, ma chère soeur , so sehen wir uns doch noch einmal wieder , und zwar führen uns die Musen selbst zusammen . Aber , Liebe , wie ich auch in der Littérature dramatique bewandert zu sein glaube , von diesem Götz eines gewissen Herrn von Berlichingen habe ich noch niemals etwas vernommen . « » Er ist mir auch ganz unbekannt « , antwortete die Mutter , » und ich habe mich auch jetzt nicht weiter um die Sache bekümmert , weil mir alles neu bleiben soll , und ich mich gern überraschen lasse . « » Da es keine Tragédie ist « , sagte die Äbtissin , » so hast du nicht ganz unrecht , ma soeur . « » Die Berlichingen « , fing der Reichsgraf an , » sind eigentlich , soviel ich weiß , ein fränkisches Geschlecht . Es sind aber auch Berlichingen im östereichischen Dienst . Vielleicht rührt also das Gedicht von einem jungen Wiener Poeten her . « » Sie haben recht , Graf « , fiel die Äbtissin bei ; » ein anderer österreichischer Cavalier , der zwar jetzt nicht mehr jung sein kann , gab uns ja damals den Postzug oder die noblen Passionen . Der große Friedrich von Preußen erklärt diese Produktion für das beste deutsche Theaterstück . Dieses Urteil machte dazumal dem Cavalier , dem Herrn von Ayrenhof , sehr viele Ehre . « » Gnädige Tante « , antwortete Elsheim , » das Stück selbst heißt : Götz von Berlichingen , und Goethe ist der Verfasser desselben . « » Dank , mon neveu « , erwiderte sie ; » nun orientieren Sie mich einigermaßen . Ah ciel ! wenn mich mein Gedächtnis nicht ganz täuscht , so wird dieser Monsieur Goethe auch in derselben Schrift des höchstseligen Königs erwähnt . O ma soeur , da wirst du ein monstre zu sehen bekommen , ein ganz geschmackwidriges Ungeheuer . Da sind alle Einheiten verletzt , und keine Kunst und keine Schönheit zu hoffen . O mon neveu ! daß die Jugend so gern von der Regel abweicht , denn Sie haben ja das Ding eingerichtet . « » Wenn ich nur überrascht werde « , sagte die Mutter , » so frage ich nach den sogenannten Regeln nicht so gar viel . « » Und verwechseln Sie nicht , Gnädigste « , fiel der Reichsgraf ein , » diesen mir unbekannten Dichter Gotha mit jenem Engländer Shakespeare , gegen den , wie ich mich etwas dunkel erinnere , der Zorn des Monarchen sich vorzüglich wendete . « » Kann sein « , antwortete die Dame , » denn ich bin seit lange der critique und den belles lettres etwas fremd geworden . « An diesem Abend speiseten die Fremden , die spät angekommen waren , mit dem älteren Teil der Gesellschaft und begaben sich früh zur Ruhe ; die künstlerischen Personen legten sich mit einiger Besorgnis nieder , wie das unternommene Wagestück morgen gelingen und ausfallen werde ; nur Baron Mannlich war völlig sicher und sorglos , weil er seinem Talent unbedingt vertraute . Aurora führte nun auch diesen wichtigen Tag herauf , und wenn man die Künstler beobachtete , so war es nicht zu verkennen , daß die meisten in einer großen Aufregung sich befanden . Sie aßen an der Mittagstafel nur wenig und verfügten sich eilig in ihre Zimmer , die Umkleidung zu bewerkstelligen . Schon in den letzten Tagen war mit Schneidern und Näherinnen vielfach verhandelt worden ; jetzt wurden noch die letzten Verbesserungen vorgenommen . Endlich wurden auch nach und nach die Lampen angezündet , und man hörte schon hinter dem Vorhange das Wogen und Rauschen der Eintretenden , und wie verschwimmende Laute das mannigfaltige Gespräch . In reichen seidenen Armsesseln saßen vorn die Baronesse Elsheim und die Äbtissin , sowie die Fürstin und der Reichsgraf ; auf gewöhnlichen Stühlen einige geladene Gäste aus der Nachbarschaft ; etwas von den Herrschaften entfernt die Dienerschaft des Schlosses und Landleute , Untertanen des Barons , denen Elsheim diese Freude gönnen wollte . Von den Gerichtspersonen , die vor einiger Zeit bei der Übergabe des Gutes an Elsheim waren beteiligt gewesen , hatten sich einige auch die Erlaubnis ausgebeten , an diesem Abend sich wieder einfinden zu dürfen . So war der große Saal ziemlich angefüllt , und so ruhig sich auch , aus Respekt vor den Herrschaften , die Landleute hielten , so vernahm man doch in halblauten Gesprächen , wie sie alle , die wohl noch nie ein Schauspiel gesehen hatten , auf das Heben des Vorhanges und die Entwickelung der Darstellung neugierig und gespannt waren . Mannlich , als Regisseur , stand schon mit seiner Klingel in der Hand bereit . Das Theater war leer , und Leonhard hatte eben mit Lachen die kleine Dorothea betrachten müssen , die sich in dem zu großen Küraß des Hans komisch , aber allerliebst ausnahm . Die erste Szene in der Schenke blieb weg , und das Stück sollte sogleich mit dem Monologe des Götz beginnen . Die Szene war daher Wald , und vorn als Seiteneinsatz das Wirtshaus . Aus dem offenen Fenster desselben , in der Kulisse stehend , lehnte jetzt Leonhard , als Mönch gekleidet . Er erschrak fast , da jetzt von gegenüber Charlotte , als Adelheid , hereintrat , im weißen Atlaskleide ; im vollen braunen Haar einen leichten Kranz von Myrten und weißen Rosen ; Hals , Schultern und ein Teil des schön gewölbten Busens frei . Leonhard hatte nie geglaubt , daß weibliche Schönheit so groß und glänzend , so bezaubernd einhertreten könne . Wie schalt er jetzt auf sich , daß er sonst oftmals auf geschminkte Weiber im moralischen Zorne gescholten hatte Denn nur mittelst der Schminke konnten beim Schein der Lichter diese dunkeln Augen so überirdisch glänzen , nur gegen aufgetragenes Rot Stirn und Augenbraunen von den Wangen durch reinen Glanz so abstechen . Um so mehr leuchteten dadurch Busen und Schultern . Während er noch diese Betrachtungen