und hörte , wie ihm ein verwirrtes Getöse von Lachen , Weinen , Schelten und Fluchen daraus entgegen tönte . Entrüstet öffnete der alte Haushofmeister die Thüre , um sich nach der Ursache des unziemlichen Lärmens zu erkundigen . Die dort Versammelten bemerkten ihn nicht sogleich , und er sah , wie der Knabe des jungen Grafen mit funkelnden Augen und erhitzten Wangen hinter einem Tische stand und sich mit dem Rücken gegen die Wand lehnte ; den rechten Arm hatte er erhoben und in der Hand hielt er drohend ein blinkendes Messer . Schurken ! rief er mit von Wuth entstellter Stimme , wagt es , und der erste , der mir naht , dem stoße ich dieß Messer in die Brust . Entsetzt sprang Dübois vor und rief : Um Gottes Willen , was geht hier vor ? Soll ich Mord hier im Hause erleben ? Die Bedienten wichen zurück , und der Lärm verstummte , auch der Knabe hatte den Arm sinken lassen , ob gleich die Hand noch das Messer hielt . Junger Mensch , fuhr Dübois fort , sich zu diesem wendend , was konnte Dich zu solcher Wildheit reizen , daß Du in Deiner zarten Jugend ein Mörder zu werden drohst ? Herr , erwiderte der Knabe mit zitternder Stimme , indem seine Wuth sich in Wehmuth auflöste und die hellen Thränen über seine Wangen flossen , Sie wissen nicht , wie mich diese Menschen reizten . Ich gehöre nicht zu ihnen , drum hielt ich mich abgesondert . Nun fingen sie an mich zu necken , meine Dürftigkeit zu verlachen und über meine Kleidung ihren Spott zu treiben ; da verlor ich die Geduld und sagte ihnen , was meine ernstliche Meinung ist , daß ich lieber sterben wollte , als eine Livree tragen , wie sie , wenn sie auch noch mehr Gold an sich hätten ; drauf wurden sie wüthend und wollten mich schlagen , und so kam es , daß ich , um mich zu vertheidigen , - hier stockte der Knabe , seine Hand ließ das Messer fahren , und er blickte mit Beschämung vor sich nieder . Und wenn Du nun so unglücklich gewesen wärest , in diesem thörichten Streite einen jener unnützen Schufte zu tödten , fragte der alte Mann , und seine blutende Leiche läge jetzt vor Dir , würdest Du dann nicht verzweifeln . Ich habe Unrecht , sagte der Knabe , aber sollte ich mich denn schlagen lassen ? Der Haushofmeister wußte keine Antwort zu geben , denn sein eigenes Ehrgefühl sagte ihm , daß der Knabe schwer gekränkt worden sei , und doch wollte er keine gewaltsame Handlung entschuldigen . Er wendete sich deßhalb zu den Bedienten und sagte : Euer Betragen werde ich dem Herrn Grafen melden , und ich bin überzeugt , daß Ihr eher alle aus seinem Dienste gejagt werdet , ehe er es duldet , daß ein Gast seines Hauses , ein Verwandter in seinem Diener beleidigt wird . Du , mein Sohn , sagte er zu dem Knaben , komm von diesen Menschen hinweg , Du sollst in meinem Zimmer bleiben , bis Dein Herr Deiner bedarf . Er nahm nach diesen Worten die Hand des Knaben und führte ihn aus dem Bedientenzimmer hinweg . Das fehlte noch , sagte einer der Zurückbleibenden , daß wir um des Bettelprinzen Willen unsere Stellen verlören ; aber Du , Johann , hast den Lärmen angefangen , bekommt es uns schlecht , so gehn wir über Dich her . Der Beschuldigte wollte sich vertheidigen , es wurde Partie für und wider ihn genommen , und es war nah daran , daß der Streit ernsthaft erneuert wurde , wenn nicht ein Jäger , der Vernünftigste der Gesellschaft , dringend zum Frieden ermahnt hätte . Seinem Rathe beschloß man auch einmüthig zu folgen , und man wollte Dübois , ehe er am andern Morgen den Grafen sprechen könnte , vermögen , die Sache zu verschweigen , und sich mit dem Knaben zu versöhnen suchen , damit auch dieser nicht bei seinem Herrn sich beklage . Dübois hatte den Knaben auf sein Zimmer geführt und fragte ihn hier : Hast Du schon zu Abend gegessen , mein Kind ? Nein , sagte der Knabe , da ich mich nicht unter die Bedienten mischen wollte , so hat mir auch Niemand etwas angeboten . Der Haushofmeister brachte nun selbst einige kalte Gerichte und stellte auch eine kleine Flasche Wein vor seinen neuen Gast . Der Knabe fing unter stillen Thränen an zu essen und trank auch ein wenig von dem ihm angebotenen Weine . Als er seine Mahlzeit beendigt hatte , sagte Dübois : Und nun , mein Sohn , erzähle mir doch , weßhalb Du nicht zu den Bedienten zu gehören glaubst . Sie sind ein so guter Herr , sagte der Knabe zutraulich , recht wie einem Vater könnte ich Ihnen vertrauen , mit Ihnen kann ich gern über alles Unglück sprechen , das ich schon erlebt habe , so jung ich auch noch bin . Mein Vater war ein gelehrter Mann , aber weil er in seiner Jugend nicht Geld genug hatte , so konnte er auch nicht auf eine Universität gehen und studieren , wie es sein Wunsch war , also konnte er auch nicht Prediger werden und nahm eine Kantorstelle an , wobei er sich auch recht gut stand . Es war ein schönes , großes Dorf und hieß Schönau , wo wir wohnten , ein anderes Dorf gehörte auch zu unserer Kirche , und mein Vater hatte eine reiche Einnahme . Die Bauern ehrten ihn als einen Mann , der beinah gelehrter war als der Prediger selber ; unser Herr Pfarrer liebte meinen Vater , und Beide waren recht große Freunde ; selbst , wenn der gnädige Herr auf dem Schlosse war , so lud er niemals den Prediger zu Tische , ohne auch meinen Vater zu bitten ; so ging Alles recht schön und gut ; mein Vater