abgeblüht , so viel Früchte gereift , jetzt wo das Laub abfällt , da bereitet sich der Geist vor auf frische Triebe im nächsten Lebenskreislauf , und da magst du ganz recht ahnen . « - Ach Günderode , ich will auch erst wieder ein Kind werden , eh ich sterb , ich will einen Kreis bilden , nicht wie Du willst , recht früh sterben , nein , das will ich nicht , wo ist ' s schöner als auf der schönen Erde , und dann als Kind , wo ' s am schönsten ist , wieder hinüber , wo die Sonne untergeht . Die Großmama erzählte auch noch eine schöne Geschichte , die ich Dir hierherschreiben will , weil ich sie nicht gern vergessen möchte , von dem Vater des Stadion , der habe einen Löwen gehabt , der sei zahm gewesen , der habe nachts an seinem Bett geschlafen , da sei er eines Morgens aufgewacht , weil ihn der Löwe gar hart an der Hand leckte , da war er von seiner rauhen Zunge bis aufs Blut geleckt , und dem Löwen hat das Blut sehr gut geschmeckt , der Stadion hat sich nicht getraut , die Hand zurückzuziehen und hat mit der andern Hand nach einer geladnen Pistole gegriffen , die am Bett hing , und dem Löwen vor dem Kopf abgedrückt . - Und als die Leut auf den Lärm hereingedrungen waren zu ihrem Herrn , da hat der Stadion über dem toten Löwen gelegen und ihn umhalst und ihn ganz starr angesehn , und hat einen großen Schrei getan : » Ich hab meinen besten Freund gemordet « , und da hat er sich mehrere Tage in sein Zimmer eingeschlossen , weil es ihn so sehr gekränkt hatte . - Ach , ich hätte dies Tier lieber nicht umgebracht und hätt auf seine Großmut gebaut , ob der Löwe mich gefressen hätt , ich glaub ' s noch nicht , und mir wär lieber gewesen , die Geschicht wär nicht so ausgegangen . - Sie erzählte noch manches von ihm , was seine große Gegenwart des Geistes bewies , und sprach so weise über diese große Eigenschaft , daß ich ganz versunken war im Zuhören ; sie sagte , daß die Menschen als lang sich abmühen , was Genie sei , sie kenne kein größeres Genie als in dieser Macht über sich selber , und daß die endlich über alles sich ausbreite , da man alles beherrschen könne , wenn man sich selber nicht mit Zaum und Gebiß durchgehe , » wie du , kleines Mädele « , sagte sie zu mir , » so steil hinansprengst mit den Füßen wie mit dem Geist und der Großmama Schwindel machst « ; - und wenn je große Herrscher gewesen , so wären sie durch diese Geisteskraft allein hervorgebildet worden , die sie in einem früheren Leben genötigt waren zu üben . - Die Großmama glaubt , die Seele , das Wesen des Menschen gehe aus einem Geistessamen in ein ander Leben über , dieser Same sei , was er während einem Leben in sich reife und dann sich durch allmähliche Erkenntnis , durch geübtere Fähigkeiten immer in höhere Sphären erzeuge . Dann erzählte sie mir von dem Ahnherrn unseres Großvaters , der im Dreißigjährigen Krieg sei auf dem Schlachtfeld gefunden , bei Duttlingen , wo die Franzosen eine große Niederlage erlitten , als Fahnenjunker die Fahne um den Leib gewickelt , und die Stange durch Brust und Leib gestoßen und eingehauen , und sein Bruder auch tot über ihm gelegen , der hat die Fahne schützen wollen und mit seinem Leben bezahlt ; sie waren in französischen Diensten , das hat der große Condé gesehen und gesagt : ferme comme une roche , da sie sonst Frank von Frankenstein geheißen , so haben sie jetzt sich genannt Laroche , weil der König der Witwe seines Bruders , der auch in jenem Gefecht geblieben , ein Landgut im Elsaß geschenkt hat und ihnen drei Fahnen zu dem Fels ins Wappen gegeben , über diese letzte Geschichte hab ich meine eignen Betrachtungen angestellt , eine so einfache und doch so große Handlung hab ich mir im Geist dargelegt , er war Fahnenjunker , dieser Ahne von mir , und haben eine unsterbliche Tat getan , beide Brüder , indem sie die Fahne , zu der sie geschworen , treu verteidigten , und ließen ihr Leben dafür , da der Junker die Fahne sich um den Leib gebogen und so den Tod fand , so schützte sie sein Bruder , der Wachtmeister war , noch im Tod mit seinem Leib , und retteten dem Heer die Fahne des Condé , daß sie nicht als Siegeszeichen in die Hände des kaiserlichen Tilly komme , obschon sie von Geburt Deutsche waren . - Ein Schwur muß doch Erwecker einer großen Kraft im Menschen sein , und die gewaltiger ist wie das irdische Leben . - Ich glaub , alles was gewaltiger ist wie das irdische Leben , macht den Geist unsterblich . - Ein Schwur ist wohl eine Verpflichtung , eine Gelobung , das Zeitliche ans Geistige , ans Unsterbliche zu setzen - da hab ich ' s gefunden , was ich mein , was der innerste Kern unserer schwebenden Religion sein müßt . - Ein jeder muß ein inneres Heiligtum haben , dem er schwört , und wie jener Fahnenjunker sich als Opfer in ihm unsterblich machen - denn Unsterblichkeit muß das Ziel sein , nicht der Himmel , den mag ich denken , wie ich will , so macht er mir Langeweile , und seine Herrlichkeit und Genuß lockt mich nicht , denn die wird man satt , aber Aufopferung und Not , die wird man nicht müde . - Und im Glück , im Genuß wird der Mensch nicht wachsen , in dem will er immer stille stehen . Und was ist denn das wahre , das einzige Fünklein Glück , was von dem großen Götterherd