diesem . Er zitterte fast , als er diese sanfte Stimme wieder hörte , welche er Wochen lang nicht mehr , nur in seinen Träumen gehört hatte . » Sie sprechen so sanft zu mir , « rief er erschüttert , » nicht wahr , Sie zürnen mir nicht , wenn ich - « » Wenn Sie eine Zeit lang Ihres Versprechens uneingedenk sein konnten , das Sie mir gaben , als ich nicht lange hierher gekommen war , oder daß Sie denken konnten , ich möge mein Wort nicht mehr halten - weiter habe ich Ihnen Nichts zu vergeben . Ich weiß - aber erst seit heute - Alles - daß man Sie über mich getäuscht und hintergangen hat - aber ich versichere Ihnen , daß ich an unserm damaligen Versprechen , daß Sie mich von jeder augenblicklichen Noth unsrer Fabrikarbeiter , welcher abzuhelfen möglich ist , unterrichten sollten , und daß ich dann Alles thun würde , was ich vermöge - gar Nichts geändert wissen will , und daß wir ihm treu bleiben wollen , nur - mit mehr Vorsicht als bisher , da es Leute geben kann , welchen es nicht recht ist , daß ich die Wunden verbinde , welche sie erst geschlagen . « Franz schwieg . » Ich ehre ihr Schweigen , « fuhr sie fort . » Sie wissen , daß Diejenigen , welche mir nahe stehen , die Ursache sind , welche uns verhindern sollte , unser Versprechen zu halten , und Sie mögen deshalb keine Klagen wider sie erheben - ich ehre das , denn Vorurtheile sind gewiß auf beiden Seiten , und diejenigen , in welchen ein Mensch erzogen ist , leben mit ihm fort und beherrschen ihn , so daß er von einem andern Standpunkt aus ungerecht erscheint , wo er auf dem , welchen er nun einmal einnimmt , von Gerechtigkeit reden kann . Ich aber bin in den Lehren Ihres Bruders erzogen , welchem ich in der Stunde , wo er von mir Abschied nahm , gelobte - ich weiß es noch wörtlich wie einen Eid , den er mir abnahm , er sagte : Versprechen Sie mir , wenn nicht die Schwester , doch die Freundin der Armen und Niedriggeborenen zu sein und niemals die Regungen des Mitgefühls ersticken zu lassen , weil Sie vielleicht gewaltsam daran gewöhnt werden , das Elend um sich zu sehen , weil Sie vielleicht eines Tages sich sagen müssen : was ich thun kann , um die Noth zu verringern , ist nur ein Tropfen , den ich hinwegschöpfe von der Fluth des Unglücks , die Alles überschwemmt . « » Ach , in diesen Worten erkenn ' ich meinen Bruder . « » Die Zeit ist schon da , wo ich mir das sagen muß , « fuhr sie fort , » aber niemals wird die Zeit kommen , wo ich diesen Schwur brechen werde . « » Ja , « rief er begeistert , aber mit Thränen , » wenn mehr Herzen schlügen wie das Ihre , wenn mehr Augen wie die Ihrigen sähen , Augen , welche , wenn sie gleich von Kindheit auf an den Glanz des Goldes und die bunten Flitter des Reichthums gewöhnt , doch nicht davon geblendet sind , wie die jener Tausend , welche dann das , was außer dem Bereich ihrer eigenen Lebensverhältnisse liegt , nicht blos unter lauter falschen Lichtern , grauen Nebeln und düstern Spinnengeweben , sondern so wie es wirklich ist gewahrten . Wenn Diejenigen , welche zufällig unter seidnen Betthimmeln geboren wurden , nicht das gleiche Bruderbild verleugnen wollten , weil es vielleicht auf elendem Stroh zur Welt kam - wenn sie nicht fortgesetzt die edle Menschengestalt verhöhnen wollten , weil die Lumpen sie nur schlecht bedecken und die Verwilderung des Elendes sie häßlich macht - vielleicht würde es anders , vielleicht könnte noch Alles gut werden . Der Arme verlangt ja so Wenig ! Nur einen kurzen heitern Frühling für sein Kind , wo es nicht zu friern und zu hungern braucht , wo es lernen darf , wie man ein Mensch wird ! Aber hier diese Kinder ! Sie werden zu niedrer Thierheit herabgedrückt , und wie die heilige Wassertaufe den Teufel austreiben soll aus den Kindern - so ist es hier umgekehrt ! Der Engel , der das Kind in ' s Leben begleitet , wird mit Gewalt aus der reinen Seele des Kindes gejagt , und in der heißen Hölle , wo die Dampfmaschinen arbeiten , zu denen man es schickt , da kommen all ' die finstern Teufel zu ihnen , welche Alle quälen , die zu ewiger Erniedrigung , zu ewiger Stumpfheit im Leben verdammt sind . - - Und wenn dann diese Kinder , welchen man kaum ein Wort von Christus gelehrt hat , auf dessen Namen sie doch getauft sind - wenn sie dann Männer werden - Männer , welche eine gleich abstumpfende Arbeit verrichten , wenn sie auch mehr Kraft dazu brauchen , als bei der , zu welcher sie als Kinder gezwungen waren , dann verachtet man sie , weil sie fluchen und trinken und rohe Worte haben und endlich vielleicht gar einmal auf den Gedanken kommen , blinde Rache zu üben an ihren Peinigern - was dann ? Ich gehöre selbst zu diesem ausgestoßenen Geschlecht , und doch graut mir vor ihm , denn ich kenne es ! Ach , daß es mehr gerechte Menschen gäbe , welche sich des Armen erbarmten ! Nicht ihren Reichthum , nicht ihre Schätze brauchten sie ihm zu geben - aber nur nicht ihn für immer auch des Reichthums , des innern Lebens zu entblößen , das entehrende Brandmahl ewiger Unfähigkeit ihm aufzudrücken ! Es könnte gut werden , wenn man die Kinder zu guten Menschen erzöge , statt zu blöden Sklaven - es ist ja der Vortheil Aller , daß überall gute Pflanzen getrieben und erbaut werden . - Niemand zieht ein Beet Unkraut in seinem Garten - wenn