zehn bis auf einen , so verblieb , über den Graben und liefen ihrer Straßen . Solches sahe aber Dn . Consul nit alsobald , welcher mit Eim ehrsamen Gericht hinter uns fuhr , als er dem Büttel zurief : was solches bedeute ? und der Büttel rief über den Amtshaubtmann , so ein wenig vorauf war , aber alsobald umbkehrete , und nachdem er die Ursache erfahren , denen Kerls nachschriee , daß er sie alle wölle an den ersten besten Baum anhenken lassen , und mit ihrem Fleisch seine Falken füttern , wenn sie nit alsobald umkehreten . Solches half abereins und als sie wieder kamen , gab er einem Jeglichen an die sechs Schmisse mit seiner Reitpeitschen , worauf sie verblieben , doch so weit von dem Wagen sich hielten , als sie für den Graben kunnten . Hierzwischen aber kam das Unwetter von Süden näher mit Donner , Blitze , Hagel und Sturmwind , als wenn der gerechte Gott seinen Zorn offenbaren wöllte über die ruchlosen Mörder und schlug die Wipfel derer hohen Buchen umb uns zusammen , wie Besen , also daß unser Wagen ganz mit Blättern wie mit Hagel bedecket war und Niemand vor dem Rumor sein eigen Wort hören kunnte . Solches geschahe gerade , als wir von dem Klosterdamm in die Heiden hinabfuhren . Und ritt der Amtshaubtmann jetzunder hinter uns bei dem Wagen auf welchem Dn . Consul saß . Doch als wir alsbald über die Brücke wollten vor der Wassermühlen , faßte uns der Sturmwind , so vom Achterwater aus einer Lucken herüberblies also , daß wir vermeineten , er würde unsern Wagen in den Abgrund stoßen , so wohl an die 30 Fuß tief war und drüber . Und da gleicherweise die Pferde thäten als gingen sie auf Glatteis und nicht , stehen kunnten , hielt der Gutscher stille , umb erst das Wetter fürüber gehen zu lassen , welches aber der Amtshaubtmann nit alsobald gewahr wurde , als er herbeigesprenget kam und dem Gutscher befahl alsogleich weiter zu fahren . Selbiger hauete also die Pferde an , aber sie spartelten7 , daß es absonderlich anzusehen war , wannenhero auch unsere Wächter mit den Forken zurückblieben , und mein Töchterlein für Angst einen lauten Schrei that . Und waren wir gerade so weit kommen , wo das große Rad unter uns lief , als der Gutscher mit dem Pferde stürzete , und selbiges sich einen Fuß zubrach . Jetzo sprang der Büttel vom Wagen , stürzete aber auch alsobald auf den glatten Boden , item der Gutscher , nachdem er sich aufgerichtet , fiel er alsbald wieder nieder . Dannenhero gab der Amtshaubtmann seinem Schimmel fluchend die Sporen , welcher aber auch anhub zu sparteln wie unsere Pferde gethan . Doch kam er damit gegen uns gespartelt , ohne daß er gestürzet wäre , und dieweil er sahe , daß das Pferd mit dem zubrochenen Fuß sich immer wieder aufrichten wollte , aber alsobald wieder auf dem glatten Boden zusammenschoß , brüllete und winkete er , daß die Kerls mit den Forken kommen möchten , und die Mähre ausspannen , item den Wagen hinüberschieben , damit er nicht in den Abgrund gerissen würde . Hierzwischen aber kam ein langer Blitzstrahl für uns in das Wasser niedergefahren , welchem ein Donner also plötzlich und greulich folgete daß die ganze Brücke erbebete , und den Amtshaubtmann sein Pferd ( unsere Pferde wurden aber stille ) einige Schritte zurückprallete , worauf es den Boden verlohr , und mit dem Amtshaubtmann kopfüber auf das große Mühlenrad hinunter schoß , daß sich ein ungeheuer Geschrei von allen Menschen erhub , so hinter uns an der Brücken stunden . Und war eine Zeitlang vor dem weißen Schaum Nichtes zu sehen , bis den Amtshaubtmann seine Beine mit dem Rad in die Höhe kamen , und hierauf auch der Rumpf , aber der Kopf steckete zwischen den Schaufeln des Rades , und also lief er , erschröcklich anzusehen mit selbigem immer rundum . Seinem Schimmel aber fehlete nichts , sondern schwamm selbiger hinten im Mühlenteich . Als ich solches sahe , ergriff ich die Hand meines Lämmeleins und rief : siehstu Maria unser Herr Gott lebet noch , und fähret annoch heute auf dem Cherub , und fliegt daher und schwebt auf den Fittigen des Windes und will unsere Feinde zustoßen wie Staub vor dem Winde , und will sie wegräumen wie den Roth auf den Gassen8 . Da schaue nieder was der allmächtige Gott gethan . Als sie hierauf ihre Augen seufzend gen Himmel erhub , hörten wir Dn . Consulem so laut hinter uns schreien , als er kunnte ; da aber Niemand nicht für den grausamen Wetter und Tumult des Gewässers ihn verstunde , sprung er von dem Wagen und wollte zu Fuß über die Brücke gehen fiel aber gleichfalls auf seine Nase , also daß sie blutete , und er nunmehro auf Händen und Füßen wieder zurücke kroch , und alsbald ein groß Wort mit Dn . Camerario hatte , welcher sich aber nicht auf dem Wagen rührete . Hierzwischen hatten schon der Büttel und der Gutscher das verwundete Pferd ausgespannet , gebunden und von der Brücken geschleift , kamen dahero wieder zum Wagen , und befohlen uns von selbigem zu steigen , und zu Fuß über die Brücke zu gehen , welches auch geschahe , inmaßen der Büttel mit vielem Fluchen und Schimpfen mein Töchterlein ablösete , auch dräuete sie nachgehends für ihre Bosheit bis auf den späten Abend zu braten . ( Konnte es ihme nicht so sehr verdenken , denn es war fürwahr ein seltsam Ding ! ) Aber obwohl sie selbsten gut hinüberkam , fielen wir beide , Ehre Martinus und ich , wie alle Anderen doch auch an die drei Malen zu Boden , bis wir endlich durch Gottes Gnade vor dem Müllerhause wohlbehalten angelangeten , allwo der Büttel dem Müller bei Leibes Leben mein Töchterlein übergab und an den Mühlenteich niederrannte , umb den Amtshaubtmann seinen