wenn wir ein Familienfest mit ihnen gefeiert haben . Wir sind nicht fremd in dem Kreise , wo wir einmal theilnehmend gelächelt oder geweint . « » Und ich werde Ihnen bald folgen , mein Fräulein , und Ihnen Briefe und Nachricht von den Ihren bringen , « sagte Mario ; » denn ich bin sehr entschlossen , etwas so Frohes , wie eine Hochzeit , nicht bei den Meinen ohne mich vorübergehen zu lassen . « » Etwas so Frohes ? « fragte Faustine ; aber Mario hörte es nicht , weil Herr von Stein ganz vergnügt sprach : » Es freut mich recht , Herr Graf , daß Ihnen eine Hochzeit wie eine Fröhlichkeit vorkommt . Sonst war es Mode , daß es lustig und hoch dabei herging . Es gab Feste und Schmausereien Tage , ja Wochen lang . Zum Hochzeitstage selbst gebrauchte man einen ganzen Tag , wie sich das gehört , damit aller Putz , alle Ehren , alle Lustbarkeit , aller Scherz sein Recht bekomme , und nicht ein Ehrentag mit zwei oder drei kümmerlichen Stunden abgefertigt werde , wie es jetzt wol geschieht , wo man sich am Morgen oder am Abend trauen läßt , einen Bonbon ißt , in den Wagen steigt und in die weite Welt fährt . « » Das gefällt mir doch sehr gut , lieber Herr von Stein , « sagte Faustine . » Ja , meine gnädige Gräfin , das glaub ' ich gern ! die schöne junge Frau ist wol am liebsten mit dem Gemahl allein . Aber du grundgütiger Gott ! sie werden beide noch so lange beisammen sein , daß es sehr gut ist , wenn sie in der ersten Zeit ein wenig gestört werden , damit sie nicht nach drei Monaten einander überdrüssig sind . Und dann die Uebrigen ! warum sollen die leer dabei ausgehen ? an einer Hochzeit nimmt die ganze Welt Theil , mit Fug und Recht , denn zwei Menschen , die losbändig in ihr umherirrten , erbauen sich plötzlich ein Hüttchen und schmücken die Welt mit Menschen und mit Glück . Das ist für jedermann wichtig . Drum erhielten sonst alle Hochzeitsgäste ein Stückchen vom Strumpfband der Braut zum Andenken . Freilich jetzt sind die Leute gewaltig steif geworden . Der harmlose Scherz macht ihnen keinen Spaß mehr , und sie zucken die Achseln über den veralteten , plumpen Gebrauch , worin doch wahrhaftig Andacht war . So unterstützt denn jetzt die Gleichgültigkeit der Uebrigen den Wunsch des Liebespaars , und die wichtigste Angelegenheit des Lebens wird mit einer ganz unstatthaften Heimlichkeit vollzogen , als ob man sich ihrer schäme . Hätte meine Cunigunde geheirathet « - Der Blick der Tochter begegnete bittend dem seinigen , darum fügte er hinzu : » Aber sie will nicht ! Es ist kurios , daß heutzutage , wo ein Bräutigam rarer ist als ein Nordlicht , gerade mein Mädchen keinen will . Nun , wir wollen nicht weiter davon reden . Es wird ja wol Alles am Besten sein , wie der liebe Gott es fügt . « Der Tag ging recht gut hin . Mengen war fast immer da . Cunigunde schöpfte Zuversicht aus seinen Worten . Feldern kam in der Absicht , ihr Lebewohl zu sagen ; doch er kehrte im Vorzimmer wieder um . Ihm war , als spiele er in der Scene nur eine Nebenrolle . Am nächsten Morgen wollte Cunigunde reisen , es war Alles für sie in Bereitschaft gesetzt . Sie nahm einen kurzen , heftigen Abschied von Faustine ; sie wollte nicht weich werden , vielleicht ihres Vaters wegen . Der alte Mann erbat sich Faustinens Erlaubniß , sie zuweilen besuchen und mit ihr von Cunigunden reden zu dürfen . Diese sagte zu Mario auf Faustine deutend : » Sie bringen mir also bald Nachricht von meinem Liebesengel ! « - dann ging sie mit Herrn von Stein in einen Gasthof , und am andern Morgen , als die Sonne aufging , waren Vater und Tochter schon getrennt , und Cunigunde ging gefaßt ihrer Bestimmung entgegen . » Und Sie gehen nun auch ? « fragte Faustine niedergeschlagen Mengen ; » ich werde recht einsam sein . Wenn doch Clemens lieber ginge statt Ihrer . « » Ich komme bald wieder , « sagte Mario ; » meine Eltern wünschen es , wollen mich sehen - « » Das begreife ich ! wenn wir uns aber nur wiedersehen . « » Warum sollten wir nicht ? wir sind jung . « » O , das ist kein Grund ! im Gegentheil , junge Menschen werden häufiger getrennt , als alte . « - Faustine blieb so niedergeschlagen , daß auch Mario davon angesteckt wurde , und wenigstens an dem Abend in keine leichtere Stimmung kam . Doch gerade dieser mächtige , unleugbare Einfluß Faustinens bestimmte ihn , eine Entscheidung herbeizuführen . Gehöre ich ihr so ganz an , sprach er zu sich selbst , so werde sie denn auch mein eigen ! und was fürchte ich denn ? sie ist ja frei , ich bin es ! aber wird sie wollen ? sie muß wollen , wenn sie mich liebt .... Wenn ! - o verdammter Zweifel , den nur der Kopf ausbrütet , und das Herz nicht hegt ! « - Acht Tage vergingen bis zu Mengens Abreise , und Faustine blieb in einer Nebelwolke von Traurigkeit . In der Region der Gefühle ist dieser Zustand der unbehaglichste , weil er keinen Kampf zuläßt , weil man warten muß , bis Sonne oder Wind den Nebel zerstreuen ; und oft der gefährlichste , weil man mit umdämmerten Blicken häufig bis an den Rand des Abgrunds tappt , zuweilen in ihn hinabstürzt . » Wie kann er gehen ! « dachte Faustine ; » sieht er , fühlt er nicht , wie nothwendig er mir ist ? nothwendig , wie die frische Luft , wie der Frühling ! - Ach , der Frühling kommt