher . » Sieg den tapfern Waffen der Streiter Gottes ! « sprach die Herzogin und stieß mit ihnen an . » Und Rache für den braven Romeias ! « sagte Praxedis leise mit Tränen im Aug ' , wie der dürre Fridinger sein Glas an das ihrige klingen ließ . Es war spät geworden . Wilder Gesang und Kriegslärm erschallte noch im untern Saal . Der junge Bruder , der von Mutina in Welschland nach der Reichenau gekommen war , hatte sein Wächterlied wieder angestimmt . Die Gelegenheit zu ernster Tat sollte nicht lange mehr auf sich warten lassen . Fußnoten A1 Hufen Landes . A2 Unverwundbar machendes Hemd , von reinen Jungfrauen in der Christnacht unter besonderen Förmlichkeiten gesponnen . A3 Bezeichnung für große Lastschiffe auf Bodensee und Rhein ( gewöhnlich Lädine , Einzahl Lädi zu laden ) . A4 Nisus und Euryalus , durch hingebende Freundestreue ausgezeichnet , ziehen sich , nachdem sie im Lager der Feinde Heldentaten verrichtet haben , zurück ( » Äneis « , Buch 9 , Vers 366 ) ; später wird Nisus von den Reitern des Volscens getötet ; Volscens erliegt dem rächenden Schwert des selbst tödlich verwundeten Euryalus . Dreizehntes Kapitel . Heribald und seine Gäste . Auf der Insel Reichenau war ' s still und öde , nachdem des Klosters Insassen abgezogen . Der blödsinnige Heribald war Herr und Meister des Eilands . Er gefiel sich in seiner Einsamkeit . Stundenlang saß er am Seeufer und warf flache Kieselsteine über die Wellen , daß sie drauf tanzten . Wenn sie gleich anfangs untersanken , schalt er sie . Mit den Hühnern im Hof pflog er manchen Zwiespruch , er fütterte sie pünktlich . » Wenn ihr brav seid « , sprach er einmal , » und wenn die Brüder nicht heimkommen , so wird euch Heribald eine Predigt halten . « Im Kloster trieb er allerhand Kurzweil - an einem Tag der Einsamkeit lassen sich gar mancherlei nützliche Gedanken aushecken - der Camerarius hatte ihn geärgert , daß er ihm sein Leder zum Schuhwerk geweigert , da ging Heribald auf des Camerarius Zelle , seinen großen steinernen Wasserkrug schlug er in Trümmer , die drei Blumentöpfe desgleichen und trennte den Strohsack auf des Camerarius Nachtlager entzwei und füllte ihn mit den Scherben . Dann versuchte er , wie sich darauf liege : der harte Inhalt war scharf zu verspüren - da lächelte er zufrieden und ging in des Abt Wazmann Gemächer . Auch dem Abte war er gram , dieweil er ihm manche Züchtigung zu verdanken hatte , aber es war alles wohl aufgeräumt und in Verschluß getan , da blieb ihm nichts übrig , als dem gepolsterten Lehnstuhl einen Fuß abzuschlagen . Er fügte ihn wieder künstlich an , als wäre nichts geschehen . » Das wird anmutig mit ihm zusammenbrechen , wenn er heimkommt und sich bequemlich niederlassen will . Den Leib sollst du züchtigen , sagt der heilige Benedikt . Aber Heribald hat den Stuhlfuß nicht abgeschlagen , das haben die Hunnen getan ... « Gebet , Andacht und Psalmensingen verrichtete er , wie des Ordens Regel gebot . Die sieben Tageszeiten hielt der Einsame ängstlich ein , als möcht ' er gestraft werden ob deren Versäumnis , auch zur Vigilie stieg er nach Mitternacht hinunter in die Klosterkirche . Zur Zeit , als seine Mitbrüder auf der Herzogsburg mit den Sankt Gallischen zechten , stand Heribald im Chor ; unheimlich Grauen der Nacht lag über der Halle , düster flackerte die ewige Lampe : er aber stimmte unverdrossen und mit Heller Stimme den Eingangsvers an : » Herr , neige dich zu meinem Beistand ! Herr , eile heran zu meiner Hilfe ! « und sang den dritten Psalm , den einst David gesungen , da er floh vor Absalom , seinem Sohn . Wie er an die Stelle kam , wo Übung des Psallierens gemäß die Antiphonie ertönen sollte , hielt er nach alter Gewohnheit an und wartete des Gegengesangs , aber es blieb ruhig und stumm ; da fuhr er mit der Hand nach der Stirn . » Ja so « , sprach der Blödsinnige , » sie sind fort und Heribald ist allein ... « Jetzt wollte er auch noch den vierundneunzigsten Psalm singen , wie es die Vorschrift nächtlichen Horadienstes erheischte , da erlosch die ewige Lampe , eine Fledermaus war drüber hingestreift . Draußen Regen und Sturm . Schwere Tropfen fielen auf das Dach der Kirche und schlugen an die Fenster , da ward ' s ihm unheimlich zu Mut : » Heiliger Benedikt « , rief er , » nimm ein gnädig Einsehen , daß Heribald nicht schuld ist , wenn die Antiphonie ungesungen blieb . « Er schritt in der Dunkelheit aus dem Chor ; ein schriller Wind pfiff durch ein Fensterlein der Krypta unter dem Hochaltar , ein heulender Ton kam heraus . Wie Heribald vorwärts ging , faßte ein Luftzug sein Gewand : »