den Abend mit den Pferden nach Hause geritten . Nun , da es so ist , laß dir ' s gefallen und nimm hier vorlieb , sagte der Fürst . Du kannst doch nicht die zwei Stunden zu Fuß nach Hause gehen . - Was sollte mein Vater beginnen ? So unlieb es ihm war , er mußte bleiben . Bei Tafel , als es ziemlich lärmend zu werden anfing , warf einer die Frage hin , ob er morgen mit zur Jagd komme ? Ohne seine Antwort abzuwarten , rief ein anderer : Nein , er darf nicht , seine Frau hat es ihm streng verboten . - Ist es wahr , fragte der Fürst laut über die ganze Tafel hin , daß dir deine Frau befohlen hat , kein Gewehr mehr abzudrücken ? Wenn dem so ist , und du gehorchst , so bist du ja ein wahrer Mustermann für Stadt und Land . Ein schallendes Gelächter folgte diesen Worten , obgleich darin nicht viel Lachenswertes steckte . Mein Vater ärgerte sich , nahm sich aber zusammen und versetzte , daß dem nicht so sei ; wie man denken könne , daß seine Frau ihm so etwas befehlen werde ? und dergleichen mehr , was ein jeder in seiner Lage und in einer so wilden Gesellschaft entgegnet haben würde . - Topp ! rief der Fürst , das ist recht , so hilfst du uns also morgen Sankt Hubert Devotion erzeigen - und als mein Vater sich mit einer Reise , mit Besuch , mit Unpäßlichkeit entschuldigen wollte - Oho ! die Frau Gemahlin steckt doch dahinter ! Nun , der Sache müssen wir auf den Grund kommen ! Erinnert mich das nächste Mal , wo ich mit der Gestrengen zusammentreffe , daß ich ernstlich danach bei ihr anfrage . In diesem Augenblicke faßte mein Vater seinen Entschluß . Er hielt es für nötig , der Mutter einen ärgerlichen Auftritt , wie er von des Fürsten Derbheit immer zu besorgen stand , zu ersparen , und sagte daher : Damit jedermänniglich sehe , daß an all dem Argwohn nichts sei , so werde ich die Jagd morgen mitmachen . Ein Beifallsklatschen erscholl , unter Getöse wurde die Tafel aufgehoben ; der Fürst rief mit etwas schwerer Zunge : Bist du aber morgen nicht um sechs Uhr am Versammlungsplatze , so holen wir alle dich in corpore aus den Federn . - Mein Vater nahm kurz und trocken seinen Urlaub , fuhr den lügnerischen Lakaien , der draußen im Vorgemache ihn verschmitzt lächelnd befragte , ob er nun die Pferde befehle ? barsch an , und ging die Treppe hinunter über den Hof selbst nach dem Stalle , wo er den Reitknecht mit den Pferden fand , der sich keinen Augenblick vom Jagdschlosse entfernt hatte . Hieraus ersah nun mein Vater , daß das Ganze ein angelegter Plan gewesen sei . Beim Heimreiten überlegte er den seinigen . Sich von dem gegebenen Worte zurückzuziehen , war unmöglich , denn dann hätte er wirklich am nächsten Morgen den ganzen Schwarm vor dem Hause gehabt zu Ängsten und Schrecken der Mutter . Er beschloß daher die Jagd wirklich mitzumachen , jedoch sobald als nur möglich sich zu entfernen , und um sein Absein eine Zeitlang vor den übrigen zu verbergen , seinen guten Freund , den Oberjägermeister , dessen finsteres Gesicht Mißbilligung der getriebenen Scherze ausgedrückt hatte , zu ersuchen , daß ihm der entfernteste Stand angewiesen werde , von dem er bei günstiger Gelegenheit entkommen zu können hoffte . Um aber für die Zukunft dem Fürsten und der ganzen Gesellschaft Respekt einzuflößen , sollten tags darauf schriftliche Erklärungen an die ärgsten Schreier des Jagdschlosses abgehen , welche diese entweder einstecken , oder worauf sie zu Pistolen greifen mußten . Zu Hause zog er einen alten verschwiegenen Diener in sein Vertrauen , ließ die prächtige Jagduniform , in welcher jeder Kavalier bei den großen Hofjagden erscheinen mußte , heimlich aus dem Schranke nehmen , und verspürte , wie er selbst lange Jahre nachher , wenn diese Geschichte wieder auf das Tapet kam , zu erzählen pflegte , trotz seines Mißmuts ein geheimes Behagen , als er das grüne , schimmernde Collet mit den blitzenden Knöpfen , der goldenen , reichen Stickerei , den Achselschnüren , den schweren Epauletts aus dem umgelegten Seidenpapier , und das prächtige Couteau mit glänzenden Steinen am Griff aus dem Futteral hervorkommen sah , nachdem er so lange den Anblick dieser Gegenstände entbehrt hatte . Meiner Mutter sagte er irgendeinen gleichgültigen Grund , weswegen er den folgenden Tag über von Hause entfernt sein werde . Es gelang ihm , sie zu täuschen ; sie legte sich ruhig an seiner Seite schlafen . In der Nacht aber hatte sie den früheren ängstlichen Traum , auf dessen Einzelheiten sie sich seither im Wachen nicht zu besinnen vermocht hatte . Sie sah meinen Vater sich vom Lager erheben , einen Blick der Bekümmernis auf sie , die Schlafende , werfen , leise auf den Zehen aus dem Zimmer schleichen . Der Traum führte sie hierauf nach der Garderobe . Dort legte mein Vater Stück vor Stück die prächtige grüne Uniform an . Sie konnte sich nicht satt an ihm sehen , er kam ihr gar zu schön vor , und doch beschwor sie ihn inständigst und mit der äußersten Herzensangst , von seinem Vorhaben abzustehen . Er ließ sich aber nicht hindern , schnallte das Couteau um , und in dem Augenblicke wieherte ein Pferd . Nun zerbrach blitzschnell das bisherige Traumgesicht , und mit Entsetzen sah sie meinen Vater blutigen Hauptes unten im Hofe auf dem Pflaster liegen . Ehe sie noch sich zu ihm helfend hinbeugen konnte , wieherte das Pferd , welches sie wunderbarerweise nicht sah , zum zweiten Male , und - sie erwachte , wie es ihr vorkam , von einem wirklichen Pferdewiehern aus den Schrecknissen des Traumes geweckt . Schlaftrunken tastete sie umher , um des Vaters Wange sich zur Beruhigung zu streicheln ,