am Hofe wieder erzählt . Merkt Ihr , dumme Liesen , denn nicht , wie er ganz anders mit der Mamsell Kriegsräthin sich unterhält , wenn die hier ist ? Die weiß ihm zu antworten , daß er oft nicht weiß , was er sagen soll , so frappirt ' s ihn . Und das sage ich Euch , wenn sie heut zur Chokolade kommt , daß Ihr Euch nicht wieder das Maul verbrennt , Du vor allem , Karline . So ein Trampelthier merkt auch gar nicht , wie ich ihr neulich auf den Fuß trat . Denn sie ist zu ganz was anderm , weil sie ein feines sittsames Mädchen ist , und ' s noch weit mehr werden wird , und Ihr könntet mal froh sein , wenn Ihr ihr die Schuhbänder zumachen dürft . Aber Mädchen , was hast Du Dir wieder die Schuhe schief getreten ! Bei dem Dinge hilft doch auch keine Vernunft . Und wie breit der Fuß wird , das kommt davon , wie Du beim Tanzen ranzest . Die Jülli hat noch ein ganz schmales Füßchen ; aber die hält auch auf Anstand . Und das neue Kleid , zu Weihnachten erst hast Du ' s gekriegt , und wie sieht ' s schon wieder aus , daß Gott erbarm ! « » Ma chère tante , wann krieg ' ich das bombasin Kleid ? « » Ei was , lass ' Dir ' s von den Herren schenken . « » Die Herren sind nicht so generös . « » Wenn sie Dich so mit den Beinen schlenkern sehen unter dem Stuhl , und so rekeln mit dem Ellenbogen über die Lehne , da sollen sie sich wohl Wunder was vorstellen , was Ihr seid . Zu meiner Zeit , sag ' ich , kerzengrad saßen sie auf dem Stuhl , und so schlugen sie die Augen nieder , wenn ein Herr zu ihnen sprach , aber da verstanden sie auch zu bitten , und da waren die Herren auch generös . « » Man soll die Herren nicht rupfen . Das haben ma chère tante immer gesagt . Na nu , ist ' s nu nicht wahr ? « » Sie unverschämtes Geschöpf ! Was das für Reden sind in meinen Apartements ! Wenn ' s Ihr nicht mehr gefällt , werd ' ich Ihr ' nen Stuhl vor die Thür setzen . Dann mag Sie sehen , wo ' s Ihr besser gefällt . Denn überhaupt soll ' s anders werden bei mir . Ja , ja , meine Damen , das merken Sie sich , ich will keine Pension , wo das pöbelhafte Wesen nicht rausgeht . Ein Wort kostet mich ' s , und Sie wird nach Spandow zurückgeschafft , Mamsell Karline , da , wo ich Sie herholte , auf den Kietz . Wird ' s Ihr besser gefallen , barfuß im Kahn und Plötzen schuppen , oder Winters beim Kienspahn Netze flicken ? Ihre Finger sahen ja aus , mit Respekt zu sagen , wie Pfoten , roth und geborsten , und hab ' ich das für meine Mühe , daß ich sie mit Mandelöl und Kleie weich kriegte und in Handschuhen schlafen ließ ! Sag ' ich doch , wer Dank säet , der wird Undank ernten . « Es klingelte , der Chokoladengast stand im Zimmer . Ein Livreebedienter , der die verfeinerte Haushaltung der Frau Obristin seit einigen Tagen repräsentirte , hatte Adelheid abgeholt . » Nein , sage ich doch , nicht wie ein Fräulein , wie eine Prinzessin . Und mit jedem Tag , möcht ' ich sagen , gewachsen ! « » Das kommt nur vom langen Kleide , « lächelte Adelheid , und war mit raschem , sicherm Schritt , nach einer flüchtigen Begrüßung der Tante , zu den Nichten geeilt , die sie mit der natürlichsten und zuvorkommendsten Herzlichkeit küsste . Sie schalt und bedauerte , daß sie gar nicht zu ihr kämen ; die Nichten waren verlegen . War ' s der scharfe Blick der Tante , war ' s die überwiegende Erscheinung des in der Fülle ihrer Schönheit strahlenden Mädchens . Aber der Strahl aus dem klaren Auge goß in die getrübten der unglücklichen Geschöpfe von seinem Licht . Sie fühlten sich in einer andern Atmosphäre , die etwas von ihrem heilenden Balsam auch auf sie träufelte . Die Obristin hielt es für gut , allein das Wort zu führen . Ihre Lippen flossen über vom Lobe der braven Eltern , die wohl mehr zu thun hätten , als solchen Besuch zu empfangen . Sie wisse wohl , was der Herr Kriegsrath und die Frau Kriegsräthin für die Erziehung ihrer Tochter thäten , und da wäre es ja ausverschämt , sich aufdrängen wollen . Aber um so mehr schätze sie es und rechne die Ehre sich an , daß sie ihrem Lieblingskinde erlaubt , sich ein Stündchen in ihrem schlichten Hause zu gefallen . Sie wäre nun eigentlich in rechter Verlegenheit , worüber mit einer solchen feinen Dame sprechen , die so viel schon wisse , und noch viel mehr von solchen Lehrern lernen würde . Adelheid war ihrerseits aber gar nicht mehr in Verlegenheit . Sie , was man nennt » kappte « die Obristin durch kurze natürliche Antworten , und schon vor der Chokolade war das Gespräch im lebendigsten Gange , denn es betraf das neue , feine Kleid , das der Vater ihr geschenkt und die größte Aufmerksamkeit der Nichten erregte . Das Zeug , der Laden , wo es gekauft , der Kaufmann , seine Waren , Preise , es ward alles ausführlich behandelt , die Krone der Verwunderung aber blieb , daß Adelheid und ihre Mutter es selbst zugeschnitten und genäht , » und sitzt wie angegossen , « rief die Tante , » nu seht , wenn Ihr das könntet ! Und Mamsell Kriegsräthin thut ' s nur zum Plaisir . Denn ihr Herr Vater würde ihr ja