Portugal ! Abermals in einem von Legitimität und Katholizismus verwüsteten Lande ein Kind auf dem Thron , wenn auch schon fast eine Jungfrau ! Aber an der Sache des Kindes Maria da Gloria entspann sich der Kampf und die Bewegung der nationalen Freiheit . Und wieder ein Thron , der nicht anders als unter den freien und neuen Einrichtungen sich für gesichert halten kann , ein Thron uralter Legitimität , an die Blüthe eines jungen Mädchens gefesselt , die nur durch die Macht der Bewegung Königin sich nennt , die im Begriff steht , mit einem Fürsten aus Napoleonischem Stamme sich zu vermählen . Wunderbare Romandichtung der Geschichte ! Wer hatte etwas Aehnliches sich ausdenken können ! Doch während die Freiheit in Portugal aufblüht , verhüllt der Katholizismus trauernd sein Haupt , nachdem ihm der kluge Dom Pedro eine tödtliche Wunde geschlagen . So sind diese beiden alten Legitimitäten des westlichen Europas von der Bewegung ergriffen . O Legitimität , wo wohnst Du noch , wo habe ich Dich in Deiner ursprünglichen Reinheit und festen Kraft , und in nationaler Übereinstimmung mit dem Geist des Volkes selbst , noch zu suchen ? Ich weiß kein Land , in dem sich die Legitimität reiner , ursprünglicher und unvermischter erhalten hätte , als in dem streng katholisch gebliebenen Oesterreich . Und ich höre , daß sich der unglückliche Karl der Zehnte jetzt für immer in Oesterreich ankaufen wird , nachdem er die Hoffnung aufgegeben , je wieder auf französischen Boden zurückzukehren . Die alte Austria steht noch fest , sie hat eine reiche und großartige Aristokratie , wie wenig andere Länder , und das Volk hat Ehrfurcht vor der Aristokratie , wie kein anderes Volk . Kann es dauerhaftere Verheißungen für die Stabilität geben ? Selbst in England ist der Toryismus bereits für untergraben anzusehn , während die österreichische Aristokratie ihren ganzen unversehrten Glanz noch erhalten , ja immer strahlender und mächtiger sich erhebt . Daher gibt es fast keine einzige zweideutig schillernde Richtung im österreichischen Staat , nirgend liegen verschiedenartige und entgegengesetzte Elemente im Kampf , woraus eine Bewegung ihren Anfangspunct nehmen könnte , und diese patriarchalische Einheit der Zustände , die fernab von der übrigen europäischen Civilisation steht , verbürgt noch auf unabsehbare Jahre die Legitimität . Und da ich von dem Kampf verschiedenartiger Elemente gesprochen , fällt mir noch das Schloß des Grafen Czernin ein , das ich hier in Prag mit Verwunderung gesehn . Dies ist vielleicht das einzige Grafenschloß im ganzen Lande , in welchem demokratische Bestandtheile ihren Wohnsitz aufgeschlagen haben . Ein herrlicher , in dem großartigsten Styl erbauter Palast , aber er steckt voll von pöbelhaftem Radicalismus . Aus den hohen Fenstern hängt an hölzernen Stangen zerlumpte Wäsche zum Trocknen heraus , und durch das colossale Portal geht nichts als armseeliges Bettlergesindel , in schmutzigen und dürftigen Gestalten , aus und ein . Ist das nicht ein Contrast verschiedenartiger Elemente in einem erhabenen Aristokratenschloß ? Doch der Graf hat es um Gottes willen gethan . Mildthätigen Sinnes , hat er den Armen und Bedürftigen seinen ganzen Palast zum Wohnen überlassen . Aber diese großartige Verschmelzung von Aristokratie und Radicalismus hat etwas ungemein Ueberraschendes und Nachdenkliches . Zugleich freut man sich darüber . Ich würde mich auch freuen , wenn einmal eine Königstochter aus altem Hause einen wegen demagogischer Umtriebe relegirten Studenten aus purem Mitleid heirathen wollte ! Doch wo bin ich hingerathen ? Oder wo bin ich ? In den abenddunkeln Gängen von St. Veit irre ich noch , dem Anschein nach ein in sich selbst versunkener Frommer , auf und nieder , und von draußen höre ich den starken Regen auf die Steine herabschlagen . Ich erbange und werde unruhig in dem einsamen menschenentleerten Dom , dessen hohe Säulen , wie alte Mystiker mit schwarzen Bärten , sich immer schauerlicher in die wachsende Dämmerung einspinnen . Meine beständige Sehnsucht nach den Gestalten dieser Welt befällt mich mit unverholener Wehmuth , und es brechen plötzlich in meiner Brust die Schleusen unstillbarer Schmerzen auf . Kein Laut wird um mich her wach ; nur hier und da noch eine einzelne Gestalt , an einem Pfeiler lehnend , oder mit leiser Bewegung an mir vorbeischwebend . Die Perspective ins Jenseitige , die zuvor an der gothischen Baukunst dieses Domes meinen Gedanken sich aufgethan , wird jetzt auf Einmal zu einem großen Gefühl der Trauer tief in mir innen . Das ferne Jenseitige hilft mir nicht , und das nahe Diesseitige kann mir nicht genügen . Und Christus sagt , sein Reich sei nicht von dieser Welt , und doch ist er zu uns gekommen , und ist selber Welt geworden . Gott hat sich aus Liebeslust ins Fleisch getaucht , und das Fleisch dieser Welt ist geheiligt worden , indem es Gott wurde . So blüht Gottes Reich überall auf der Erde , aber es ist dennoch , wie Christus verkündet , nicht von dieser Welt , das heißt : nicht von der Welt , wie sie als das von der Jenseitigkeit abgetrennte und in sich verlorene Diesseits hier dasteht . Das Diesseits , welches ohne das Jenseits ist , trägt aber noch den ganzen uralten Fluch des Fleisches auf seinem ungesegneten Haupte , sowie die Erde , welche ohne die Sonne finstrer Klumpen der Materie wäre , ohne sie auch keine Wendepuncte der Bewegung hätte , um sich durch Schwingung zu erhalten , und durch Licht und Farbe zu wärmen und zu kleiden . Und die Sonne , mit ihren Alles bewegenden Weltstrahlen , bewegt auch den Klumpen , und der große Gott mit seinem Alles liebenden Geist hat auch das Fleisch geliebt . Den erhabenen Bund zwischen Gott und Welt hat Christus geflochten , das Jenseits ist in das Diesseits eingeströmt , und der alte Fluch des Fleisches ist der Segnung gewichen . Nur die Stabilität des Klumpens , nur die Legitimität des Fleisches , möchte ich sagen , ist es , welche ein unheilvolles Zerwürfniß zwischen Welt und Geist unterhalten kann . Denn sobald