glaub ' s daß die Bäume und Felsen sich nahten und neue Gruppen und Wälder bildeten , denn auch ich hab ' s erlebt ; ich sah Säulen emporsteigen und wunderbares Gebälk tragen , auf dem sich schöne Jünglinge wiegten ; ich sah Hallen , in denen erhabene Götterbilder aufgestellt waren ; wunderbare Gebäude , deren Glanz den Blick des stolzen Auges brachen ; deren Galerien Tempel waren , in denen Priesterinnen mit goldnen Opfergeräten wandelten und die Säulen mit Blumen schmückten , und deren Zinnen von Adlern und Schwanen umkreist waren ; ich sah diese ungeheuren Architekturen mit der Nacht sich vermählen , die elfenbeinernen Türme mit ihren diamantnen Lazuren im Abendrot schmelzen und über die Sterne hinausragen , die im kalten Blau der Nacht wie gesammelte Heere dahinflogen und , tanzend im Takt der Musik und um die Geister sich schwingend , Kreise bildeten . Da hörte ich in den fernen Wäldern das Seufzen der Tiere um Erlösung ; und was schwärmte alles noch vor meinem Blick und in meinem Wahn . - Was glaubte ich tun zu müssen und zu können ; welche Gelübde hab ich den Geistern ausgesprochen ; alles , was sie verlangten , hab ich auf ewig und ewig gelobt . Ach Goethe , das alles hab ich erlebt in dem grünen goldgeblümten Gras . Da lag ich in der Spielstunde und hatte die feine Leinwand über mich gebreitet , die man da bleichte , ich hörte oder fühlte mich vielmehr getragen und umbraust von diesen unaussprechlichen Symphonien , die keiner deuten kann ; da kamen sie und begossen die Leinwand ; und ich blieb liegen und fühlte die Glut behaglich abgekühlt . Du wirst gewiß auch ähnliches erlebt haben ; diese Fieberreize , ins Paradies der Phantasie aufzusteigen , haben Dich auf irgendeine Weise durchdrungen ; sie durchglühen die Natur , die wieder erkaltet - etwas anders geworden , zu etwas anderm befähigt ist . An Dich haben die Geister Hand gelegt , in ' s unsterbliche Feuer gehalten ; - und das war Musik ; ob Du sie verstehst , oder empfindest ; ob Unruhe oder Ruhe Dich befällt ; ob Du jauchzest oder tief trauerst ; ob Dein Geist Freiheit atmet oder seine Fesseln empfindet ; - es ist immer die Geisterbasis des Übermenschlichen in Dir . Wenn auch weder die Terz noch die Quint Dir ein Licht aufstecken , wenn sie nicht so gnädig sind , sich von Dir beschauen und befühlen zu lassen , so ist es bloß , weil Du durchgegangen bist durch ihre Heiligung , weil die Sinne , gereift an ihrem Licht , schon wieder die goldnen Fruchtkörner zur Saat ausspreuen . Ja , Deine Lieder sind die süßen Früchte , ihres Balsams voll . Balsam strömt in Deiner dithyrambischen Wollust ! Schon sind ' s nicht mehr Töne - es sind ganze Geschlechter in Deinen Gedichten , die ihre Gewalt tragen und verbreiten . - Ja , das glaub ich gewiß , daß Musik jede echte Kunsterscheinung bildet und sich freut , in Dir so rein wiedergeboren zu sein . - Kümmere Dich nicht um die leeren Eierschalen , aus denen die flügge gewordenen Geister entschlüpft sind ; - nicht um die Terz und die Quint und um die ganze Basen- und Vetterschaft der Dur- und Mollton- arten , - Dir sind sie selber verwandt ; Du bist mitten unter ihnen . Das Kind fragt nicht unter den Seinigen : » Wer sind diese , und wie kommen sie zueinander ? « Es fühlt das ewige Gesetz der Liebe , das es allen verbindet . - Und dann muß ich Dir auch noch eins sagen : Komponisten sind keine Maurer , die Steine aufeinanderbacken , den Rauchfang nicht vergessen , die Treppe nicht , nicht den Dachstuhl , und die Tür nicht , wo sie wieder herausschlüpfen können , und glauben , sie haben ein Haus gebaut . - - Das sind mir keine Komponisten , die Deinen Liedern ein artig Gewand zuschneiden , das hinten und vorne lang genug ist . O Deine Lieder , die durchs Herz brechen mit ihrer Melodie ; wie ich vor zehn Tagen da oben saß auf dem Rheinfels , und der Wind die starken Eichen bog , daß sie krachten , und sie sausten und brausten im Sturm , und ihr Laub , getragen vom Wind , tanzte über den Wellen . - Da hab ich ' s gewagt zu singen ; da war ' s keine Tonart - da war ' s kein Übergang - da war ' s kein Malen der Gefühle oder Gedanken , was so gewaltig mit in die Natur einstimmte : es war der Drang eins mit ihr zu sein . Da hab ich ' s wohl empfunden , wie Musik Deinem Genius einwohnt ! Der hat sich mir gezeigt , schwebend über den Wassern , und hat mir ' s eingeschärft , daß Dich ich liebe . - Ach Goethe , laß Dir keine Liedchen vorlallen und glaube nicht , Du müßtest sie verstehen und würdigen lernen ; ergib Dich auf Gnad und Ungnad ; leide in Gottesnamen Schiffbruch mit Deinem Begriff ; - was willst Du alles Göttliche ordnen und verstehen , wo ' s her kommt und hin will ? Siehst Du , so schreib ich , wenn ich zügellos bin und nicht danach frage , ob ' s der Verstand billigt . Ich weiß nicht , ob es Wahrheit ist ; mehr als das , was ich prüfe ; aber so möcht ich lieber schreiben , ohne zu befürchten , daß Du wie andre mich schweigen hießest ; was könnt ich Dir alles sagen , wenn ich mich nicht besinnen wollte ! Bald würde ich Herr werden , und nichts sollte sich mir verbergen , was ich halten wollte mit dem Geist , - und wenn Du einstimmtest und neigtest Dich meinem Willen , wie der Septakkord sich der Auflösung entgegendrängt , dann wär ' s , wie die