einiger Entfernung . Führe die Laura , sagte dieser , in die Schmiede unten ! Das Thier hat Etwas . Es quihnt . Die Rackerei mit schlechten Reitern schadet einem guten Pferd . Es wird selbst ängstlich , wenn Einer auf ihm Angst hat . Der Schmied soll der Laura Rhabarber geben . Aber mit dem Alten sprich - Mit dem Blinden ? Mit Dem ! Der Blinde ist pfiffiger als der Junge , der taub ist . Jack , zwar ärgerlich , daß er nicht in die Küche konnte , wo Melanie ' s Mädchen , Jeannette , die Manieren ihrer Herrin nachahmte und unter der Dienerschaft ebenso belebend und animirend wirkte , wie Melanie in ihrem Kreise , wandte sich jedoch gleich wieder um , sklavisch ergeben , stieg wieder den Schloßberg abwärts und wollte die Laura in die Schmiede bringen . Läßst die Laura keine Minute aus dem Auge ! rief ihm Lasally noch nach . Wie Jack ging , wandte sich Lasally an Bartusch , der gerade vorüber wollte : Wissen Sie , wen ich im Wald gesehen habe , Bartusch ? Eine alte Hexe , hör ' ich ja . Lieber den Teufel selbst , sagte Eugen - Hackert hab ' ich gesehen . Ach ! meinte Bartusch mehr komisch als ernst verwundert ; was denken Sie ? Ich gebe Ihnen mein Wort ! Nehmen Sie ' s mit der Canaille nicht so leicht ! Wie käme Hackert ... Ich will beschwören , daß auf einem kleinen Einspänner Hackert saß und als er uns bemerkte , ins Dickicht sprang .... Daß dich - ! Aber was wäre dabei zu fürchten ? Zu fürchten ? Seit dem Abend ... seit dem Vorfall hinterm Zaune ... in der Königsvorstadt ... Es war auch arg genug , Herr Lasally ! Arg ? Ich begreife Euch nicht ! Ihr schont diesen Menschen . Schonen , Herr Lasally ? ... Es kommt mir vor , als hätte Schlurck Angst vor ihm .... Herr Lasally ! Ihr werft den Schlingel aus dem Hause und habt eine Zärtlichkeit für ihn .... Zärtlichkeit ? Er muß Euch in Händen haben .... Uns ? In Händen ? Weil ihm Schlurck Vertrauen schenkte ? So etwas . Alle denkt Ihr an den Burschen , und Keiner spricht von ihm . Ihr haßt ihn und gebt ihm täglich Beweise von Liebe . Dahinter steckt ein Geheimniß ... ich bin nur zu stolz , auf Dienstboten zu hören . Dienstboten , Herr Lasally - ? Sagen Sie der Jeannette , sie möchte , wenn sie Abends Punsch macht , unter den Bedienten , Kutschern und Jockeys nicht soviel in Euren Familiengeheimnissen kramen .... Die Jeannette ? Ich sag ' Ihnen soviel , Bartusch , wenn mir Hackert hier in Hohenberg in den Weg kommt ... ich kenne mich selbst nicht . Es ist mir , als wäre Das mein böser Feind . Ich bin im Stande und schieß ' einmal den Hund nieder . Herr Stallmeister ! Warum schonen Sie ihn ? Warum dulden Sie , daß er zudringlich ist ? Was ist er ? Was kann er wollen ? Was kann er für Ansprüche haben ? Ansprüche ? Sieh ! Sieh ! Hat die Jeannette etwas von Ansprüchen gesagt ? Ich weiß nichts , was die Jeannette gesagt hat und habe meinen Leuten verboten , bis in die Nacht um die Punschterrine des tollen Mädchens zu sitzen und abscheuliche Indiscretionen anzuhören . Wirklich die Jeannette ? Lasally antwortete nicht und ließ den erschrockenen grauen Actenwurm , Herrn Bartusch , mit der Dose in der Hand , die er ergriffen hatte , um sich zu fassen , stehen .... Lasally verfiel sogleich wieder in die ihm eigene blasirte Ruhe . Seine Mienen verzogen sich nie , sein blasser , etwas gelber Teint blieb bei der größten Aufregung fast unverändert . Um elegantere Toilette zu machen , ging er auf das ihm angewiesene Zimmer , das von denen Melanie ' s und ihrer Mutter entlegener war , als er wünschte . Melanie ' s Mutter saß schon oben vor dem Theetopf und erwartete ihre Gäste . Man konnte die Frau Justizräthin Schlurck nicht im geringsten ehrwürdig nennen , würde aber auch sehr Unrecht thun , wollte man einen gewissen Werth an ihr unterschätzen . Im Gegentheil besaß die Frau des philosophischen Epikuräers Franz Schlurck höchst merkwürdige , höchst anerkennenswerthe Eigenschaften . Ohne eigentliche Bildung hatte sich die gewandte kleine Frau einen seltenen Reichthum von Erfahrungen erworben und eine gesunde natürliche Anlage zur Lenkerin aller ihrer oft treffenden Urtheile gemacht . Ohne ein besonderes religiöses Bedürfniß war sie mitleidig , gab gern , unterstützte Hülflose . Noch mehr , sie erkundigte sich nach den Ursachen der Leiden und half ihnen gern radikal ab . Wer Geld haben wollte , Dem gab sie Lebensmittel , und wer Lebensmittel begehrte , dem gab sie zugleich Arbeit . Eine Wöchnerin in elenden Umständen erregte ihre ganze Theilnahme ; doch bediente sie sich dabei keiner Phrase , sondern griff zu , handelte , wirkte , riß die Fenster auf , wo es dunstig war , schalt , strafte , wo sie eigene Vernachlässigung bemerkte . Kinder , die bettelten , schickte sie in die Schule oder zeigte sie ohne Weiteres der Polizei an . Halbes und » Quengeliges « , wie sie ' s nannte , konnte sie nicht leiden . Überwiegend setzte sie bei den Menschen , wie sie sagte , » leider « , das Schlechte voraus . Gute und aufopfernde Thaten mußten ihr erst bewiesen werden , bis sie daran glaubte . In ihrem Hause herrschte neben merkwürdiger Ordnung doch eine sehr große Üppigkeit , weniger weil sie selbst ihrer bedürftig war , als aus Rücksicht auf ihren Mann und Melanie , das besonders von diesem verwöhnte , aber keineswegs » verquengelte « einzige Schooßkind ihres Glückes . Denn glücklich schien Alles um sie her zu sein . Sie duldete wenigstens keinen andern Anschein . Gute Laune ging ihr über